Große Feiern verschoben: Wirte sehen einer Reduzierung der Gästezahl meistens gelassen entgegen

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Große Feiern mit bis zu 150 Gästen könnten bald nicht mehr möglich sein

Bönen – Werden Familienfeiern in Gaststätten wegen steigender Infektionszahlen bald wieder auf maximal 50 Teilnehmer zurückgefahren? Die Bönener Wirte nehmen die mögliche

Vor dem Hintergrund steigender Zahlen bei Corona-Neuinfektionen warnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor großen Feiern als Gefahrenquelle für lokale Ausbrüche. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert inzwischen, die Teilnehmerzahlen bei Feiern deutlich zu verringern. Wie sehr wären die lokalen Gastronomiebetriebe von einer solchen Reduzierung betroffen?

„Wenn tatsächlich eine Beschränkung auf maximal 50 Gäste kommt, dann wird es schwierig für uns, weil wir einige Anmeldungen für Kommunionfeiern im September und Oktober haben“, sagt Boguslawa Wojsa, die zusammen mit ihrem Mann Meinolf Dittrich das Restaurant „Darwins“ auf dem Gelände des Tennisvereins Rot-Weiß Bönen am Südfeld betreibt. 

„Wir haben Hygienekonzepte erstellt, dass auch zwei Feiern gleichzeitig stattfinden können mit Trennwand und getrennten Toiletten für beide Gruppen. Aber wir kämen zusammen auf rund 65 Personen, das wäre dann nicht mehr möglich. Wir haben im September auch eine Party draußen geplant, bei der an Stehtischen bis zu 100 Personen teilnehmen könnten. Ob das stattfinden kann, ist jetzt wieder ungewiss.“

Boguslawa Wojsa vom Darwins.

Dabei sehe sie durchaus beide Seiten. Einerseits sicherten Familienfeste mit einer größeren Teilnehmerzahl auch das finanzielle Überleben des Gastronomiebetriebes, denn die Auflagen zu erfüllen sei sehr aufwendig. „Die Ängste, dass die Infektionszahlen jetzt wieder hochgehen, sind da. Schließlich wollen wir alle die Zeit gesund überstehen.“ 

Um so mehr ärgert es sie, dass manche Gäste unbelehrbar seien und eng zusammen sitzen – vor allem ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Auch, dass man warten muss, bis ein benutzter Tisch desinfiziert und wieder frei ist, sorge manchmal für Diskussionen.

"Wir fühlen uns manchmal wie Polizisten"

„Wir kommen uns als Wirte dann manchmal wie die Polizei vor, die auf der Einhaltung der Regeln besteht. Aber wir müssen uns eben alle in diesen Zeiten anders verhalten, auch wenn uns das nicht immer gefällt. Und wir müssen gegenseitig Respekt zeigen, ums uns zu schützen. Es macht mich wütend, dass sich einige nicht daran halten und für steigende Infektionsraten sorgen.“

Sie und ihr Mann machten sich viele Gedanken, wie Feiern trotz aller Hürden sicher für alle stattfinden könnten. „Wenn sich die Regeln wieder verschärfen, wird es auch für uns wirtschaftlich wieder eng.“

Auch Katja Lohmann vom Gasthaus Böinghoff in Flierich hat einige Anfragen zu größeren Geburtstagsfeiern mit rund 80 Gästen. „Bis zu 30 Gästen lässt sich das gut handhaben. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, die großen Feiern zu verschieben – teilweise bis in den Oktober 2021“, berichtet die Wirtin. „Unabhängig davon, ob eine Reduzierung kommt oder nicht.“ Denn so große Feiern seien nicht machbar ohne schlechtes Gewissen.

Katja Lohmann vom Haus Böinghoff.

Wirklich unbefangen feiern könne man bei einer so großen Feier nicht. „Zum Büfett muss man mit Mundschutz gehen, das Besteck, mit dem sich der Vormann bedient hat, muss eigentlich jedes mal komplett ausgewechselt werden, tanzen ist auch schwierig“, gibt sie zu bedenken. Auch mit dem Stoßlüften werde es schwierig bei so einer großen Gruppe.

Andererseits wäre eine große Feier für das wirtschaftliche Überleben wichtig. Die Entscheidung sei deshalb sehr schwierig – ein Spagat zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem Wunsch nach größtmöglicher Sicherheit.

Bis jetzt laufe der Betrieb noch einigermaßen gut. „Wir sind sehr froh, dass wir den Biergarten haben. Aber was wird im Herbst und Winter? Wir können die Gäste zwar auf verschiedene Räume verteilen. Fragt sich nur, ob die Gäste einzeln sitzen wollen und dann noch kommen?“

Auch Kirsten Metzrath von der Gaststätte Denninghaus reduziert von sich aus die Größe der Veranstaltungen. Versammlungen von Vereinen bis 70 Personen seien mit dem nötigen Abstand im Saal machbar. „Größere Familienfeiern haben wir bis jetzt nicht gehabt. Eine große Silberhochzeit ist jetzt in den Sommer 2021 verschoben worden, wenn die Gäste hoffentlich wieder richtig feiern und sich auch mal umarmen können“, so Kirsten Metzrath. Im Augenblick liegen die Anfragen für Hochzeiten und Familienfeiern bei 30 bis maximal 50 Personen, das sei okay.

