Gunter Demnig setzt ersten Stolperstein in Bönen

Schüler der weiterführenden Schulen in Bönen begleiteten die Stolpersteinverlegung mit Texten, Wünschen und Musik.

BÖNEN ▪ Es braucht schon etwas Aufmerksamkeit, um das zehn mal zehn Zentimeter große Mahnmal zwischen all den Pflastersteinen auf dem Boden vor dem Kaufhaus Gröblinghoff in der Fußgängerzone zu entdecken. Die Inschrift auf der schlichten Messingplatte erinnert an einen ehemaligen Bönener Bürger: „Hier wohnte Sally Brandenstein, Jahrgang 1879, Flucht 1938, Tod in Shanghai: 29. April 1942.“

Am Mittwoch verlegte der Künstler Gunter Demnig den ersten Stolperstein in der Gemeinde zum Gedenken an den jüdischen Kaufmann, der vor dem Nazi-Regime flüchtete und schließlich 1942 im Exil starb. Zwölf Mitglieder seiner Familie wurden in Konzentrationslagern ermordet, sein Bruder und dessen Frau, die in Unna lebten, begingen vor ihrer Deportierung Selbstmord.

Gemeindearchivarin Barbara Börste, die auch den Arbeitskreis zur Erforschung der Geschichte der Opfer des Holocausts leitet, stellte den etwa 130 Zuhörern das Leben des Mannes vor, an den der Stolperstein ab jetzt erinnern soll.

„Die Stolpersteine begegnen dem Vergessen, indem sie Menschen in Erinnerung rufen, die hier gelebt und das Leben in der Gemeinde mitgestaltet haben“, sagte Edelgard Blümel, Fachbereichsleiterin bei der Gemeindeverwaltung. Sie bedankte sich nicht nur beim SPD-Ortsverein Bönen-Mitte, der den Antrag auf die Stolperstein-Verlegung in den Gemeinderat einbrachte und gleichzeitig die Patenschaft für den ersten Gedenkstein in der Gemeinde übernommen hatte, sondern vor allem bei den an der Verlegung beteiligten Jugendlichen. Schüler der drei weiterführenden Schulen in Bönen hatten sich nämlich bereits im Vorfeld Gedanken zu diesem Thema gemacht. So begleitete die Bläserklasse des sechsten Jahrganges des Marie-Curie-Gymnasiums die Veranstaltung musikalisch. Ihre älteren Mitschüler aus dem Geschichtsleistungskursus fanden zudem eindringliche und nachdenkliche Worte: Sie brachten einen Koffer voller Tränen, Angst und Erinnerungen mit in die Gemeindemitte.

Die Mädchen und Jungen der Pestalozzischule hatten sich hingegen für etwas Bleibendes entschieden: Sie fertigten eine Gefühlstafel, die auf der einen Seite Portraits und Tränen zeigt, auf der anderen ebenfalls Tränen, aber auch einen Regenbogen, der Hoffnung symbolisieren soll. „Sie wird nun dauerhaft in der Schule ausgestellt sein, damit wir sie jeden Tag sehen können“, versprach Schulleiter Ralf Goldschmidt.

Die Schüler der Humboldt-Realschule blickten in die Zukunft. Sie formulierten ihre Wünsche auf ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, ohne Krieg, Gewalt und Hass. Zudem spielte Winand Bergen ein melancholisches Stück auf dem Saxophon.

Während der Musik, der Ansprachen und der Wünsche arbeitete Gunter Demnig fast im Verborgenen. Still setzte er den Stein an die vorgesehene Stelle ins Pflaster. „Bitte verbeugen Sie sich vor Sally Brandenstein – der Stein ist gesetzt“, schloss Edelgard Blümel die Veranstaltung. Weitere Stolpersteine sollen folgen. ▪ fla

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare