Hilfe in Tüten: Bönener Tafel öffnet wieder ihre Ausgabestelle

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Neustart der Tafel in Bönen: Das zehnköpfige Helferteam verteilte gestern nach Monaten erstmals wieder Lebensmittel an Bedürftige in der Awo Tagesstätte. Die Waren wurden in Kisten abgeholt und dann in Taschen verpackt und ausgegeben.

Bönen – Schon vor 11 Uhr versammelten sich die ersten Tafel-Kunden am Dienstag vor dem Eingang der Awo Tagesstätte am Eichholzplatz. Nach Monaten öffnete die Tafel in Bönen endlich wieder ihre Ausgabestelle und verteilte Lebensmittel an Bedürftige.

„Es waren längst nicht so viele, wie auf der Kundenliste stehen und zu den besten Zeiten hierher kamen“, sagt Melanie Leipold, die die Liste am Eingang führt, „aber das muss sich erst noch bei allen rumsprechen.“ Immerhin – mehr als 20 Kunden fanden am ersten Tag den Weg zur Tafel – überwiegend Frauen, oft in Begleitung kleiner Kinder. 

Dennoch hatte das neue Team um Helen Eßkuchen und Dirk Presch, das ab sofort jeden Dienstag ab 11 Uhr die Ausgabe der Tafel in der Awo-Tagesstätte öffnet, alle Hände voll zu tun. Weil die Belieferung der Gemeinde derzeit noch schwierig ist, holen Eßkuchen und Presch die Waren, die die Tafel Unna der Ausgabestelle in Bönen zur Verfügung stellt, kurzerhand vorerst im privaten Bulli ab, damit es jetzt einfach mal losgeht. 

Zur Not geht es auch mit Zeichensprache: Atef Awada und Dirk Presch (hinten an der Tür) zeigen an, dass die Nummer drei an der Reihe ist.

Denn viele bedürftige Menschen in Bönen sind auf das „Zubrot“ auf ihrem Tisch durch die Tafel einmal in der Woche angewiesen, um über die Runden zu kommen. Ob Rentner, Hartz-IV-Empfänger oder Flüchtling, sie alle sind dankbar, dass der Speisezettel durch frisches Obst und Gemüse, sowie haltbare Lebensmittel ergänzt wird. Das neue Tafelteam stellt aus den Kisten mit Lebensmitteln zunächst jeweils zwei Papiertüten für jeden Kunden zusammen, denn in Corona-Zeiten können sie die Waren nicht mehr selbst aussuchen. 

Helfer aus den eigenen Reihen wollen etwas zurückgeben

Vor der Tür warten die Menschen geduldig mit Abstand und Mundschutz, bis ihnen Atef Awada eine Nummer aushändigt. Der Flüchtling aus dem Libanon lebt mit seiner Familie seit einem Jahr in Bönen und lernt derzeit deutsch. Er war selbst immer wieder Kunde der Tafel und freut sich, das Team jetzt unterstützen zu können. Er spricht Englisch, Französisch und Arabisch und übersetzt bei Sprachproblemen, erklärt, wo sich die Wartenden anmelden müssen, ob noch ein Nachweis der Bedürftigkeit fehlt und wo der Ausgang ist. 

Melanie Leipold (links) trägt die Kunden auf einer Liste ein. Früher hat die Tafel sie unterstützt, heute will sie die Tafel unterstützen.

Bis vor einem Jahr stand auch Melanie Leipold noch auf der anderen Seite des Tisches – nämlich als Kundin. Inzwischen hat die Mutter von drei Kindern einen Job gefunden. „Die Tafel hat mich oft über Wasser gehalten“, sagt sie rückblickend. „Und das Team hatte immer ein offenes Ohr und ein aufmunterndes Wort.“ 

Deshalb stand für sie schnell fest, dass sie etwas von der Hilfe, die sie selbst erfahren hat, zurückgeben will. Jetzt gehört sie zum Tafel-Team, und ist stolz darauf. „Und wenn wir sehen, dass eine Familie Kinder hat, dann geben wir auch schon mal Extras mit, die wir aus der Zentrale in Unna bekommen, wie Spielzeug oder Bücher.“ 

Mittags hat sich spontan eine junge Mutter gemeldet, die das Team ebenfalls unterstützen will. Das Baby bleibt ein paar Stunden bei der Oma, da kann sie dienstags mithelfen. 

Allerdings könnte das Team auf Dauer noch ein paar Helfer mehr gebrauchen, denn in den kommenden Wochen wird die Zahl der Menschen, die sich bei der Tafel ihre Unterstützung in Taschen abholen kommen, noch steigen. Wer nicht jeden Dienstag dabei sein kann, der ist auch an einzelnen Tagen willkommen.

Die Tafel Bönen

Die Bönener Tafel öffnet jeden Dienstag zwischen 11 und 13 Uhr in der Awo Tagesstätte am Eichholzplatz 3. 

Bedürftige Rentner, Hartz-IV-Empfänger und Flüchtlinge erhalten hier Lebensmittel. Sie sollten ihreBerechtigung einmalig mit einem Sozialhilfenachweis, Rentenbescheid oder Wohnberechtigungsschein nachweisen, da die Kundenlisten der Tafel nicht mehr aktuell sind. 

Da die Waren in Papiertüten ausgegeben werden, ist es hilfreich, reißfeste Taschen für den Transport mitzubringen

Helfer für das Tafel-Team melden sich bei Helen Eßkuchen, Telefon 0173/3623707 oder Dirk Presch, Telefon 8640.

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