Hochzeiten: Romantisch soll es sein und ein bisschen wie im Film

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Es gehört zu den schönen Aufgaben von Pastor Detlef Belter, Brautpaare zu trauen und ihnen den Segen zu spenden.

Bönen - „Ja!“ Mit dieser Antwort besiegeln im Mai wieder zahlreiche Paare den Bund fürs Leben. Ist der Gang zum Standesamt obligatorisch, weil rechtsverbindlich, ist die kirchliche Trauung eine ganz persönliche Entscheidung. Der Traugottesdienst ist jedenfalls mehr als eine romantische Location, und der Pfarrer nicht nur ein Dienstleister bei einem durchgestylten Event, findet der Bönener Pastor Detlef Belter, der schon so Einiges auf Hochzeiten erlebt hat.

Gerade, als Detlef Belter den Ringwechsel einleiten will – dieser  besondere Moment, der ganz dem Brautpaar gehören sollte – spürt er ein Gewicht auf seiner Schulter: Der Fotograf hat sich mitten in der Trauzeremonie von hinten angepirscht und lehnt sein Objektiv jetzt ganz selbstverständlich auf die Schulter des Pastors, um die beste Bildperspektive zu bekommen. „Da hab ich dann schon gesagt, dass es jetzt mal gut ist“, erinnert sich Belter schmunzelnd. 

Der evangelische Pastor hat schon so Einiges erlebt bei kirchlichen Trauungen. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass heutzutage viele Menschen nicht mehr vertraut sind mit den Abläufen des Gottesdienstes und wie man sich in einer Kirche verhält“, vermutet Belter. Dennoch heiraten inzwischen wieder deutlich mehr Paare als in den vergangenen Jahren in der Kirche. 

Die Motive sind allerdings unterschiedlich. „Für die einen ist es eine bewusste Entscheidung und wichtig, den Segen Gottes für ihre Ehe zu haben“, so Belters Erfahrung. „Das Leben ist kompliziert. Da kann die Begleitung durch Gott eine Hilfe sein.“ 

Frauen wünschen sich Romantik

Dann gebe es aber auch die Brautpaare, für die das Ja-Wort in der Kirche einfach dazugehört, weil ihre Hochzeit dadurch zum romantischen Event wird. „Vor allem Frauen wünschen sich den großen Auftritt im Brautkleid in der Kirche“, sagt Belter. Sie wollen, dass ihre Hochzeit romantisch und möglichst perfekt wird. „Da wird manchmal ein Riesenaufwand getrieben und der Hochzeitstag bis ins kleinste Detail ein oder zwei Jahre im Voraus geplant.“ Aber: Je aufwendiger die Planungen, je höher sind auch die Erwartungen an den Tag, gibt er zu bedenken. 

Romantisch soll er sein, der schönste Tag, das hoffen vor allem Frauen. Mit den umfangreichen Planungen und einem durchgetakteten Hochzeitstag setzen sich viele Paare selbst unter Druck.

Da passiert es dann, dass ein Brautpaar anruft und anfragt: „Können Sie uns an dem Samstag um 15.30 Uhr trauen? Alle Planungen sind bereits abgeschlossen.“ Partylocation, Kleid, Essen, Fotograf und Kutsche – alles ist organisiert – fehlt nur noch der Pfarrer. „Wir werden da manchmal als Dienstleister angesehen, als ein Programmpunkt unter vielen“, sagt Detlef Belter. Dabei ist die Trauung in der Kirche eigentlich der Anlass für die Feier und das Wichtigste. 

Idealerweise soll sich die Trauung in das Gesamtkonzept für den Tag einfügen. „Frauen haben ein sehr romantisch geprägtes Bild von ihrer Hochzeit.“ Da spielt auch die Auswahl des Trauortes eine Rolle. „Es gibt schöne Traukirchen, aber das Bodelschwingh-Haus beispielsweise ist eben nicht so ein romantischer Ort, sondern ein Multifunktionshaus.“ Und manchmal merke er auch den Einfluss von Hollywood, lacht Belter.

Einfluss von Hollywood-Filmen  

 „Manche Bräute stellen sich die Hochzeit wie in einem Film vor. Da muss ich schon mal sagen, das ist ein Gottesdienst und nicht Las Vegas.“ In Deutschland sei es beispielsweise nicht üblich wie in Amerika, dass mehrere Brautjungfern mit der Braut in die Kirche einziehen. „Sie haben aber, ebenso wie die Trauzeugen in der evangelischen Kirche keine Funktion, außer, dass Paar zu unterstützen. In der katholischen Kirche ist die Ehe erst mit der Trauung in der Kirche gültig, denn die Ehe ist ein Sakrament. Deshalb bezeugen die Trauzeugen während der Trauung mit ihrer Unterschrift den Akt.“ 

Um alle Fragen vorab zu klären, gibt es die Traugespräche. „Ich treffe mich zwei oder drei Mal mit dem Brautpaar, um alles Wichtige durchzusprechen. Da geht es natürlich um die Ehe aus christlicher Sicht, und warum diese Zwei in der Kirche heiraten wollen.“ 

Es geht aber auch um Persönliches in den Gesprächen, etwa, wie sich das Paar kennengelernt hat. Schließlich soll die Traurede sehr persönlich auf das Paar zugeschnitten sein. 

Fotografen auf dem Taufbecken

Aber auch Formalien müssen zum Ablauf des Gottesdienstes geklärt werden. Dazu gehört auch der Hinweis, dass nicht alle Gäste während des Gottesdienstes permanent Fotos machen, findet Belter. „In der Regel ist ja ein Fotograf da, der sich darum kümmert.“ Der sollte auch wissen, dass es Grenzen gibt, auch wenn die Bilddokumentation einer Trauung heute sehr wichtig ist. „Es gab da auch schon Fotografen, die auf den Taufstein geklettert sind, um eine bessere Perspektive zu haben“, berichtet Detlef Belter. „Aber das ist schließlich ein Gottesdienst und nicht ‘Traumhochzeit’ im Fernsehen.“

Generell stellt der Bönener Pastor fest, dass bei Hochzeiten immer mehr Gäste sind, die mit der Liturgie nicht mehr vertraut sind. „Aber da helfe ich mit kleinen Hinweisen – etwa, wann sich die Gemeinde erheben muss.“

Und er hilft auch, wenn die Anspannung vor dem Altar zu groß wird. „Wenn sich das Paar ein Trauversprechen geben will, aber vor Nervosität alles vergessen hat, helfe ich auch schon mal mit dem Manuskript aus.“ Und wenn die Stimme ganz versagt, dann stellt er die klassische Traufrage – da reicht dann „Ja, mit Gottes Hilfe.“ 

Ein beruhigendes Wort für nervöse Bräutigame

Auch für Bräutigame, die nervös vor dem Altar warten, weil die Braut nicht auftaucht, hat er beruhigende Worte. „Schließlich sind die beiden ja schon standesamtlich verheiratet. Das ist nicht wie im Film, wo die Braut die Hochzeit platzen lässt.“ Je enger der Tag durchgetaktet ist, je mehr Stress für das Paar, so Belters Erfahrung.

Er erinnert sich deshalb gut an ein Brautpaar, das auf halber Strecke auf dem Weg zur Kirche in Flierich bemerkte, dass der Brautstrauß noch zu Hause lag. Die beiden kehrten um, anstatt jemand zu beauftragen. „Das dauerte dann ziemlich lange und die ganze Gesellschaft wartete, weil das Paar in einer Pferdekutsche unterwegs war“, erzählt Detlef Belter. Immerhin hat diese Trauung dann mit einiger Verspätung stattgefunden. 

Ganz anders als bei einem Brautpaar, das alles im Traugespräch besprochen hatte, sich dann aber nicht mehr meldete. „Kurz vorher habe ich dann mal angerufen, aber niemanden erreicht“, erinnert er sich. Schließlich habe ich die Eltern erreicht, die mir mitteilten, dass die Hochzeit nicht stattfindet.“ In dem Wirrwarr hatte niemand daran gedacht, den Pfarrer zu informieren.

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