Wie umweltfreundlich sind die Partei-Plakate?

Heute Wahlinfo, morgen Müll: Umweltsünde Wahlplakate

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Schilderwald in der Fußgängerzone.

Bönen – Die Städte in der gesamten EU verwandeln sich in den Wochen vor der Europawahl am 26. Mai in einen regelrechten Schilderwald. Wie umweltfreundlich sind eigentlich die Plakate der Parteien, die in der Regel auch mit ihrem Umweltbewusstsein werben?

Auch in Bönen werben die Parteien mit rund 500 Wahlplakaten, die ihre Botschaften von den Laternenmasten aussenden. Nach der Wahl müssen die politischen Werbemittel wieder abgenommen und entsorgt werden. Da kommt eine ganze Menge Müll zusammen.

Die Lebensdauer eines Wahlplakats ist bekanntlich begrenzt. Nach dem Wahlkampf landen die Werbetafeln auf dem Müll. Dabei haben die Parteien die Wahl, ob sie sich für Kunststoff entscheiden, der in der Regel witterungsbeständiger ist, oder umweltfreundliche Pappe, die aber nicht so wetterfest ist. 

Wie umweltfreundlich sind die Plakate der Parteien?

„Die Plakate der SPD sind aus 100-prozentig recyclebarem Kunststoff“, gibt Dirk Lampersbach, Fraktionsvorsitzender der Bönener SPD an. 

Auch die Bönener CDU verwendet Hohlkammerplakate, die aus recyclebarem Plastik sind. „Am Ende des Wahlkampfs werden sie zentral beim Wertstoffhof entsorgt“, so der Vorsitzende der Bönener CDU, Torsten Goetz. Die Grünen dagegen haben sich komplett von Plastik verabschiedet. 

Die Grünen verzichten ganz auf Plastik

„Unsere Plakate sind schon seit Jahren aus Überzeugung und in voller Absicht aus recyclebarem Material hergestellt. Das empfiehlt sich für jeden, der Plakate hängt“, findet Friedhelm Lange, Sprecher der Bönener Grünen. „Plakate aus bedrucktem Kunststoff/Styropor lehnen wir grundsätzlich als Vermüllung ab. Wenn Mitbewerber solche Plakatträger benutzen, machen sie einen großen, vermeidbaren Fehler, der von fehlendem Umweltbewusstsein zeugt und für einen Kostenvorteil von einigen Cent Kunststoffmüll produziert.“

Plastik oder Pappe - das ist auch in Bönen die Frage.

Die Entscheidung darüber, dass die Plakate recyclebar sind, sei von bündnisgrüner Seite her eine grundsätzliche Entscheidung und keine lokale Vereinbarung. Jahrelange Erfahrungen hätten zudem gezeigt, dass Plakate und Plakatträger aus Pappe stabiler seien als solche aus Styropor – auch das spreche für deren Verwendung. „Die Plakate der FDP sind aus dünnem Wellpappen-Kunststoff“, so Ralf Dammrose. 

„Generell fände ich es zielführender, die Anzahl der Wahlplakate auf feste, vorgegebene Standorte in der Gemeinde zu begrenzen. Mit einem System wie in Unna oder Kamen bekäme jede Partei dann die Möglichkeit dort Papierplakate zu kleben, was den Aufwand und die Umwelt deutlich schonen würde.“

„Die Plakate der Freien Wähler sind zu 75 Prozent aus umweltfreundlicher Pappe“, gibt Thomas Cieszynski von der BgB an. Leider besteht aber noch rund ein Viertel der Plakate aus Kunststoff.“ Wie viele Wählerstimmen die Plakate den Parteien tatsächlich bringen, ist umstritten. Viele Wähler sind eher genervt vom Schilderwald der Parteien. Es geht aber auch ohne Plakatierung, wie das Beispiel aus der Stadt Gladbeck zeigt.

Plakatierung zur Europa-Wahl

Um ihre Wahlplakate aufhängen zu dürfen, müssen die politischen Parteien einen Antrag bei der Gemeinde stellen, denn die Kommunen entscheiden in ihren Satzungen selbst über die Wahlplakatierung. Wo die einzelnen Parteien ihre Wahlplakate aufhängen, das entscheiden sie selber. Im Zweifel gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Sechs Wochen vor der Europawahl 2019, also Mitte April, durften die Parteien mit dem Plakatieren beginnen. Allerdings schreibt die Bönener Satzung vor, wo die Wahltafeln angebracht werden dürfen und wo nicht.

 So ist das Anbringen mit Kabelbinder an Laternenmasten erlaubt, unter Verkehrsschildern und an Ampeln aber verboten. Außerdem müssen für Verkehrsteilnehmer die Sichtfelder an Kreuzungen und Einmündungen frei bleiben. Unmittelbar ein bis zwei Tage nach der Wahl müssen die Parteien die Plakate wieder entfernen. Dann landen sie auf dem Müll. 

Nach der Wahl müssen in Bönen hunderte Plakate wieder entsorgt werden.

So viele Plakate haben die Parteien für Bönen bei der Gemeindeverwaltung beantragt: 

SPD: 80 CDU: 60 FDP: 60 Grüne: 60 Familienpartei: 30 MLPD: 30 Die Linke: 25 BgB: 25 

Die freien Wähler NRW und die AFD haben lediglich einen Antrag zur Plakatierung bei der Gemeinde gestellt, ohne eine Angabe zur Anzahl der Plakate zu machen.

Es geht auch ohne Plakate: 

In der Stadt Gladbeck beispielsweise sind SPD und Die Linke zu der Erkenntnis gelangt, dass eine Flut von Wahlplakaten keine Flut an Wählerstimmen bringt. Und so vermeiden die beiden Parteien nicht nur Plastikmüll, sondern verzichten auch erstmals ganz darauf, ihre Plakate für die Europawahl an Laternenmasten zu befestigen. Die Fridays-For-Future-Demonstrationen hätten ihn zum Nachdenken gebracht, sagt der Gladbecker SPD-Chef Jens Bennarend, der selbst Kandidat bei der Europawahl ist: „Wenn wir unseren Planeten erhalten wollen, müssen wir anfangen Einschränkungen hinzunehmen. Das ist eine Möglichkeit für die Parteien, Müll und Plastik zu vermeiden.“

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