Generationenwechsel in der Pfarrei St. Barbara

„Kirche kann auch cool sein“ findet die neue Gemeindeassistentin Julia Kettler

Julia Kettler am Gemeindeteich Bönen
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Julia Kettler ist die neue Gemeindeassistentin der Pfarrei St. Barbara und Nachfolgerin von Gemeindereferentin Martina Dinslage, die bald in den Ruhestand geht.

Sie ist das neue Gesicht in der katholischen Pfarrei St. Barbara: Seit dem 1. August wird Julia Kettler als Gemeindeassistentin von Gemeindereferentin Martina Dinslage in den vielseitigen Job an der Gemeindebasis eingearbeitet.

Bönen – Dinslage hätte eigentlich den Staffelstab bereits übergeben und wäre im Ruhestand, aber um der künftigen Nachfolgerin die Einarbeitung zu erleichtern, hat sie in Abstimmung mit dem Arbeitgeber Bistum Paderborn noch drei Monate drangehängt. Mit der 23-jährigen Julia Kettler findet auch ein Generationenwechsel in der Pfarrei statt, zu der die Standorte Christ-König und St. Bonifatius in Bönen sowie Herz Jesu in Kamen-Heeren gehören. Wer ist die Neue und wo sieht sie künftig den Schwerpunkt ihrer Aufgaben?

Könen Sie etwas zu Ihrer Person sagen?
Kettler: Ich bin 23 Jahre alt, komme aus Ense-Höingen im Kreis Soest und wohne inzwischen in Wickede. Seit Oktober 2020 bin ich verheiratet. Mein Mann ist bereits Gemeindereferent, in Sundern im Sauerland. Wir haben uns im Studium kennengelernt und können uns jetzt auch gut austauschen über unsere Aufgaben. Zu meinen Hobbys: Ich hab jahrelang Tennis gespielt, aber während des Studiums aufgehört. Jetzt habe ich hoffentlich wieder die Zeit, das aufzunehmen. Ich lese gerne, vor allem Psychothriller. Da lasse ich dann mal die heile Welt hinter mir. Da interessiert mich: Warum sind Menschen so, wie sie sind?
Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen, eine Gemeinde zu betreuen?
Ich bin katholisch erzogen worden, war Messdienerin. Irgendwie hatte ich das Gefühl, für diese Aufgabe berufen zu sein. Das war immer genau das, was ich machen wollte. Ich hatte auch keinen Plan B. Ich hab drei Jahre Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule in Paderborn studiert. Danach wird man für zwei Jahre in eine Gemeinde geschickt, in der man überzählig zum Team gehört und sich erst einmal ausprobieren kann. Ich war in Dortmund, wo sieben Gemeinden zu einem Pastoralen Raum zusammengefasst sind mit vier Priestern und drei Gemeindereferenten. Im letzten Ausbildungsjahr bin ich nun nach Bönen auf die Planstelle gekommen – zunächst als Gemeindeassistentin. Im August oder September 2022 werde ich dann offiziell beauftragt als Gemeindereferentin.
Das ist schon anders als in Dortmund, hier sind Sie sozusagen Einzelkämpferin ...
Die Organisationsformen der Gemeinden sind sehr unterschiedlich. Es gibt große Einheiten mit mehreren Referenten und kleine wie Bönen. Da es immer weniger kirchliche Mitarbeiter gibt, müssen die pastoralen Räume künftig immer größer werden, um das abzudecken. Ich finde es wichtig, sich mit Kollegen in anderen Gemeinden auszutauschen, vor allem, wenn man allein vor Ort ist, um Ideen von anderen zu bekommen, um nicht in dieses „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu rutschen.
Was gehört alles zu Ihren Aufgaben?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt auch nicht das eine Berufsbild. Da schafft auch jeder Gemeindereferent mit der Zeit seine Schwerpunkte. Die Aufgaben reichen von Kindergartenarbeit, Religionsunterricht und Organisation von Einkehrtagen in Schulen über Erstkommunion-, Firmungs- und Taufvorbereitung, Messdienerbetreuung, Jugendpastoral bis zu Seniorenarbeit und Krankenkommunion.
Was sind Ihre Schwerpunkte?
Ich glaube, ich bin besonders kreativ und offen und kann auch außerhalb der Normen denken. Das ist zum Beispiel für Firmungen interessant, um Jugendlichen auch mal ein anderes Bild von Kirche zu bieten. Da sind auch die Schulen ein wichtiger Anknüpfungspunkt, um zu zeigen: Kirche kann auch cool sein. Deshalb wünsche ich mir auch einen guten Kontakt zu den Schulen, um Projekte anzubieten zu Themen wie Rassismus oder Schöpfung. Da kann man dann tiefer in ein Thema einsteigen und offen diskutieren und nicht gleich mit der katholischen Keule um die Ecke kommen.
Kindesmissbrauch, Zölibat, Frauen in der Kirche – es gibt viel Kritik an der Organisation Katholische Kirche. Wie gehen Sie damit um?
Ich bin ja erst seit Kurzem dabei, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich eingeschränkt bin in meiner Arbeit. In den Gemeinden, an der Basis, haben wir schon sehr freie Hand. Denn wir sind diejenigen, die mit den Menschen direkten Kontakt haben. Ich glaube, ich muss nicht alle Ansichten in der katholischen Kirche teilen und gutheißen. Ich glaube, es braucht auch junge Leute, die sagen, wo etwas falsch läuft. Auch wenn es nur im Kleinen ist, sollten wir versuchen, Gottes Willen, wie wir miteinander leben sollen, zu verwirklichen.
Wie sollten wir miteinander leben?
Wir sollten vor allem achtend und wertschätzend miteinander umgehen. Ich finde das, was derzeit bei uns und überall auf der Welt passiert – rechter Hass, Ausgrenzung und Angst – ganz furchtbar. Liebe und Wertschätzung dem anderen gegenüber ist immer der richtige Weg – auch zwischen den Religionen. Interreligiöse Kommunikation ist sehr wichtig, um im Gespräch zu bleiben und sich besser kennenzulernen, denn wir leben in einer multikulturellen Welt – und das ist gut so.
Also wollen Sie künftig auch über die Gemeinde hinaus wirken?
Ja, sonst verliert man ganz viele Menschen aus dem Blick. Es ist wichtig, für die Gemeindemitglieder da zu sein, aber ich glaube, das reicht nicht aus. Wir müssen offen sein und auf Menschen zugehen, die nicht in der Kirche sind, und im übertragenen Sinn alle Sprachen sprechen und Brücken schlagen.

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