Aufatmen in Bönen und Bergkamen

Gute Nachricht für Landwirte: Grundwasser nicht so belastet wie befürchtet

+
Die Messstelle an der Jungholzstraße in Nordbögge wurde zuletzt untersucht.

Bönen/Bergkamen – Die Bauern vor Ort können offensichtlich einmal tief durchatmen. Der so genannte rote Grundwasserkörper bleicht aus. Drei Messstellen in Rhynern, Lerche und Nordbögge mit erhöhten Ammoniumwerten, ließen die Landwirte befürchten, mit Inkrafttreten der  neuen Düngemittelverordnung 20 Prozent weniger Pflanzennährstoffe in den Boden einbringen zu dürfen.

Die Betroffenen stellten in Frage, ob die Messstellen überhaupt Rückschlüsse auf die Belastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft zuließen. Und sie hinterfragten, ob diese drei auffälligen von zehn Messpunkten auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern gleich Konsequenzen für den gesamten Grundwasserkörper haben müssten. 

Es war im Januar der agrarpolitische Arbeitskreis der CDU unter dem Vorsitz von Karl Schulz-Gamen, der die Bauern zum Ortstermin lud. Unterstützung erhielten die Landwirte nun aus einem ganz anderen politischen Lager. Der Bergkamener Biobauer Friedrich Ostendorff, stellvertretender Sprecher des Bundestagsausschusses Ernährung und Landwirtschaft sowie agarpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, stellte eine Anfrage ans Landesministerium Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz. 

Die Antwort des zuständigen Referenten für Grundwasserschutz, Christoph Rapp, dürfte die Bauern beruhigen. Er bestätigte Ostendorff, der durch den Zeitungsartikel im Westfälischen Anzeiger auf das Thema aufmerksam geworden war, dass zum einen die aktuellen Messwerte im grünen Bereich lägen: „Der chemische Zustand des Grundwasserkörpers 278_15 wird auf Grundlage der aktuellen Monitoring-Ergebnisse als gut eingestuft.“ 

Hinsichtlich Nitrat seien an den Messstellen des Grundwasserkörpers keine Überschreitungen vorhanden. Lokal vorhandene erhöhte Ammoniumwerte seien als überwiegend geogen, das heißt als im Boden vorhanden, eingestuft, sodass der chemische Zustand hinsichtlich beider Parameter jetzt gut sei. 

"Zwei von drei Messstellen nicht beprobbar"

Zum anderen bestätigt Rapp die vermuteten Mängel der Messstellen: „Zwei der drei von Ihnen genannten Messstellen sind aktuell nicht mehr beprobbar aufgrund eines zu geringen Wassernachlaufs und weiterer Mängel, es sind auch sehr alte Messstellen. Versuche, die Messstellen wieder zu aktivieren, waren nicht erfolgreich beziehungsweise sind nicht mehr zielführend.“ 

Es sollen daher vorhandene Messstellen hinsichtlich ihrer Eignung zur Neuaufnahme in das Messstellennetz von den Gutachtern und vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz geprüft werden. Auch ein Neubau oder Ersatzneubau sei geplant. Rapp betont gegenüber Ostendorff, dass sich das Ministerium für die Berücksichtigung der aktuellen Monitoringergebnisse bei der Bewertung des Grundwasserkörpers einsetze. 

Er weist aber auch darauf hin, dass die Gebietsausweisung als nitratbelastet in der Düngemittelverordnung (DüV) 2020 noch offen sei, da derzeit noch unklar sei, welche Datengrundlagen maßgeblich sein werden. „Aus NRW-Sicht wird eine differenziertere Einteilung angestrebt, die es ermöglichen würde, dass unbelastete Bereiche innerhalb ,roter Grundwasserkörper‘ aus der Gebietskulisse nach §13 DüV herausgenommen werden können.“ 

Das heißt für die örtliche Landwirtschaft, dass nicht der gesamte Bereich des Grundwasserkörpers betroffen wäre. Einen Persilschein stellt das Ministerium den Bauern auch mit dieser Antwort nicht aus. 

Rapp betont, dass „ein Risiko hinsichtlich der Zielerreichung ,guter Zustand‘ aufgrund erhöhter landwirtschaftlicher Stickstoffeinträge (Modelldaten)“ nach wie vor gesehen werde. Verschlechterungen der Nitrat- oder Ammoniumbelastung des Grundwassers müssten durch geeignete Maßnahmen weiterhin vermieden werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare