Kontakte zu Hilfestellen

Häusliche Gewalt: Keine Zunahme im Kreis Unna sagt zumindest die Statistik

Bei einem Angriff im RE 4 bei Dortmund ist ein Mann verletzt worden. Mitreisende bewiesen Zivilcourage und gingen dazwischen.
+
Die Coronakrise könnte die Gefahr häuslicher Gewalt verstärken. Zumindest statistisch gesehen, lässt sich das für den Kreis Unna nicht belegen. 

Während der Pandemie ist es für Betroffene von häuslicher Gewalt nicht immer einfach, Kontakte zu Hilfestellen zu knüpfen. Durch die Schutzmaßnahmen sind die Familien mehr zusammen und die Opfer stehen stärker unter Beobachtung ihrer Peiniger.

Kreis Unna – Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt im Kreis sogar leicht abgenommen. 326 Fälle sind der Polizei bisher in diesem Jahr gemeldet worden. 2019 lag die Zahl mit 356 nur knapp höher. Wohnungsverweisungen gab es bisher 69, im vergangenen Jahr waren es 86. „Eine Dunkelziffer gibt es natürlich immer“, sagt Vera Howanietz, Polizeihauptkommissarin.

Birgit Unger vom Frauenforum Kreis Unna vermutet, dass Frauen während der Pandemie mehr unter Beobachtung stehen: „Männer kamen während des Lockdowns nicht raus, wurden arbeitslos oder arbeiteten von Zuhause. Deshalb standen und stehen viele Frauen in dieser Zeit besonders unter Beobachtung.“ Durch einen zweiten Lockdown würde sich die Situation nicht entspannen. Äußere Verletzungen, wie blaue Flecke, fallen Unbeteiligten so seltener auf.

Häusliche Gewalt und Frauenhäuser

Einige Frauen erlebten in dieser Zeit zum ersten Mal häusliche Gewalt. Unger: „Das ist ein Symptom, das Hilfeangebote braucht.“ Dennoch betont die Polizeihauptkommissarin, dass es rein statistisch gesehen keine Zunahme von häuslicher Gewalt gebe. Howanietz: „Die faktischen Zahlen haben seit Corona zu keiner Zeit gezeigt, dass es eine höhere Bereitschaft zu häuslicher Gewalt gibt.“ Die Frauenberatung wurde in diesem Jahr nur 36 Mal bei Fällen häuslicher Gewalt hinzugezogen. Das sind 41 weniger als 2019.

In den Frauenhäusern im Kreis gab es seit Corona keine Zunahme an Aufnahmen. Das Frauenforum musste bereits Mitte März alle Frauenhäuser schließen, sodass dort keine weiteren Frauen aufgenommen werden konnten. Und das wird auch beim Lockdown light wieder der Fall sein. Nach dem ersten Lockdown wurde es laut Unger voller in den Frauenhäusern: „Sie hatten das Bedürfnis ihre Situation zu ändern und kamen zu uns.“ Besonders schwierig sei es derzeit, Wohnungen für betroffene Frauen zu finden, da Besichtigungen nur selten stattfinden. „Deshalb blieben viele Frauen in den Frauenhäusern und konnten nicht in ein selbstbestimmtes Leben gehen“, sagt Unger. Durch den neuen Lockdown werde all das noch verschärft.

Kontakt zur Beratungsstelle

Hilfe bei häuslicher Gewalt bietet die Frauen- und Mädchenberatungsstelle unter Telefon 02303/82202 an. Telefonzeiten mit persönlicher Beratung und zur Terminvereinbarung sind montags und mittwochs von 11 bis 12 Uhr und dienstags und donnerstags von 15 bis 16 Uhr möglich. Außerhalb der Telefonzeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Einsicht über freie Frauenhäuser gibt es hier auf der Internetseite des Frauen-Infos-Netzes.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare