Glücksspiel Fifa? Das sagt die Bönener Community

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Der Bönener Robin Wittenborn spielt die Fußballsimulation FIFA. Nicht mit allen Entwicklungen des Spiels ist er einverstanden.

Bönen – Fußball ist zweifellos die beliebteste Sportart in Deutschland. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene denken inzwischen allerdings immer häufiger auch an die virtuelle Form des Fußballs.  Die Rede ist von der internationalen Videospiel-Reihe Fifa. 

Sie geriet zuletzt aber auch negativ in die Schlagzeilen. In Belgien wurde sogar überlegt, das Spiel zu verbieten. Und wie geht die durchaus große „Fifa-Community“ in Bönen mit diesem Vorwurf um?

Vor allem der „Fifa-Ultimate-Team“-Modus (FUT), bei dem die Spieler sich ihr eigenes Team zusammenstellen und mit echtem Geld sogenannte Packs mit virtuelle Fußball-Stars kaufen, ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Kritiker werfen den Machern nun vor, „Ultimate Team“ sei ein Glücksspiel.

Verlockungen sind groß

Der Bönener Robin Wittenborn spielt die Fußballsimulation seit zehn Jahren. Er sagt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Jugendliche ab und zu mal bei der Kreditkarte der Eltern bedienen, um Packs zu kaufen.“ Die Verlockung sei zudem groß, das gesparte Taschengeld in Spieler zu investieren. Die sind nach einem Jahr jedoch fast nichts mehr wert, weil dann schon wieder ein neuer Fifa-Teil erschienen ist. 

„Die Eltern müssen schauen, was ihre Kinder da machen“, sagt der 24-Jährige. Er selbst hat auch schon mal sein Konto „aufgeladen“, wie es unter Fifa-Spielern heißt. Wie viel er genau investiert hat, will er nicht verraten. 

Das Entwicklerstudio Electronic Arts Sports (EA) bedient sich offenbar bei den Tricks der Glücksspielautomaten. Bunte Lichter, laute, fröhliche Musik und farbenfrohes Feuerwerk im Hintergrund tauchen auf, wenn Spieler einen guten Spieler aus einem „Pack“ zieht. 

In den sozialen Medien des Internets wird den jungen Fifa-Fans gleichfalls suggeriert, dass es vollkommen normal ist, mehrere Hundert Euro in diese Packs zu investieren. Zahlreiche Youtuber laden auf der gleichnamigen Plattform sogenannte Packopenings hoch, in denen sie teilweise für mehrere Tausend Euro „Packs“ öffnen. 

Paysafe-Karten an der Tankstelle ausverkauft 

Wie beliebt das Spiel in Bönen ist, zeigte sich im September. Als die aktuelle Version Fifa 19 erschien, war an der Star-Tankstelle an der Bahnhofstraße das tägliche Verkaufslimit für Paysafe-Karten erreicht. Diese werden häufig für Online-Transaktionen in Videospielen genutzt. Zwischenzeitlich gab es bei etlichen Tankstellen im Umkreis keine Paysafe-Karten mehr zu kaufen. 

Ein kleiner Teil der Bönener Spielerschaft kritisiert die Entwicklung der Fußballsimulation scharf. „Eigentlich spielen viele der Spieler nur noch FUT. Andere Modi, die schon in den vergangenen Jahren enthalten waren, entwickelt EA Sports fast gar nicht mehr weiter“, erklärt etwa Jan-Niklas Bothe. 

Unter der Spielerschaft ist es umstritten, ob es durch die zahlreichen Aufladungen zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt. So ist es wahrscheinlich, dass sich jemand ein besseres Team leisten kann, der für 500 Euro „Packs“ zieht, als jemand der kein Geld ausgeben will. Melvin Korth, der seit einigen Jahren den EA-Bestseller spielt, sieht das anders. „EA ermöglicht es auch den Spielern, die nicht ,aufladen‘, sich ein gutes Team zu erspielen.“ 

"Es bleibt ein undurchsichtiges Glücksspiel"

Strengere Regularien und strikteres Durchgreifen bei Glücksspielmechanismen in Videospielen helfen allerdings erfahrungsgemäß nicht unbedingt weiter. Unternehmen finden nämlich immer wieder Grauzonen und Lücken in der Gesetzgebung, um ihre Vorhaben durchzusetzen. 

EA gibt nun zum Beispiel auf den Packungen an, wie wahrscheinlich es ist, einen Spieler zu bekommen. Der Bönener Melwin Korth findet das zu ungenau: „Manche Angaben hätten sie sich sparen können. Wenn es heißt, unter ein Prozent könnten es 0,9 Prozent oder 0,002 Prozent sein. Es bleibt ein undurchsichtiges Glücksspiel.“

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