Schatzsuche mit dem Smartphone

Für Geocacherin Jasmin Ruhfaut ist der Weg das Ziel

Jasmin Ruhfaut ist seit vielen Jahren begeisterte Geocacherin.

Bönen - Die Leiterin des Bönener Kinder- und Jugendbüros hat ein besonderes Hobby: Sie begibt sich mit dem Smartphone auf Schatzsuche. Im Ferienspaß hat sie schon einige Kinder und Jugendliche mit ihrer Leidenschaft für das Geocaching angesteckt

Pokemon Go ist ein virtuelles Suchspiel, Geocaching ein weiteres. Und während der Spieler bei der erstgenannten Jagd per Smartphone im Grunde genommen „nur“ Pixelmonster sammelt, ist die digitale Schnitzeljagd ein durchaus haptisches Erlebnis. Wer will, kann den im Cache (Englisch: geheimes Lager) gefundenen Schatz sogar mitnehmen oder besser: Er kann ihn eintauschen gegen eine eigene Kleinigkeit.

„Ich hab zu Hause so eine kleine Kiste mit Inhalt von Überraschungseiern oder Fußballbildchen“, sagt Jasmin Ruhfaut über ihr Hobby. Die 28-Jährige, im Bönener Go in Leiterin des Kinder- und Jugendbüros, verzichtet aber in der Regel auf die Mitnahme des Schatzes. Für sie zählt der Weg dorthin, das Lösen von Rätseln, um fehlende Koordinaten zu ermitteln, das Kennenlernen von Orten in der Nachbarschaft, die man sonst eher nicht beachtet.

Geocaching hätte gerade 20. Geburtstag gefeiert, erzählt Ruhfaut. „Das hat mit der Abschaltung der absichtlichen Verschlechterung des GPS-Signals durch das US-Militär zu tun“, weiß die gebürtige Holzwickederin. Erst ab Mai 2000 war es Zivilisten möglich, Koordinaten genau zu lokalisieren. Im Alter von acht Jahren war Ruhfaut natürlich noch nicht dabei, „aber jetzt schon sehr lange“.

Tourismusbüros nutzen die Möglichkeit

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Zunächst lief sie mit Freunden nur mit. Dann schaffte sie sich ihren ersten GPS-Empfänger an, setzte ihn bei der Arbeit im Jugendzentrum Holzwickede ein. Ruhfaut nutzt, übertrieben gesagt, jede freie Minute, um ein Cache zu entdecken. „Ich bin ja Bahnfahrer, während einer längeren Umsteigezeit gucke ich schon, ob einer in der Nähe ist.“ Viele Tourismusbüros würden diese Möglichkeit inzwischen nutzen, um auf Sehenswürdigkeiten hinzuweisen. Ruhfaut eroberte in diesem Sommer eine Ötzi-Münze. „Im Urlaub ist so etwas sehr reizvoll, weil es einen oft an Orte führt, die nicht im Reiseführer stehen.“

Zum Beispiel einen Schuhmacher in Marokko. „Er hat uns erklärt, wie man Schuhe macht, während wir den Laden nach dem Cache durchsucht haben“, erzählt Ruhfaut. Nein, sie habe den Laden ohne ein neues Paar Schuhe verlassen. „Der Schuhmacher war total entspannt und gar nicht aufdringlich.“

Spezielle GPS-Empfänger wie das Etrex 10 mit Schwarz-Weiß-Display und rudimentärer Karte nutzt Ruhfaut nur noch selten. „Ein Smartphone hat man ja immer dabei, die Apps C:GEO oder Geocaching.com sind in der Basisversion frei. Man muss sich nur mit einem Aliasnamen registrieren.“

Die Verstecke haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. „Ich musste mich schon mal von einer Ruhrbrücke abseilen, der Cache war unter der Brücke“, sagt Ruhfaut. Auch das Gelände wird kategorisiert, ob man auch mit Rollstuhl hinkommt oder klettern muss.

Bunker und Nachtwanderung

Caches selbst gibt es inzwischen weit mehr als die traditionellen, bei denen Koordinaten angegeben sind. Beliebt: Wie bei einer klassischen Schnitzeljagd Aufgaben zu lösen, mit einer neuen Koordinate den nächsten Cache zu finden und letztlich das Ziel. Da die GPS-Daten zwar genauer geworden sind, aber immer noch einen Spielraum lassen, ist angegeben, ob man nach großen oder kleinen Dingen Ausschau halten sollte. Die Hinweise wie etwa „Etwas Unnatürliches in der Natur“ geben einen weiteren Tipp. „Mit der Zeit entwickelt man aber einen Blick, bekommt einen Riecher, wo und was der Cache sein könnte“, weiß Ruhfaut.

Der „coolste“ Cache bisher? Ein Bunker in Holzwickede. „Da musste man erst einmal reinkommen, dann durch einen langen Tunnel laufen“, erzählt sie. Oder auch Nachtcache: „Wir haben mal einen gemacht, da musste man Donald Duck helfen, Zutaten für ein Sandwich zu finden, im Rahmen einer Nachtwanderung.“ Ärgerlich seien solche Runden, bei denen man sich erfolgreich vorarbeitet und dann scheitert, weil eine Station schlampig angelegt ist oder zerstört wurde. „Man kommt dann irgendwann nicht weiter, das ist frustrierend“, sagt Ruhfaut.

Sie selber scheut sich auch davor, selber Caches anzulegen. „Es ist ein großer Wartungsaufwand“, sagt Ruhfaut. Das Logbuch, in dem sich Finder registrieren, müsse ausgetauscht werden, wenn voll. Außerdem könne man einen Cache nur anlegen, wenn die Umgebung „muggelsicher“ sei. „Es heißt tatsächlich Muggelgebiet wie bei Harry Potter.“ In der realen Welt dürfen in den Romanen die Zauberer nicht zaubern, müssen unerkannt bleiben. Städte sind nicht frei von Muggeln. Dort laufen Cache-Verstecker überall Gefahr, entdeckt zu werden.

So wird der Spaziergang interessanter

Geocaching böte sich an, den gemeinsamen Spaziergang, nicht nur zu Weihnachten, für Kinder interessanter zu gestalten, meint Ruhfaut. Entdeckungen sind in der Region viele zu machen, ein Smartphone hat auch jeder dabei. „Allerdings ist es ungeschriebenes Gesetz, die Natur zu achten, die Wege nicht zu verlassen – auch wenn die App Luftlinie anzeigt“, erklärt Ruhfaut. Der Sucher kommt dem Cache auch auf normalen Wegen näher. Tatsächlich ist das Motivation für Kinder, die innere Abneigung gegen Spaziergänge zu vergessen, erfuhr der Autor bei einem solchen mit seinen Enkeln. Das Suchen und Finden ist interessant für kleine Kinder. Man sollte nur die Cache aufmotzen – zum Beispiel mit Süßigkeiten.

Apropos haptisches Erlebnis. Wenn jemand im Wald beim Stöbern in den Blättern Kellerasseln eklig findet, sei das nicht so schlimm wie das Stöbern in verdreckten Klos in leer stehenden Häusern. „Das muss ich nicht haben, im Müll zu wühlen“, kennt Ruhfaut Grenzen in ihrer Begeisterung für das Hobby.

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