Handwerk und Corona

Manch Betrieb kommt erstaunlich gut durch die Krise

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Gernot Grebe (links) und sein Azubi Jannik Katthage in der Tischlerwerkstatt. „Die Auftragsbücher sind voll und füllen sich weiterhin“, meint der Tischlermeister.

Bönen/Bergkamen – Das Handwerk hat goldenen Boden, weiß der Volksmund. Aber gilt dies auch in Zeiten von Corona? „Bedingt“, heißt es bei der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe mit Blick auf Betriebe, denen Teile ihrer Geschäftsgrundlage weggebrochen sind. Vielfach aber schlagen sich Firmen achtbar.

Bei manchen Betrieben floriert das Geschäft sogar noch stärker als vor der Pandemie. „Die Auftragsbücher sind voll und füllen sich weiterhin“, heißt es etwa in der Tischlerei Grebe an der Bahnhofstraße in Bönen. Dabei hat Inhaber Gernot Grebe zu Beginn der Krise erst einmal ordentlich durchatmen müssen. „Am Telefon war damals zwei Wochen lang Funkstille“, erinnert er sich. „Ich dachte: Wer weiß, was da noch kommt.“ Tatsächlich waren einige Aufträge kurzzeitig auf Eis gelegt worden, diese werden aber mittlerweile abgearbeitet.

„Die Kunden setzen auf vernünftige Qualität“

Dass es für seinen Betrieb ungeachtet der Krise positiv weitergeht, führt Grebe unter anderem darauf zurück, dass er „breit aufgestellt“ ist: „Wir machen von der Möbelfertigung über den Innenausbau bis hin zum Hausbau alles“, verdeutlicht er. Überdies setzten seine Kunden auf vernünftige Qualität, fügt er hinzu. „Da sind die Kosten manchmal zweitrangig.“

Wie viel Geld bleibt im Portemonnaie? Diese Frage stellt sich angesichts von Corona und weitverbreiteter Kurzarbeit vielen. „Aber die Leute hatten auch verstärkt Zeit, darüber nachzudenken, was sie mit ihrem vorhandenen Geld machen können und legen es nun in Sachwerte an“, sagt Grebe, der derzeit fünf Mitarbeiter beschäftigt. Seiner Einschätzung nach haben auch andere Gewerke gut zu tun – so gut, dass der Fachkräftemangel weiterhin unverkennbar sei.

„Wir sind aktuell gut ausgelastet“

„Wir sind aktuell gut ausgelastet“, berichtet auch Bernd Meyer vom gleichnamigen Malerteam an der Weetfelder Straße in Bönen. In dieser Woche seien gleich mehrere neue Aufträge hereingekommen, er und seine vier Mitarbeiter planten schon bis in den August hinein. Meyer zeigt sich optimistisch, dass sein Betrieb weiterhin ohne Probleme durch die Krise kommt. Einige Kunden, sagt er, seien angesichts der Ansteckungsgefahr aber vorsichtiger geworden. Ein älteres Ehepaar etwa hätte seinen Kollegen eigens ein Dixi-Klo aufstellen lassen, um für bestmögliche Hygienevoraussetzungen während des Arbeitseinsatzes in ihrem Zuhause zu sorgen.

„Die Endkunden werden vorsichtiger.“ Das unterstreicht auch Thomas Behrning, der Sprecher der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe. Das schließe auch die Angst ein, dass sie den Handwerker womöglich nicht mehr bezahlen können und Aufträge verschieben oder ganz stornieren.

Situation ist branchen- und kundenabhängig

Für die Betriebe gelte: Jeder versuche, seinen eigenen Weg durch die Krise zu finden. Das gelinge dem einen besser, dem anderen weniger gut. Und die Lage könne sich schnell ändern: „Während das Friseurhandwerk zu 100 Prozent vom Shutdown betroffen war, können sich diese Betriebe derzeit vor Arbeit kaum retten.“

Dass die Lage einer Firma nicht nur branchen-, sondern auch kundenabhängig ist, erläutert Christoph Knepper, Obermeister der Innung für Metalltechnik Unna. So merke von der Coronakrise so gut wie nichts, wer in seiner Branche bauorientiert arbeite. Wer im Maschinenbau aktiv sei, aber schon.

„Es ist deutlich ruhiger geworden bei uns“

Knepper weiß dies als Geschäftsführer der Knepper GmbH an der Königslandwehr in Bergkamen aus eigener Erfahrung. „Als Hersteller von Maschinen und Maschinenkomponenten sind wir exportabhängig, weil es unsere Kunden auch sind“, sagt er. „Wir drehen zwar derzeit nicht Däumchen, aber es ist deutlich ruhiger geworden bei uns.“

Als Beispiel für veränderte beziehungsweise verzögerte Abläufe nennt Knepper zwei im Werk erstellte Maschinen, die zurzeit für die Reise nach Kanada vorbereitet werden. „Sobald die Einzelteile angekommen sind, würden wir sie eigentlich mit einem Team dort aufbauen. Dazu wird es absehbar aber noch nicht kommen.“

Wenn die Bürokraft Kinder hüten muss

Knepper hofft, dass Corona allenfalls für einen „Durchhänger“ in seinem Betrieb sorgt, es im zweiten Quartal wieder aufwärts geht. Auf Kurzarbeit musste er noch nicht zurückgreifen – auch weil er Personal im Schwesterunternehmen in Lünen einsetzen kann, das einen anderen Schwerpunkt hat und einen eigenen Kundenstamm. Insgesamt beschäftigt der Mittelständler rund 40 Mitarbeiter.

Tischler Grebe, der nach eigenen Worten gut durch die Coronakrise kommt, hat derzeit auch deshalb mehr zu erledigen, weil sich seine Bürokraft bis auf Weiteres verabschiedet hat. Sie muss zu Hause ihr Kind betreuen, weil die Kitas noch geschlossen sind. „Ein Tag hat aber 24 Stunden, und wenn die nicht reichen, kann man auch nachts arbeiten“, flachst Gernot Grebe.

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