Friedensappell von "Hitlerjunge Salomon" am Bönener Gymnasium

+
Sally Perel besuchte am Montag die Schüler im Marie-Curie-Gymnasium. Es war nicht sein erster Auftritt in Bönen. Jedes Jahr besucht er Deutschland, um auf Lesereise zu gehen.

Bönen – „Shalom, Salam, Frieden“. So begrüßte Salomon Perel am Montag die Schüler in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums.

Der Zeitzeuge berichtete zahlreichen Schülern, Lehrern und Interessierten von seinen Erlebnissen während des Nationalsozialismus – als Jude und als Hitlerjunge. Offen erinnert er sich an Ereignisse und Gedanken während seiner Kindheit und Jugend vor und während des Zweiten Weltkrieges.

Geboren wurde Sally Perel in Deutschland. Er wuchs in der niedersächsischen Kleinstadt Peine auf, ehe er mit seiner Familie vor der Judenverfolgung nach Polen flüchtete. 

Worte der Mutter geben Kraft

Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen musste er mit nur 14 Jahren erneut seine Heimat und auch seine Familie verlassen. Die letzten Worte, die er von seiner Mutter hörte, sollten ihm aber immer im Gedächtnis bleiben: „Du sollst leben“.

Die Kraft, die er daraus schöpfte, und bestimmt auch ein Wunder sorgten dafür, dass er als Jude in der Hitlerjugend und bei der Wehrmacht unerkannt blieb. Der 94-Jährige vermittelte dem Publikum am Montag eindringlich, dass der innere Kampf dieses Doppellebens ihn noch immer prägt. 

Sally Perel verspürt bis heute die Seele des Juden und die des Hitlerjungen. Als solcher war er von der Ideologie der Nazis überzeugt und habe die Hakenkreuze seiner Uniform verinnerlicht. Zwiegespalten begann er, sich selbst dafür zu hassen, dass er als Jude geboren wurde. Dazu musste Sally Perel täglich mit der Angst leben, entdeckt und vergast zu werden – und das vier Jahre lang, die sich für ihn wie „vier Ewigkeiten“ anfühlten.

Mit seiner ehrlichen Schilderung berührte der 94-Jährige sein Publikum tief.


Mit dieser ehrlichen Schilderung macht der Holocaust-Zeitzeuge die Zuhörer sehr betroffen und nachdenklich. Auch wenn manche Schüler von ihren Handys abgelenkt waren, trug diese Geschichtsstunde der besonderen Art trotzdem zu Sally Perels selbst auferlegtem Ziel bei: Als neue Zeitzeugen sollen die Zuhörer nun dafür sorgen, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. 

Neben der Vergangenheit denkt Sally Perel an die aktuelle Politik und den Rechtsruck in der Gesellschaft. Auch dabei forderte er die Schüler auf, kritisch zu denken und zu hinterfragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare