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Gemeindereferentin mit Herz und Seele: Martina Dinslage geht in den Ruhestand

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Von: Sabine Pinger

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Martina Dinslage
Gemeindereferentin Martina Dinslage sieht der Verabschiedung in den Ruhestand gelassen entgegen. © Pinger Sabine

Religion kann Spaß machen, Glauben Freude bringen. Was es allerdings dafür braucht, sind Menschen, die dies vermitteln können und es selber leben. Ein solcher Mensch ist Martina Dinslage. Die Gemeindereferentin der Pfarrei Sankt Barbara geht nach 20 Jahren in den Ruhestand.

Bönen – Seit 2001 ist sie Gemeindereferentin in Bönen: erst in der Pfarrgemeinde Sankt Bonifatius, nach dem Zusammenschluss im Pastoralverbund und schließlich in der seit 2019 bestehenden Pfarrei Sankt Barbara Bönen und Heeren. Ende des Monats feiert sie ihren 66. Geburtstag und geht in den Ruhestand.

Der Gedanke daran hat der Heerenerin lange zu schaffen gemacht. „Ich bin davon ausgegangen, dass es für mich keine Nachfolgerin gibt. Und ich habe mich gefragt, wie das funktionieren soll, wenn die Stelle wegfällt“, erzählt sie. Die Pfarrei, die Menschen und Kollegen im Stich zu lassen, kam für sie nicht infrage. Daher hatte sie beschlossen, zumindest ein Jahr länger im Job zu bleiben. Eigentlich hätte sie nämlich bereits zum 1. August aufhören können.

Die gute Nachricht: Es gibt eine Nachfolgerin

Dann jedoch erreichte sie die Nachricht, dass mit Julia Kettler eine neue Gemeindeassistentin in die Pfarrei kommt. „Von da an habe ich mich auf die Rente gefreut. Ich weiß jetzt, es ist alles geregelt und in guten Händen.“ Dass eine junge Frau das Ruder übernimmt, gefällt Martina Dinslage besonders. „Wenn man so lange im Beruf steht wie ich, ist man ein bisschen eingefahren. Sie geht die Dinge sicher mal anders an.“

Komplett von der Bildfläche verschwinden will die 65-Jährige aber nicht. Dafür liegen ihr die Gemeinden viel zu sehr am Herzen. „Ehrenamtlich werde ich einige Aufgaben übernehmen“, berichtet sie. Unter anderem will sie die Krankenkommunion in Heeren und Nordbögge fortführen und einmal im Monat Danke Gemeindemitglieder besuchen. Zudem wird sie als Kommunionshelferin im Gottesdienst bleiben. Und schließlich wurde sie von einem Bestatter gefragt, ob sie künftig vielleicht freie Trauerreden halten möchte. „Das kann ich mir sehr gut vorstellen: Leute zu beerdigen, die aus der Kirche ausgetreten sind, deren Angehörigen aber dennoch beten möchte. Gottes Liebe steht schließlich allen Menschen zu.“

Ehrenamtlich macht sie weiter

Erfahrung in der Trauerarbeit bringt sie dafür mit. Zum einen hat die Gemeindereferentin das Trauercafé Zum offenen Ohr in Heeren geleitet, zum anderen als Trauerbegleiterin im Bildungshaus Sankt Bonifatius Elkeringhausen Trauerwochenenden geleitet. Menschen in Ausnahmesituationen die Zuversicht zu Gott zurückzugeben, ihnen zu helfen, Trost im Glauben zu finden, ist ihr ein Anliegen. Und es ist auch ein Grund dafür, warum sie sich als junge Frau für diesen Beruf entschieden hat: „Die Freude an Gott und am Glauben anderen Menschen näher zu bringen, ihnen eine andere Dimension zu eröffnen. Natürlich ärgere ich mich über vieles in der Kirche, aber ich selber brauche den Gottesdienst für eine stabile Gottesbeziehung, damit der ‚Faden nach oben‘ nicht abreißt.“

Die Frauenfrage machte ihr zu schaffen

Eine theologische Laufbahn hatte Martina Dinslage dabei so gar nicht im Sinn, als sie als junges Mädchen den Realschulabschluss in der Tasche hatte. „Klar, alle sind in die Kirche gegangen, die Eltern, Großeltern, die Tante und der Onkel. Besonders religiös war meine Familie aber nicht.“ Sie selbst interessierte sich durchaus für die Religion. „Ich hatte schon immer diese Frage nach Gott“, erinnert sie sich. Dennoch wollte sie mit 16 Jahren aus der Kirche austreten. „Mädchen durften damals keine Messdiener werden, Frauen keine Lektoren oder Kommunionshelfer. Das hat mich alles so geärgert“, hat sie sich bereits in jungen Jahren für mehr Emanzipation in der katholischen Kirche eingesetzt. Heute unterstützt sie die Kampagne Maria 2.0.

