Guido Neumann aus Bönen braut sein eigenes Bier

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Dr. Guido Neumann aus Bönen endeckte vor zweieinhalb Jahren ein neues Hobby: das Bierbrauen.

Bönen -  Es dampft aus dem großen Einkochtopf. In der Luft liegt ein Hauch von Getreidebrei und Malzkaffee. Richtig lecker riecht das noch nicht. Muss es auch nicht, denn das, was auf der Terrasse von Dr. Guido Neumann seit knapp einer Stunde leise vor sich hinköchelt, ist erst in zwei bis drei Wochen genießbar. Und dann will der Bönener Hobbybrauer es gut gekühlt trinken.

Den sonnigen Maimorgen hat sich der Bönener als Brautag auserkoren. Es ist nicht zu heiß und vor allem trocken. Seine Braustube hat er nämlich in den Garten verlegt. „Im Keller qualmt es einfach zu stark“, sagt Guido Neumann und lacht. Seit zweieinhalb Jahren braut er sein Bier selbst. „Ich wollte mal wieder etwas mit Chemie machen. Schließlich habe ich das ja mal studiert“, erzählt der promovierte Chemiker. In seinem jetzigen Beruf als Pharmareferent hat er mit der praktischen Seite dieser Wissenschaft nur noch wenig zu tun.

Sein erster Gedanke galt Hochprozentigem und der Herstellung von Schnaps in einer Destille. „Ich trinke aber lieber Bier“, stellte er fest. Also besuchte er einen Bierbraukursus und besorgte sich jede Menge Fachliteratur. Zum 50. Geburtstag wünschte er sich dann Startkapital für das neue Hobby. „Am Anfang reicht ein Einkochtopf, der Rest ist Kleinkram.“ Inzwischen hat Guido Neumann aufgestockt. Ein Gärbottich, Schläuche und einige Reinigungsmittel stehen bereit, dazu ein zweiter Topf.

Den braucht er jetzt. Vorsichtig schöpft er acht Liter von dem heißen Gerste-Weizenmalz-Gemisch, der Maische, ab und füllt sie in das andere Gefäß. Dieser Teil soll nun bei einer Temperatur von 70 Grad vollständig verzuckern, die Stärke sich also komplett in Zucker verwandeln. Dekoktion heißt das in der Fachsprache. Das ist wichtig für den Geschmack, denn diesmal hat Guido Neumann sich ein „Kölsch“ vorgenommen. Neben der Dekoktion komme es dabei auf die Hefe an, erläutert er. 

Der 52-Jährige verwendet eine ganz spezielle Bierhefe dafür. „Das Kölsch unterscheidet sich übrigens fast gar nicht vom Alt“, klärt der Experte ein altes Vorurteil zwischen Kölner Dom und Düsseldorfer Kö auf. Beide werden obergärig gebraut, das heißt, es wird eine entsprechende Hefe benutzt. Beim Alt werden die Malzkörner aber länger geröstet, dies gibt dem Bier die typische dunkle Farbe.

Fast jedes Mal, wenn er seine Brauutensilien hervorholt, probiert der Bönener etwas Neues aus. Ein Weihnachtsbier hat er schon abgefüllt und auch mit Lorbeer experimentiert. Geschmeckt hat es immer. „Weggeschüttet habe ich noch nichts“, berichtet er. Auf das Ergebnis ist er trotzdem stets gespannt. „Das Bier schmeckt ja immer ein bisschen anders. Das liegt unter anderem an den Zutaten, wie dem Malz oder der Hefe.“

Auch das Wasser spielt eine Rolle. Mit dem Bönener Nass ist Guido Neumann allerdings äußerst zufrieden. „Wir haben hier richtig gutes Brauwasser. Es ist weich und enthält viele gute Mineralien“, hat der Freizeitbrauer bei einer Analyse festgestellt.

Auch jetzt greift er auf chemische Hilfe zurück. Vorsichtig schöpft er einen Löffel von der umgefüllten Maische ab. Auf einer Untertasse tropft er Jod dazu. „Verfärbt es sich bläulich, ist noch zuviel Stärke enthalten. Die stört den Geschmack“, erklärt er das Prozedere. Mit dem Ergebnis auf dem kleinen Teller ist er schon fast zufrieden, die Flüssigkeit ist bräunlich. Ein bisschen gedulden muss er sich aber noch.

Hygiene spielt eine wichtige Rolle

„Beim ersten Mal war ich ganz gespannt, ob es etwas geworden ist.“ Unterläuft dem Brauer ein Fehler, kann das Bier zum Beispiel sauer werden. Hygiene spielt dabei eine wichtige Rolle, damit nicht etwa Milchsäurebakterien, die auf der Haut sitzen, das Bier verderben. Feststellen lässt sich das aber erst ganz zum Schluss, nachdem es mindestens zwei Wochen gegärt hat. Um wenigstens etwas zu sehen, hat Guido Neumann einen Aufsatz auf den Gärbottich angebracht. „Wenn es blubbert, arbeitet die Hefe. Dann sieht man wenigstens, das etwas passiert.“

20 Liter Bier produziert er bei jedem Brauvorgang, zwei Kisten mit Halbliterflaschen. Maximal darf er zehn Mal pro Jahr brauen. Das legt der Zoll fest, der ein strenges Auge auf die Bierproduktion im Land hat – selbst auf die der Hobbybrauer. „Bei Wein gibt es eine solche Grenze nicht“, so der Bönener. Er schaltet seine Töpfe etwa achtmal pro Jahr an. Das Bier sei dann einige Monate haltbar. „Aber so lange hält es bei uns nicht“, sagt er und schmunzelt. Das Neumann-Bier ist auch in seinem Freundeskreis der Renner. Der Hobbybrauer hat sogar schon eigene Etiketten für seine Bügelflaschen entworfen. Zu sehen ist darauf zum einen das Bönener Wappen, zum anderen der Zechenturm als Wahrzeichen für die Gemeinde. „Altenbögger Goldbräu“ hat er das kühle Blonde getauft, ein leichtes Bier mit 3,6 Prozent Alkohol und ein starkes mit acht Prozent. „Ich habe das eine ‘Stan’ und das andere ‘Ollie’ genannt, nach ‘Dick und Doof’.“

Das Jungbier gärt im Keller

Noch immer köcheln die Flüssigkeiten in den beiden Töpfen vor sich hin, jeweils bei einer anderen Temperatur. Nach der nächsten Jodprobe ist es dann soweit: Die Stärke ist zu Zucker geworden. Es wird also Zeit, die festen Stoffe herauszufiltern. In die übriggebliebene „Würze“ kommt der Hopfen. Guido Neumann verwendet dazu Hopfenpellets, die er im Internet gekauft hat. Das Ganze wird nochmals 70 Minuten gekocht, bevor nach dem Abkühlen die Hefe zugesetzt wird. Am Nachmittag wandert das Jungbier zum Gären in den Keller. Das Brauen dauert tatsächlich einen ganzen Tag.

In zirka drei Wochen wird verkostet, gern bei einem gemütlichen Grillabend mit Freunden. Und die freuen sich natürlich schon auf die aktuelle Bierkreation von Guido Neumann.

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