Haltbares ausverkauft

Hamsterkäufe in Bönen: Coronavirus sorgt für leere Supermarktregale

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Viele Bönener „hamstern“ zurzeit haltbare Lebensmittel und Getränke.

Bönen/Kreis Unna – Eine 61-jährige Frau aus Unna-Massen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, konnte inzwischen die Isolierstation einer Dortmunder Klinik wieder verlassen. Die Furcht vor dem Virus treibt mittlerweile zahlreiche Bönener zu Hamsterkäufen, wie leere Supermartktregale zeigen.

Das Coronavirus verbreitet sich in NRW weiter und ist mittlerweile im Kreis Unna angekommen. Eine 61-jährige Frau aus Unna-Massen hat sich mit dem Covid-19-Virus infiziert, sie wurde kurzfristig auf der Isolierstation des Klinikzentrums Nord des Klinikums Dortmund behandelt. Inzwischen ist ihr Zustand aber soweit stabil, dass sie nach Hause entlassen wurde. 

Dort bleibt sie laut Kreisverwaltung aber vorerst in Quarantäne, wo auch ihr Ehemann und ihre 90-jährige Schwiegermutter noch auf das Ergebnis ihrer Abstrichprobe warten. Und das gilt schließlich ebenso für den Hausarzt der Unnaerin sowie für die Ärztin, die die Frau in der Notfallpraxis am Katharinen-Hospital behandelt hat. So wie bei der 61-Jährigen verlaufen derzeit die meisten Ansteckungen mit dem Coronavirus in Deutschland eher glimpflich, Todesfälle aufgrund der Infektion gab es hierzulande noch keine. 

Dennoch sind die Menschen offenbar sehr besorgt – auch in Bönen. Nicht nur, dass in den Apotheken vor Ort kaum noch Mundschutzmasken zu haben sind, Desinfektionsmittel werden ebenfalls überall knapp. Und in den Supermärkten und Discountern sind seit dem Wochenende viele Regale auffallend leer: Die Bönener decken sich mit haltbaren Lebensmitteln und Getränken ein, um für den Fall einer Quarantäne gewappnet zu sein. 

Keine Angst vor Engpässen: Jeden Tag kommt neue Ware

Mehl, Toilettenpapier, Nudeln, Mineralwasser und H-Milch: „Gekauft wird alles was man so braucht, wenn man ein paar Tage nicht vor die Tür geht, also alles was haltbar ist“, hat Ulla Finsterwalder festgestellt. Die Marktleiterin und ihre Kollegen im Edeka-Markt Milkner waren in den vergangenen Tagen ordentlich damit beschäftigt, leergekaufte Regale wieder aufzufüllen und neue Ware zu ordern. 

Angst vor einem Engpass hat Ulla Finsterwalder nicht. „Wir bekommen jeden Tag neue Ware. Und wenn das eine mal nicht an diesem Tag mitkommt, dann aber am nächsten“, erklärt sie. Die Großhändler hätten vorgesorgt. 

Nebenan bei Rewe-Karwoth gehen die Mitarbeiter sogar noch einen Schritt weiter. Dort wurde ein großer Sonderaufbau mit den nötigsten haltbaren Lebensmitteln hingestellt. Zudem wurde dort der Vorrat an Desinfektionstüchern und Einweghandschuhen rechtzeitig aufgestockt, um die deutlich gestiegene Nachfrage zu befriedigen. 

Vorräte sind gut, Hamsterkäufe sind unnötig

Ob solche Hamsterkäufer wirklich notwendig sind, wagen die für den Katastrophenschutz zuständigen Mitarbeiter in der Kreisverwaltung zu bezweifeln. „Unsere Grundhaltung lautet: Das normale Leben geht weiter. Wir haben einen bestätigten Corona-Fall bei rund 400 000 Einwohnern“, sagt Kreis-Sprecherin Birgit Kalle. Einen Anlass zur Panik gebe es also nicht. 

