Heiligabend und zweiter Lockdown im Kreis Unna:

Paketdienste rechnen mit Rekorden

Der Versandhandel boomt geraden in Zeiten des Lockdowns und beschert den Mitarbeitern von Paketdiensten jede Menge Arbeit.
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Der Versandhandel boomt geraden in Zeiten des Lockdowns und beschert den Zustellern jede Menge Arbeit.

Kreis Unna – Der ohnehin boomende Onlinehandel hat seit dem corona-bedingten Lockdown im Frühjahr weiter Zulauf erhalten. Jetzt wurde erneut das Leben der Menschen eingeschränkt, was zu mehr Zeit in den eigenen vier Wände und vor dem Computer und Tablet geführt haben dürfte. Zeit also, wieder Pakete zu bestellen, zumal ja auch Weihnachten bald vor der Tür steht. Auf die großen Lieferdienste kommt eine arbeitsreiche Zeit zu.

Erster Lockdown brachte Rekorde

Schon die vergangenen Monate hatten es in sich. „Der Lockdown im Frühjahr hat bei Hermes zu plötzlichen Sendungsanstiegen von mehr als 40 Prozent geführt“, sagt Sebastian Kalthofen, Pressesprecher von Hermes. Ähnliches berichtet sein Kollege Rainer Erzner von der Deutschen Post DHL Group: Statt 5,2 Millionen Pakete wurden um Ostern rund neun Millionen ausgeliefert, so viele wie sonst in der Vorweihnachtszeit. Beim Deutschen Paket Dienst waren die Zahlen im Mai sogar höher als vor Heiligabend 2019, das habe den kurzzeitigen Einbruch von geschäftlichen Lieferungen mehr als kompensiert, erläutert Sprecher DPD-Peter Rey. Danach sei es zwar etwas abgeflacht, doch ein „hohes Niveau“ geblieben, erklären alle. Rey spricht von einem „extrem beschleunigten Wachstum im B2C-Segment“, also Unternehmen-zu-privat-Lieferungen.

Auch lokal nur Zuwächse

Amazon, als eigener Paketzusteller noch recht neu am Markt, verdichtet mit weiteren Zentren sein Liefernetz. So wird die heimische Region seit Juli von Unna aus beliefert. In Oelde enstand ebenfalls 2020 ein weiteres Logistikzentrum. Die DPD bedient den Kreis Unna von der 2019 fertiggestellten Niederlassung im Bönen-Hammer Industriegebiet an der A2, die das Depot in Königsborn abgelöst hat. Dort werden aktuell täglich 170 000 Pakete für Empfänger auch in Dortmund, Soest und bis ins Sauerland umgeschlagen. „Das sind 50 000 mehr als gewöhnlich“, teilt Peter Rey mit. Dafür wurden 150 zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt. Hermes fährt fünf tägliche Touren mit rund 3100 Sendungen aus dem Depot Witten nach Bergkamen, nach Bönen sind es zwei mit 1300 Päckchen und Paketen. Auch für die beiden Orte verzeichnete das Unternehmen zu Beginn der Pandemie eine Steigerung von 40 Prozent, die in den Sommermonaten zurückging, aber deutlich über dem Niveau der Vorjahre lag. Das Personal vor Ort wird Hermes laut Kaltofen um bis zu 20 Prozent erhöht. Die DHL wiederum beliefert Bergkamen und Bönen von der Zustellbasis in Kamen und verschickt zurzeit im Schnitt 2000 Pakete pro Tag, vor Weihnachten rechnet Ernzer mit 2500. Dazu kämen noch weitere Lieferungen in der Peripherie.

Zweiter Lockdown und Weihnachten

Der zweite Lockdown fällt mitten in das Weihnachtsgeschäft. Seit Anfang Oktober steigen überall bereits wieder die Lieferungen. „Der absolute Peak der Saison“, sagt Kaltofen und rechnet von Oktober bis Dezember bei Hermes bundesweit mit Spitzenwerten bis zu 120 Millionen Sendungen pro Woche und geht mit einem Plus von 20 Prozent zum Vorjahreszeitraum aus.

Bei DPD liegen die die Tagesmengen in den letzten beiden Monaten „grob 50 Prozent höher als gewöhnlich“, sagt Rey. Bei der DHL werden in der Adventszeit in der Spitze elf Millionen Lieferungen am Tag erwartet. Amazon nennt keine Zahlen.

Inwieweit die derzeitigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens den Effekt verstärken, sei schwer zu antizipieren, sagt Kaltofen. Die Firmen seien diesmal aber durch die Vorbereitung auf das Weihnachtsgeschäft gerüstet, heißt es.

Mehr Personal und mehr Flexibilität

Jedes Jahr werden in der Weihnachtszeit Saisonkräfte eingestellt, das ist auch diesmal so. Außerdem rechnen die Firmen grundsätzlich mit einem steigenden Geschäft durch einen Anstieg des E-Commerce. Die DHL hat laut Pressesprecher Ernzer schon im Frühjahr 4000 neue Mitarbeiter für die sogenannte Kernmannschaft eingestellt, im Oktober kamen weitere 3000 dazu, bis Jahresende sollen es 10 000 mehr sein. In der Weihnachtszeit stärken obendrein Studenten, Aushilfskräfte und befristete Beschäftigte das Team. Auch Amazon, hat nach Angaben von Sprecherin Nadiya Lubnina 10 000 Mitarbeiter in diesem Jahr neu eingestellt, die Lieferpartner würde zudem „Tausende von Saisonjobs“ schaffen.

Die zur Deutschen Post gehörende DHL lässt in diesem Jahr auch kleinere Pakete von Briefträgern austragen, will zudem die Zulieferung über den Tag verteilen, „so dass unsere Zusteller in den kommenden Wochen häufiger auch abends klingeln werden“, sagt Ernzer. Hermes hat 3500 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt und 3900 neue Fahrzeuge angeschafft, außerdem die Sortierkapazität um 30 Prozent erhöht. Digitale Lösungen sollen die Zustellprozesse optimieren.

Weihnachten kommt schneller als gedacht

Weihnachten steht dick im Kalender, und doch kommt es für einige Menschen beim Geschenkekauf jedes Jahr plötzlich. Mit Engpässen rechnen die Paketdienste nicht. „Aber wie immer gilt: Weihnachtsbestellungen besser frühzeitig tätigen und auch private Sendungen nicht erst auf den letzten Drücker abschicken“, rät Kaltofen stellvertretend für seine Kollegen. Er nennt den 21. Dezember als Stichtag für die Abgabe in einem Paketshop, um eine pünktliche Lieferung von Hermes-Paketen zu gewährleisten, für internationale Sendungen den 15. Dezember. Der DPD gibt den 22. Dezember als letzten Aufgabetermin an. Die DHL bittet darum, Pakete spätestens am Samstag vor Weihnachten, also dem 19. Dezember, bis 12 Uhr abzugeben. Für Briefe und Postkarten gelte der Einwurf am 22. Dezember vor der Leerung. Für Amazon ist es zu früh, „um über Bestellfristen zu Weihnachten zu sprechen“, erklärt Nadiya Lubnina und verweist auf das auf der Produktdetailseite immer genannte Lieferdatum.

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