Vorstoß in der Einwohnerfragestunde verblüfft

Stockdunkles Rathaus: Wieso hat Bönen da eigentlich keinen Weihnachtsschmuck?

Nüchtern gestaltet, sparsam beleuchtet: Bönens Rathaus transportiert eine Botschaft, die manchen in der Adventszeit zu unbehaglich daherkommt.
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Nüchtern gestaltet, sparsam beleuchtet: Bönens Rathaus transportiert eine Botschaft, die manchen in der Adventszeit zu unbehaglich daherkommt.

Lichterglanz am Haupthaus der Gemeinde? Fehlanzeige. Wieso eigentlich? Die Antwort steht noch aus:

Bönen – „Warum ist in der Verwaltung eigentlich noch keiner auf die Idee gekommen, vor unser Rathaus mal einen Weihnachtsbaum zu stellen?“ Verblüffend einfach erscheint die Frage, die Klaus Herbst aus noch ungewohnter Position auf der Zuschauerbank im Haupt- und Finanzausschuss in der Einwohnerfragestunde stellte. So verblüffend und unerwartet, trotz der vorherigen Beschlussfassung über die Erneuerung der Adventsbeleuchtung ab dem Jahr 2022, dass einen Moment verdatterte Stille herrschte.

Nach der Frage erst einmal Stille

Dann hatte sich Bürgermeister Stephan Rotering als erster wieder gefangen. Zwar nicht für eine Antwort auf die eigentliche Frage, aber mit dem Impuls für Vorwärtsverteidigung: Er nehme den Vorstoß des im September als fraktionsloses Mitglied aus dem Rat ausgeschiedenen, vormaligen SPD-Vordenkers „mal mit als etwas, was wir vielleicht aufgreifen können“, entgegnete der Verwaltungschef. Und schob nach: „Also wenn wir das so wollen, so etwas ist ja auch immer mit Aufwand verbunden.“

Bergkamen treibt‘s in diesem Jahr besonders bunt: Als Zeichen der Zuversicht in Coronatagen ist das Rathaus-Ensemble zum Lichtkunstwerk mutiert.

In der Nachbarschaft sieht es anders aus

Aufwand, den andere Kommunen sich und ihren Bürger gönnen, wie Herbst mit Verweis auf buchstäblich leuchtende Vorbilder in der Nachbarschaft anmerkte. Dagegen sieht es in Bönen eher finster aus, wie auch das Foto oben zeigt, das hat nach Herbsts Einwurf am Donnerstagabend unser Fotograf Andreas Rother gemacht. Zugleich haben wir uns mal umgeschaut, wie es einige Nachbarstädte so halten mit dem traditionellen Schmuck.

Ex-Ratsherr Herbst: Vorgehen „nicht zu fassen“

Aber noch einmal zurück zu Klaus Herbst. Der Ratsherr im Ruhestand hat sich in diesem Zusammenhang noch erlaubt, was sich nach den Worten des Bürgermeistes nicht geziemt und durch die Vorgaben der NRW-Gemeindeordnung für derlei Einwohnerfragen nicht gestattet ist: Herbst hat der Verwaltungsbank einfach mal die Meinung gegeigt.

In der Fragestunde mal Dampf abgelassen

Es heißt Fragestunde und nicht Kommentarstunde für Einwohner. Mit diesem Hinweis wollte es der Vorsitzende Rotering bewenden und Klaus Herbst reden lassen, wie er sagte. Aber der hatte sich schon von der Seele geredet, was ihn zur „Premiere auf der Zuschauerbank“, wie selbst sagte, getrieben hatte.

In zwei Jahren soll‘s was werden

„Nicht zu fassen“, schimpfte Herbst eingangs, „dass der Antrag aus 2019 jetzt erst behandelt und in 2022 erst umgesetzt werden soll. „Undenkbar“, Corona hin oder her, so viel Zeit verstreichen zu lassen. So kam er schließlich auf den Punkt, dass die Verantwortlichen im Rathaus sich um die Beleuchtung und das Image der Gemeinde „mal größere Gedanken machen sollten, wie in anderen Städten auch.“

Für die Politik war die Sache schon abgehakt

Das war in dieser Sitzung übrigens der einzige Nachhall in der Angelegenheit. Nachdem in der Beratung des Planungsausschusses die SPD zwar ob des zeitlichen Verlaufs wie des in der Pandemie jetzt vermissten Flairs in der „City“ lamentiert, sich schließlich aber dem einstimmigen Votum für eine Aufwertung des Weihnachtsschmucks erst in zwei Jahren angeschlossen hatte, wurde der Punkt im Finanzausschuss kommentarlos durchgewunken.

Aus dem Rathaus keine Reaktion

Die Redaktion hätte nun gern noch erfahren, wie es sich mit dem „vielleicht mal aufgreifen“ denn verhält. Bekommt Bönens Rathaus doch noch etwas adventlichen Glanz? Auf die Anfrage kam am Montag – wie sooft – nur die automatische Eingangsbestätigung des E-Mail-Eingangs für Presseanfragen zurück. Aber es sind ja auch noch 17 Tage bis zur Bescherung an Heilig Abend.

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