„Es gibt allerdings die grundsätzliche Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sich für den Notfall Lebensmittel- und Getränkevorräte für zehn Tage anzulegen. Vielleicht merkt der eine oder andere jetzt doch, dass das eine sinnvolle Sache ist“, so Birgit Kalle. Dass aufgrund der Corona-Welle im Kreis eine solche Notlage auftritt, dass sich die Menschen tagelang nicht mehr mit dem Notwendigsten versorgen können, hält sie jedoch für unwahrscheinlich. 

An den Schulen läuft der Betrieb ganz normal weiter

Deshalb läuft an den Bönener Schulen der Betrieb auch weiter ganz normal. An Hellweg- und Goetheschule wurden die Eltern noch einmal genau instruiert über die nötigen Hygienemaßnahmen wie die Verwendung von Papiertaschentüchern und -handtüchern auf den Toiletten, intensives Händewaschen sowie Niesen und Husten in die Armbeuge. 

Auch das Händeschütteln sei eine nette Geste, sollte aber zurzeit unterbleiben. Ein freundliches Nicken reiche aus. Türklinken würden besonders desinfiziert. Desinfektionsmittel seien auch noch ausreichend vorhanden. Für alle Schulen gilt, dass die Verantwortlichen alles Menschenmögliche tun, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.

Über Klassenfahrten wird kurzfristig entschieden

Am Marie-Curie-Gymnasium sei eine Klassenfahrt nach Brüssel in der Woche vor den Osterferien geplant, so Schulleiter Dr. Peter Petrak. Ob die durchgeführt wird, werde kurz vor dem Termin entschieden. „Wir warten da erst mal ab. Ich bin bis jetzt noch optimistisch.“ Zudem seien Hinweisblätter zur Hygiene ausgegeben worden, um die Schüler mit dem Thema vertraut zu machen. 

An der Humboldt-Realschule steht in zwei Wochen die Entscheidung an, ob die Schüler eines Französischkurses tatsächlich gemeinsam nach Paris fahren werden, bestätigt Schulleiterin Petra Coerdt. „Wir warten jetzt ab, wie sich die Situation entwickelt, und behalten das genau im Blick. Wir halten uns an die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes. Wenn es dort keine Reisewarnung für Paris gibt, dann werden wir die Reise antreten.“ Eltern, die dennoch nicht wollten, dass ihre Kinder mitfahren, könnten ihre Kinder krank melden. 

Wichtig sei vor allem, keine unnötige Panik zu schüren, sondern Ruhe auszustrahlen, betont Coerdt. Diese Pandemie müsse aber auch immer in Relation zu den Grippewellen gesehen werden, die jedes Jahr Opfer fordern. „Wir haben ein gutes Gesundheitssystem in Deutschland, und werden sofort von der Kreisgesundheitsbehörde über weitere Schritte informiert, wenn das nötig sein sollte.“ 

Alle Schulleiter in Kontakt miteinander

An der Pestalozzihauptschule sind derzeit keine Klassenfahrten geplant, die abgesagt werden müssen. „Aber der Virus kommt zur Zeit ja auf uns zu“, sagt Schulleiter Reinhard Engler. „Wir achten verstärkt auf Hygienemaßnahmen wie intensives Händewaschen und den Verzicht auf das Händeschütteln und versuchen, unsere Schüler für eine Krankheit zu sensibilisieren, die gefährlicher ist als die Influenza.“ Aber es sei kein Grund, in Panik zu verfallen. 

„Wichtig ist, dass die Schüler lernen, dass dies keine Übung ist und keine Fake News, sondern der Ernstfall. In Bönen sind alle Schulleiter miteinander in Kontakt. Wir handeln einheitlich, schließlich haben wir ja auch Geschwisterkinder auf verschiedenen Schulen.“ Letztlich entscheiden der Schulträger, also die Gemeinde, und das Schulministerium das weitere Vorgehen, und nicht der einzelne Schulleiter.

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