Friedrich der Große hat es vorgemacht

Wie im Garten des Königs: Gemeinsames Grab für Mensch und Tier

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Noch ist das Gelände des kommunalen Friedhofs Altenbögge allein der Bestattung von Menschen vorbehalten. Das könnte sich bald ändern.

Die Gemeinde Bönen richtet ihr Augenmerk für die neue Friedhofssatzung auf Haustiere. Hunde sollen an der kurzen Leine auf den Friedhof dürfen und sogar dort bestattet werden können.

Bönen – Bereits Friedrich der Große machte im 18. Jahrhundert vor, was die Gemeinde in ihrer Friedhofssatzung nun umsetzen will. Damals war es der Wille des Königs, in einer Gruft auf der Terrasse des Schlosses Sanssoucis neben seinen Hunden beerdigt zu werden. Das könnte bald auch in Bönen möglich sein. Jedoch nicht auf einem Schlossgelände, sondern auf dem Altenbögger Friedhof.

Paragraph 13 der Beschlussvorlage zur neuen Friedhofssatzung sieht nämlich vor, dass der Friedhofsträger zulassen kann, dass in eine bereits belegte Urnenwahlgrabstätte auf einem gesonderten Grabfeld kremierte Haustiere als Grabbeigabe eingebracht werden.

Vereinfacht gesagt, können Hund und Herrchen danach gemeinsam bestattet werden. Allerdings sind einige Regeln zu beachten, wie Carsten Wilke von der Friedhofsverwaltung Bönen erklärt. „Als Erstes muss eine Humanbestattung stattfinden“, bekräftigt Wilke. Wer sein Haustier also überlebt, der muss es bis zum eigenen Tod aufbewahren.

Das Haustier als Grabbeigabe

Die Anschaffung einer Urne liegt in diesem Fall nahe, denn die Beisetzung des Haustieres kann lediglich im kremierten, also verbrannten Zustand erfolgen. „Außerdem handelt es sich bei der Beisetzung nur um eine Grabbeigabe“, betont Wilke und erläutert, warum: „Es sollen schließlich die Verstorbenen bleiben, die hauptsächlich gewürdigt werden“.

Im Grab, welches im klassischen Sinne aus vier Bereichen besteht, sind die Felder neben- oder untereinander zumeist für die Lebenspartner reserviert. Beigaben, die sich abgesehen vom Haustier auch in Blumen, Schmuck oder anderen Gegenständen mit persönlichem Wert äußern, können in einem der übrigen beiden Feldern beigesetzt werden.

Bisher konnten Tierhalter ihr geliebtes Haustier nur im Garten begraben.

Das bedeutet, dass auch mehrere Haustiere ihren Platz haben können, wenn der Besitzer darauf besteht. Vom Hund über die Katze bis zum Vogel oder Meerschweinchen. Alle Kleintiere sollen willkommen sein. Größere Arten können hingegen nicht berücksichtigt werden. „Es geht wirklich nur um Haustiere“, bekräftigt Wilke. Schweine, Kühe und Pferde könnten dafür auf einem speziellen Tierfriedhof – der nächstgelegene befindet sich in Dortmund – begraben werden.

Und auch wenn einige „Großkaliber“ den Rahmen sprengen mögen, so bietet die Beschlussvorlage vielen, zum Teil auch ausgefallenen, Kleintieren die Chance, mit ihrem Besitzer bestattet zu werden. „Es soll ein Angebot von unserer Seite sein“, beteuert Wilke. „Für Leute, die ihre Grabstätte individueller gestalten wollen.“

Thema im nächsten Fachausschuss

Die Idee, Mensch und Tier ein gemeinsames Grab zu ermöglichen, ist keine, die aus Bönen stammt, stellt Wilke klar. Viele andere Friedhöfe wie „Unser Hafen“ in Essen-Frintrop haben das Konzept längst umgesetzt. Und auch die Gemeinde hat den Wunsch schon vor einigen Jahren erstmals geäußert. „Warum die Politik den Sachverhalt erst jetzt aufnimmt, wissen wir nicht“, erklärt Wilke. Genauso wenig weiß er, ob der Beschluss letztlich umgesetzt wird. Und wenn er umgesetzt wird, wie er bei den Leuten ankommt. „Da lässt sich nur drüber spekulieren“, so Wilke, der sich schon mit den beiden ortsansässigen Bestattungsunternehmen Hille und Schulte ausgetauscht hat. „Die Bestatter halten es auch für eine gute Idee. Aber wie es angenommen wird, weiß keiner.“

Am 14. November um 18 Uhr tagt der Fachausschuss für Planen, Bauen und Umwelt im Rathaus. Danach muss die Vorlage noch den Rat am 28. November passieren. Wenn der mehrheitlich zustimmt, stünde der ersten Beisetzung in Bönen von Haustier und Besitzer zumindest keine bürokratische Hürde mehr im Wege. Auch in anderen Punkten der Friedhofssatzung spielen Vierbeiner eine Rolle. Neben Blindenhunden will die Stadt fortan auch andere Hunde auf Friedhöfen erlauben, sofern sie an einer kurzen Leine geführt werden.

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