Von der Einzelhandelskauffrau zur Religionspädagogin

Dinslage absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Nach der ersten Station in Hamm zog sie dazu nach Erlangen. Die Arbeit in dem Kaufhaus in der fränkischen Stadt gefiel ihr ganz und gar nicht. In der Kirchenzeitung las sie dann von dem Studiengang zum Religionspädagogen – eine Fügung. „Ich bin nach Paderborn gefahren und habe mir das angeschaut“, so die Heerenerin. Was sie sah, gefiel ihr offenbar. Sie schrieb sich für das Studium ein und genoss die Zeit an der Katholischen Fachhochschule. „Es war alles sehr persönlich dort, die Dozenten kannten jeden von uns“, schildert sie.

Ihr Anerkennungsjahr führte sie nach Schloß Holte-Stukenbrock, die erste Stelle ins beschauliche Beverungen im Kreis Höxter. „Das war für mich, die aus dem Ruhrgebiet kam, eine ganz andere Welt“, erzählt Martina Dinslage. „Wunderschön, aber ich wollte lieber wieder zurück.“

Das klappte mit einem Stellenangebot in Kamen-Methler. Sechs Jahre arbeitete sie in der Gemeinde, führte Freizeiten durch, Kinderbibeltage, betreute Frauengruppen und erledigte alles, was eine Gemeindereferentin nun mal so tut. Was genau das ist, fällt Martina Dinslage auch heute noch schwer zu beschreiben. „Eine Kollegin hat mir mal geraten, alles auf eine Tapetenrolle zu schreiben, was ich mache. Und wenn dann mal jemand fragt, was eine Gemeindereferentin denn so macht, könnte ich die einfach ausrollen und sagen: ‚das‘.“

Langeweile gab es nie

In den Gemeinden gibt es immer etwas zu tun, Langeweile hat die 65-Jährige in ihrem Berufsleben nie kennengelernt. Jeder Tag war gut gefüllt. Gerade diese Vielseitigkeit und die Möglichkeit, selbst zu gestalten, liebt sie. „Ich habe mich immer bevorzugt gefühlt“, sagt sie. „Ich hatte sehr viele Freiheiten und ein super Team.“

Die Arbeit mit den unterschiedlichen Menschen, in der Kirche, all das hat ihr stets viel gegeben, wie sie sagt. Große Freude hat ihr zum Beispiel die ökumenische Arbeit gemeinsam mit den Pfarrern der Evangelischen Kirchengemeinde bereitet. Ganz besonders glücklich war sie über die Zusammenarbeit mit Pfarrer Benno Heimbrodt. Er war auch der Grund, warum sie 2001 von Methler nach Altenbögge wechselte. „Er war Mitte der 1990er Jahre Vikar in Kamen, und so haben wir uns kennengelernt. Wir waren von Anfang an auf einer Wellenlänge“, schildert sie. Als Heimbrodt Gemeindepfarrer in Altenbögge wurde, folgte sie ihm in die Sankt-Bonifatius-Gemeinde, zunächst für eine halbe Stelle.

Sie begleitete Gruppen wie etwa die Kfd, betreute Kinder- und Jugendfreizeiten, bereitete Sondergottesdienste und Krippenspiele vor, organisierte Frauenwochenenden, Kinderbibeltage und vieles mehr. Später kamen die Erstkommunions- und Firmvorbereitungen dazu. Mit einer halben Stelle ließ sich all das irgendwann nicht mehr abdecken. Als 2005 die Christ-König-Gemeinde mit in ihren Aufgabenbereich fiel, stockte die Religionspädagogin auf eine Vollzeitstelle auf.

Immer für alle ansprechbar

Nicht nur die Gemeindemitglieder schätzen Martina Dinslages offene Art, ihren warmherzigen Humor und ihr Mitgefühl. Sie ist jederzeit für alle ansprechbar. Und das ist ihr durchaus recht. „Ich liebe die Nähe zu den Menschen, spontan ins Gespräch zu kommen. Man nennt das ‚seelsorgerisches Kurzgespräch‘“, sagt sie. Darauf möchte sie künftig nicht verzichten. „Die Leute können mich nach wie vor gerne ansprechen.“ Ansonsten möchte sie ihren Ruhestand mit der Familie genießen. Gerade hat sich das erste Enkelkind eingestellt. „Mein Garten ist außerdem mein Hobby, und mit meinem Mann mache ich gerne Fahrradtouren.“

Offiziell verabschiedet wird Martina Dinslage am Sonntag, 24. Oktober, im Gottesdienst in der Sankt-Bonifatius-Kirche.

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