Gottesdienste in Zeiten des verschärften Corona-Lockdowns

Evangelische Gemeinde setzt Präsenz-Gottesdienst aus - so handhaben es die anderen

Die Alte Kirche in Bönen bleibt weiterhin leer. Die Evangelische Kirchengemeinde verzichtet im gesamten Januar auf Präsenzgottesdienste.
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Die Alte Kirche in Bönen bleibt weiterhin leer. Die Evangelische Kirchengemeinde verzichtet im gesamten Januar auf Präsenzgottesdienste.

Strengere Kontaktbeschränkungen im Privaten, ein Lockdown bis mindestens Ende Januar, doch die Ausübung der Religionsfreiheit bleibt gewährleistet. Gottesdienste sind weiterhin erlaubt. Das Land NRW legt die Entscheidung über deren Durchführung in die Hände der Verantwortlichen vor Ort, die in Bönen unterschiedlich damit umgehen.

Bönen – Laut Land ist abzuwägen, „ob das lokale Infektionsgeschehen Gottesdienste etc. in Präsenz überhaupt zulässt“. Auch die örtlichen Behörden könnten im Einzelfall Anordnungen treffen, wenn die Coronazahlen hoch sind. Wie handelte die Verwaltung und wie handhaben es die Religionsgemeinschaften?

Gemeinde

„Laut geltendem Recht gibt es keine Verbote“, sagt Bürgermeister Stephan Rotering. Die Ausübung der Religion sei grundsätzlich garantiert. Davon wolle auch die Gemeinde nicht abweichen. Dass es für Verwunderung sorgt, dass private Treffen immer weiter beschnitten werden, während sich bei Gottesdiensten oder Beerdigungen Menschen versammeln, kann er nachvollziehen. Er setzt auf das verantwortliche Handeln der zuständigen Leute. Vor den Gotteshäusern werde das Ordnungsamt wie anderswo auch stichprobenweise die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren. Auffällig geworden sei dabei bislang nichts. Gleiches gilt ebenso für Bestattungen. „Hinweise nehmen wir auf und beobachten dann.“

Evangelische Kirchengemeinde

Auf der Presbyteriumssitzung am Dienstag haben die Verantwortlichen die Entscheidung getroffen, vorerst bis Februar mit den Präsenz-Gottesdiensten auszusetzen. Damit setzt die Gemeinde eine aktuelle Empfehlung der Evangelische Landeskirche um. Auch in Bergkamen wird beispielsweise auf Gottesdienste verzichtet. Wie es in Bönen danach weitergeht, soll anhand der Entwicklung der Pandemie auf der nächsten Sitzung am 2. Februar besprochen werden, teilt Martina Janetzki aus dem Gemeindebüro mit.

In den kommenden Tagen soll ein Video-Gottesdienst angeboten werden, wie schon einige Male in den vergangenen Monaten. Der müsse noch aufgezeichnet werden. Vermutlich werde es Ende Januar soweit sein, meint Janetzki, die auf die Homepage verweist, auf der die aktuellen Entwicklungen mitgeteilt werden.

Pfarrei St. Barbara

Die katholische Gemeinde hält derweil an ihren Präsenz-Gottesdiensten fest. Das erklärte Pfarrer Benno Heimbrodt. „Unter strengsten Maßgaben“, wie er betont. „So können wir die Hygiene-Regeln einhalten.“ Eine Anmeldung ist wie bereits im Dezember zwingend erforderlich, die Teilnehmerzahl wurde bereits damals erheblich reduziert. Heimbrodt erklärt aber, dass im Gegensatz zu den Weihnachts-Gottesdiensten nun wieder weniger Gläubige kommen würden. Auch an den Feiertagen selbst sei eine Verunsicherung der Gläubigen festzustellen gewesen.

Neuapostolische Kirche

Gottesdienste werden auch in der Kirche in der Friedhofstraße weiter durchgeführt. Allerdings seit dem verschärften Lockdown nur noch sonntags und nicht mehr am Donnerstagabend. Auch hier ist die Kapazität des rund 200 Gläubige fassenden Gotteshauses schon vor einiger Zeit aufgrund der Abstandsregeln enorm reduziert worden.

Im neuen Jahr wurden die Schutzmaßnahmen weiter ausgebaut. Wo zuvor noch Familienmitglieder beieinandersitzen durften, gilt dies jetzt nur für einzelne Haushalte. 30 bis 40 Personen könnten so laut Gemeindeleiter Bernd Graffenberger noch hinein. „Auch die Menschen sind vorsichtiger geworden“, hat er bemerkt.

Als Ersatz bietet die Neuapostolische Kirche Video-Gottesdienste an. „Etliche Gemeinden sind technisch gut ausgerüstet“, sagt Jürgen Koschker, der Öffentlichkeitsbeauftragte des Bezirkes. Auch in Bönen wird aufgezeichnet. Ein wirklicher Ausgleich sei das aber nicht. „Alle vermissen die Gemeinschaft, dass man sich nach dem Gottesdienst trifft und zusammen einen Kaffee trinkt“, sagt Koschker. Jetzt bitte man die Teilnehmer, direkt nach dem Ende des Gottesdienstes nach Hause zu fahren. Über Telefon und Mail halten die Geistlichen mit den Mitgliedern Kontakt.

Ditib

Für männliche Muslime ist das gemeinsame Freitagsgebet ab der Pubertät Pflicht, mehr als dreimal hintereinander dürfen Gläubige dem „salat-ul-dschuma“ nicht fernbleiben. Es gibt aber Ausnahmen, und auf die beziehen sich die verschiedenen Verbände seit Beginn der Corona-Pandemie. Auch in Bönen hat man die Regelung nach Angaben eines Mitglieds gelockert. Besonders wenn Leute sich krank fühlten, auch wenn nur leicht, sollten sie zu Hause bleiben, heißt es. Die Teilnehmer an den täglichen Gebeten morgens, mittags und abends seien erheblich gesunken, von über 20 auf um die fünf. Besonders Ältere würden sich zurücknehmen, sagt das Mitglied, das jeden Tag in der Moschee an der Kreuzung Zechen-/Bahnhofstraße ist.

Freitags wird es allerdings voller. Die Gläubigen müssen stets, außer sie stammen aus einem Haushalt, zwei Meter Abstand halten. So ist die Kapazität von etwa 130 Menschen auf um die 80 gesunken. Die können sich immerhin auf drei Etagen verteilen. „Sobald es zu eng wird, wird die Tür zugemacht“, erklärt das Mitglied. Außerdem muss in Coronazeiten jeder seinen eigenen Teppich mitbringen und sich nach dem Gebet nicht mehr im oder vor der Moschee aufhalten. „Die Leute passen auf.“

In Hamm hatte zuletzt Oberbürgermeister Marc Herter die Verantwortlichen in den Moscheevereinen in einem offenen Brief gebeten, von den Gebeten bis Ende Januar abzusehen. Diese folgten der Bitte. Die Gemeinde Bönen verzichtet auf ein solches Vorgehen und setzt wie bei allen Religionsgemeinschaften auf Eigenverantwortlichkeit.

Kommunion und Konfirmation

Die Katholische und Evangelische Kirche erklären unisono, dass sie sich mit der Durchführung der Vorbereitungskurse und den Feiern intensiv beschäftigen und zeitnah die Eltern informieren werden. Laut Kalender würde es ab Mitte April losgehen. Die Neuapostolische Kirche setzt derzeit auf Online-Unterricht. „Aber das ist schwierig – für die Lehrkräfte und die Kinder“, sagt Koschker. Vor Corona habe es einmal im Monat einen extra für Kinder konzipierten Gottesdienst gegeben, nachdem der Unterricht in Gruppen stattfand. Das ist nun aber ausgesetzt. Taufen bitte man, auf später zu verschieben.

Im April beginnt auch wieder der Ramadan der Muslime. Die Planungen laufen, bei der Durchführung werde später in Absprache mit dem Ordnungsdienst der Gemeinde genau auf das aktuelle Infektionsgeschehen geachtet, heißt es.

Aus der Bönener Baptisten-Gemeinde und dem IGMG-Ortsverein Ayasofya Camii blieb die Kontaktanfrage ohne Rückmeldung.

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