"Wir wollen nichts riskieren"

Bei großen Gruppen habe man sonst keinen Überblick mehr. „Das bringt zwar mehr Einnahmen, wir wollen aber auch nichts riskieren. Es geht ja auch um meine Sicherheit und die meines Personals.“ Jetzt gingen in vielen Firmen auch die Planungen für die Weihnachtsessen los. „Aber ich gehe davon aus, dass die großen Feiern in diesem Jahr nicht stattfinden werden.“

„Wir richten ohnehin nur kleinere Feiern aus, seit wir das Restaurant nach dem Lockdown wieder öffnen durften“, sagt Ute Nüsken, die mit ihrem Mann Torsten die Gaststätte Dörnemann in Nordbögge führt. „In der Regel sind das 20 bis 30 Personen, weil die Leute im Moment auch gar nicht so groß feiern wollen.“ Große Feiern wie Geburtstage oder Goldhochzeiten seien auf später verschoben.

Ute Nüsken vom Gasthaus Dörnemann.

„Ich habe auch nichts dagegen, wenn die maximale Gästezahl wieder reduziert wird, weil das einfach sicherer ist. Ich habe ohnehin nicht verstanden, wieso plötzlich wieder private Feiern mit bis zu 150 Personen erlaubt waren. Wenn etwas passiert, sind wir in der Verantwortung.“ Schlimmstenfalls würde der Betrieb geschlossen und wäre dann ohne Einnahmen.

„Langsam und stetig – mit dieser Einstellung können wir gut auch noch länger leben“, sagt die Wirtin und setzt damit auf regelmäßige Auslastung, aber in überschaubaren Gruppen. Schlimm wäre aus ihrer Sicht ein erneuter Lockdown.

„Da gutes Wetter ist, haben wir Gott sei Dank einiges im Biergarten zu tun“, berichtet Alexandra Sotsou vom Restaurant Rhodos am Kletterpoth. „Feiern sind im großen und ganzen abgesagt. Es gibt ein paar Reservierungen für kleinere Geburtstage – aber sehr zurückhaltend. Die Gäste sind sehr vorsichtig, das ist ja auch verständlich. Wir versuchen unser Bestes zu geben und sind sehr auf die Hygienevorschriften bedacht.“

Weitere Einschränkungen werden sich nach ihrer Einschätzung wahrscheinlich fatal auf die gesamte Gastronomie auswirken. „Das würde uns auch zu schaffen machen. Wir warten ab und sind positiv, zumal die Gäste sehr vorsichtig sind und die Regeln eingehalten werden.“

Das Fischlokal an der Rhynerner Straße richte kaum private Feiern aus, sagt Ulrich Kruse. „Wir haben zwei Räume, in denen mit Abstand sowieso nur 30 beziehungsweise 40 Personen Platz finden. 

Für eine Feier müsste der Restaurantbetrieb geschlossen werden. Da wir Wartelisten haben wegen der vielen Reservierungen, die wir aus der ganzen Region bekommen, finden private Feiern bei uns nur selten statt.“ Eine Reduzierung der Gästezahlen würde sich demnach kaum auf den Betrieb des Restaurants auswirken.

Gästezahlen und Veranstaltungsgrößen im Fokus 

Aktuell dürfen private Feste und Feiern nur aus einem herausragenden Anlass (Hochzeit, Taufe, Geburtstagsfeier, Beerdigungen) mit bis zu 150 Teilnehmern stattfinden. Das Abstandsgebot und die Maskenpflicht gelten dabei nicht, soweit geeignete Vorkehrungen zur Hygiene und zur einfachen Rückverfolgbarkeit sichergestellt sind. Gastronomische Betriebe dürfen für diese Feste abgetrennte und gut zu durchlüftende Räumen unter Auflagen zur Verfügung stellen.

Als Maßnahme gegen die erneut steigenden Infektionszahlen sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wenig Sinn darin, den Einzelhandel zu schließen. Auf Feiern und Veranstaltungen übertrage sich das Virus dagegen sehr schnell. Deswegen müssten die Regeln für Veranstaltungsgrößen mit den Ländern erneut abgestimmt werden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert, die Zahl derjenigen, die an einer Feier teilnehmen dürfen, von derzeit bis zu 150 auf 50 zu reduzieren, weil die Infektionszahlen wieder zunehmen. In geschlossenen Räumen sei die Ansteckungsgefahr 20 Mal höher als draußen. Und: Je mehr positive Fälle, je mehr Übertragungen bei großen Feiern.

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