Historischer Torbogen kehrt nach Bönen zurück

Der massive Eichenbalken schmückte einst die Remise des Röerschen Hofes in Bönen.
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Der massive Eichenbalken schmückte einst die Remise des Röerschen Hofes in Bönen.

Bönen - Die Alte Mühle ist um ein historisches Ausstellungstück reicher. Seit Mittwoch steht ein 3,60 Meter langer Torbogen in der Heimatstube des Kulturzentrums. Vier Mann waren gefordert, um den Bogen aus massivem Eichenholz in das zweite Geschoss zu hieven.

Das Relikt aus dem Jahr 1755 ist damit in seine Heimat zurückgekehrt, an einen Ort ganz in der Nähe des Platzes, an dem er einst eingebaut wurde. Der Torbogen gehörte zum Röerschen Hof. Der stand dort, wo heute die Siedlung „Vorwigs Hof“ zu finden ist. Eingelassen wurde das Element seinerzeit in die Remise, in das Wirtschaftsgebäude. Dort entdeckte ihn 1970 Friedrich Dörnemann. Dem Hof stand das Ende bevor. Eine Großübung der Feuerwehr sollte für einen „warmen Abriss“ sorgen, Bagger und Baumaschinen anschließend den Rest erledigen.

„Wenn wir den nicht retten, geht er mit über den Deister“, sagte sich Friedrich Dörnemann. Als Beschäftigter der Gemeindeverwaltung wusste er natürlich von den Plänen und den Terminen. Kurzerhand suchte er sich Helfer: seinen Vater, ein Zimmermann, seinen Schwiegervater, der Schreiner war, und einen weiteren Handwerker. Gemeinsam bauten sie den schweren Balken aus, bevor die Flammen ihn zu Asche machen konnten.

Fünf Jahre lang lagerte der Bogen in der Garage der Dörnemanns am Hohlweg. Friederich Dörnmann leitete zu dieser Zeit die Haupt- und Personalabteilung der Bönener Verwaltung. Zuvor war er Amtsinspektor des Amtes Pelkum - der letzte vor der Schließung. Nun suchte der Diplom-Verwaltungswirt neue berufliche Herausforderungen, die ihm die junge Verwaltungsstruktur im Ort nicht bieten konnte. Nach einigen Bewerbungen wurde ihm schließlich 1975 die Stelle des Samtgemeindedirektors im niedersächsischen Bevern angeboten. Also zog die Familie um - und mit ihr der Torbogen.

Bis vor einigen Jahren schmückte der Balken die Terrasse der Dörnemanns in Bevern. Christel Dörnemann, die Ehefrau des Verwaltungschefs, restaurierte liebevoll die Inschrift: „Bauen und Pflanzen - Das lasst euch gar nicht verdrießen - Ihr und eure Nachkommen werden es genießen. Johann Diedrich Forwick und Anna Sophia Köckler, Eheleute, den 4. Juli anno 1755“ ist daher heute noch gut zu lesen, auch wenn die Orthographie nicht ganz korrekt ist. Zudem wurde der Bogen im Laufe der Zeit mehrfach mit einem Witterungsschutz versehen. Dennoch setzte Regen, Schnee, Kälte und Hitze dem Überbleibsel westfälischer Bauernkultur zu. „Er braucht ein Dach“, entschied Friedrich Dörnemann. Mit einiger Unterstützung verfrachtete er das lange Eichenelement in einen Transporter und brachte ihn zurück nach Bönen.

Eine erste Idee war es, den Bogen an Ort und Stelle wieder aufzubauen, also am Eingang zum Wohngebiet „Vorwigs Hof“. Doch dafür war der Eichenbalken dann doch zu schmal. Eine weitere Anregung, ihn in die Kita Katharina Luther zu bringen, wurde ebenfalls verworfen. Der Vorschlag von Annemarie Berg, der pädagogischen Mitarbeiterin der VHS, ihn in die Heimatstube der Alten Mühle einzuquartieren, fand schließlich Zustimmung. „Wir freuen uns, dass er hier auf alle Fälle seinen Platz findet“, sagte Friedrich Dörnemann. Zwar fühlen er und seine Frau sich im Landkreis Holzminden längst zuhause, doch hin und wieder zieht es sie zurück nach Bönen. Den Torbogen können sie dann in der Alten Mühle besuchen - wie auch alle anderen Interessierten.

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