Geplünderter Woolworth-Komplex: Eigentümer schweigt

+
Inzwischen ist vieles im Gebäude zerstört und verwüstet.

BÖNEN - Der Zustand der ehemaligen Woolworth-Zentrale im Industriegebiet verschlechtert sich mehr und mehr. Osteuropäische Diebesbanden plündern den Komplex komplett aus. Es wird geschätzt, dass die Kriminellen Material im Wert von mehr als 1 Million Euro aus dem Inneren geholt haben.

Insbesondere auf Kupferkabel haben es die Diebe abgesehen. Die Eindringlinge werden dabei immer dreister: Sie haben inzwischen Fenster und Türen herausgeschlagen, um ihre Beute leichter abtransportieren und selbst einfacher fliehen zu können. Offen liegt Kupfer zur Abholung auf dem Grundstück bereit. Das berichtet ein Mann, der das Areal kennt.

Verschwunden seien allerdings die Paintballer, die sich in der Vergangenheit wilde Schlachten mit Farbmunition und Pistolen quer durch Räume und Lager geliefert haben. Hinterlassen hätten sie Zerstörung und Verwüstung. Dutzende Leichtbauwände wurden eingetreten, Türen, Fenster und verbliebenes Mobiliar demoliert.

Derweil machen sich Räuberbanden ungestört daran, alles aus dem Gebäude fortzuschaffen, was sich zu Geld machen lässt. Sie gehen dabei skrupellos vor, bewaffnen sich mit Eisenstangen und wollen nur ungern gestört werden. Zu befürchten haben sie das kaum. Überwacht wird das Gebäude nämlich längst nicht mehr. Die Sicherheitsfirma, die mit dem Objektschutz beauftragt war, hat den Vertrag bereits im Herbst gekündigt.

Lesen Sie auch:Ex-Woolworth-Gelände von Banden ausgeplündert

Banden schlachten Woolworth-Komplex aus

Zwar liegen dem Eigentümer, eine Investorengruppe aus Israel, einige Angebote von Objektschutzunternehmen vor, doch bislang wurde keins davon angenommen. Das bestätigt Julia Schmidt von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kreis Unna (WFG). „Die Kontaktdaten wurden von uns an die Eigentümer weitergeleitet, aber diese wollen hierzu bisher keine Stellung beziehen“, gibt die WFG-Sprecherin an.

Die Wirtschaftsförderer bemühen sich seit Jahren darum, die frühere Firmenzentrale an den Mann zu bringen. Und noch, so Julia Schmidt, geben es Kaufinteressenten für das Millionen-Objekt. Zwar hätte die WFG auch deren Daten an den Eigentümer geschickt, eine Resonanz darauf gebe es aber nicht. „Der Stand der Verhandlungen ist uns nicht bekannt. Die Eigentümer beziehen uns nicht mit ein“, erklärt sie. Offenbar wolle die Investorengruppe jedoch lieber vermieten als verkaufen.

Während sich in dieser Hinsicht nichts tut, verfällt der Komplex weiter. Im Untergeschoss steht das Wasser knöcheltief. Die installierten Pumpen können die Massen nicht mehr bewältigen, etliche wurden gestohlen. Auf der Oberfläche des Wassers sei ein schmieriger Film zu erkennen, der auf Öl oder Chemikalien hinweise, sagt der Kenner der Immobilie.

Die Kreispolizei schickt zwar in regelmäßigen Abständen Streifenwagen durch das Industriegebiet, sie habe aber nicht die Ressourcen, das Gelände rund um die Uhr zu bewachen. „Das kann auch nicht unsere Aufgabe sein“, sagt Polizeisprecher Ralf Hammerl. „Wir können keinen Objektschutz leisten.“ Zuständig dafür sei nun mal der Eigentümer. So schreitet die Polizei nur dann ein, wenn eine Anzeige vorläge oder jemand etwas zu beklagen habe. Da sei schon eher die Gemeinde Bönen in der Verantwortung, so Hammerl.

Doch auch die Verwaltung sieht sich momentan nicht in der Position, einzugreifen. „Was jemand mit seinem privaten Eigentum macht, ist zunächst seine Sache“, stellt Fachbereichsleiter Robert Eisler fest. Erst wenn die öffentliche Sicherheit oder die Umwelt gefährdet sind, könne die Gemeinde eingreifen. Dafür müssten jedoch ganz konkrete Hinweise vorliegen. So könne die Verwaltung derzeit nur immer wieder auf den Eigentümer einwirken und auf die Missstände hinweisen. Bis jetzt habe der sich aber nicht gemeldet.

„Der Zustand des Gebäudes ist längst nicht mehr so, wie es sich der Eigentümer wahrscheinlich vorstellt“, sagt Robert Eisler. Er setzt auf die Zusammenarbeit von Gemeinde, Wirtschaftsförderern und Polizei, um die Besitzer letztendlich doch noch zum Handeln zu bewegen. - pin

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare