Bönener Rat einigt sich auf Kompromiss

Luftreinigungsgeräte für rund 30 Klassenzimmer

Dick eingepackt verfolgen die Schüler am Marie-Curie-Gymnasium während der Lüftungsphase den Unterricht.
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Dick eingepackt verfolgen die Schüler am Marie-Curie-Gymnasium während der Lüftungsphase den Unterricht.

Bönen – Corona mutet den Schülern und Lehrern viel zu. Da waren sich die Mitglieder des Gemeinderates am Donnerstag einig. Bei der Frage, ob zum Infektionsschutz nun Klassenzimmer und Fachräume in den Bönener Schulen mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden sollen, gab es hingegen einigen Diskussionsbedarf.

Einen entsprechenden Antrag hatte die SPD-Fraktion im November gestellt. Die Genossen forderten darin, dass sämtlich Klassenzimmer der fünf Schulen in der Gemeinde sowie acht Umkleidekabinen in den von Schulen genutzten Sporthallen schnellstmöglich mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet werden. Sie begründete ihre Forderung mit den hohen Infektionszahlen und damit, dass die Schüler in der kalten Jahreszeit unter dem regelmäßigen Lüften der Klassenzimmer leiden würden.

„Im Moment haben wir Temperaturen von null Grad Celsius“, stellte SPD-Ratsfrau Ute Brüggenhorst am in der Sitzung in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums fest. Dadurch, dass alle 20 Minuten die Fenster der Klassen zimmer zum Stoßlüften geöffnet werden, erreiche die Raumtemperatur im Laufe des Tages kaum die 15-Grad-Marke. „Und das ist laut Arbeitsschutzverordnung nicht zumutbar“, so Brüggenhorst. Zudem wäre inzwischen belegt, dass das Lüften alleine nicht ausreichen würde, um eine Übertragung des Corona-Viruses zu verhindern. Und dadurch, dass sich bei 75 Prozent der Infektionen nicht nachvollziehen ließe, wo sich die Betroffenen angesteckt haben, seien die Schulen als Infektionsherd nicht aus dem Fokus. „Ziel ist eine zusätzliche Maßnahme, die das aktuelle Dauerlüften einzelner Schulklassen ersetzt“, hatte deshalb der SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Lampersbach in seinem Ratsantrag formuliert.

Finanzierung nicht außer Acht lassen

Thomas Cieszynski von der Bürgergemeinschaft Bönen sah hingegen keine „extreme Gefährdung“ an den Bönener Schulen. Das belegte er mit Zahlen des MCG. „Dort gab es bisher neun positive Corona-Fälle, drei Klassen waren in Quarantäne.“ Deshalb sei es durchaus in Ordnung, Räume, die sich schlecht belüften ließen, mit den Geräten auszustatten, nicht aber generell alle. „Das ist ja auch nur eine Phase, die in ein paar Monaten vorbei ist“, so Ciesynski.

Christdemokrat Torsten Goetz ging es um die Finanzierung der Geräte, aber auch um den Klimaschutz. „Die SPD fordert 124 Geräte, ohne Kontakt zu den Schulen und der Verwaltung aufgenommen zu haben. Sonst hätten die Antragsteller gewusst, dass die Gemeinde bereits Anstrengungen in dieser Sache unternommen hat.“ Jeden Raum mit einem Reiniger auszustatten sei ein enormer finanzieller Kraftakt. Hinzu käme der Stromverbrauch, der zugleich zulasten des Klimas ginge.

Wie hoch der finanzielle Aufwand tatsächlich sein könnte, machte Klaus Viertmann deutlich. Der Grünen-Politiker bewies sich durch seinen wissenschaftlich fundierten Vortrag in der Ratssitzung als Fachmann. Flugs überschlug er, wie viele Geräte angeschafft werden müssten, um wirklich einen Effekt zu erreichen. Mit einem Lüfter pro Klassenzimmer sei es nämlich nicht getan. Teils seien zwei oder gar drei Exemplare notwendig – je nach Raumgröße und Schüleranzahl. „Um 130 Räume im Idealfall zu bestücken, müssten wir mit etwa 1,3 Millionen Euro rechnen. Da stellt sich die Frage, ob das wirklich notwendig ist.“

CO2-Ampeln alternativ einsetzen

Hinzuzurechnen seien außerdem Kosten für die regelmäßige Wartung und Filterwechsel. Viertmann empfahl alternativ, C02-Ampeln in den Klassenzimmern zu installieren. Damit ließe sich die Luftqualität kontrollieren und feststellen, wo Reinigungsgeräte sinnvoll einzusetzen sind.

Nach weiteren Wortmeldungen einigten sich die Ratsmitglieder schließlich doch auf den Beschlussvorschlag der Verwaltung, nachdem die SPD ihren eigenen Antrag zurückgezogen hatte. Die Gemeinde soll nun nach der Empfehlung des Umweltbundesamtes mobile Luftreinigungsgeräte für die Räume anschaffen, die nicht ausreichend belüftet werden können – soweit diese förderfähig sind. Auf diesen Zusatz hätte die SPD-Fraktion gerne verzichtet. Ihre Mitglieder sind nämlich nach wie vor der Ansicht, dass für solche Räume unbedingt Luftreiniger angeschafft werden müssen, notfalls aus eigener Tasche, wenn es dafür keine Förderung vom Land gibt. Deshalb enthielten sich die Sozialdemokraten bei der Abstimmung, Senay Oturak von der Linken schloss sich ihnen an. Mit den 18 Stimmen der übrigen Ratsmitglieder erhielt die Verwaltung nichtsdestotrotz den Auftrag.

Gemeinde hofft auf Förderung

Der zuständige Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte hatte dazu Zahlen parat, die er zuvor bei den Schulen abgefragt hatte. Demnach gibt es sechs Fachräume am Gymnasium, drei an der Hellwegschule so wie rund 20 Klassenzimmer an der Pestalozzi-Hauptschule.

„Wir sprechen also von rund 30 Räumen“, fasste Otte zusammen. Ihm liegen zwei Angebote für mobile Luftreiniger vor. Sie sind für circa 4000 Euro pro Stück zu haben. Das entspricht den förderfähigen Kosten, die das Land für „technische Maßnahmen zum infektionsschutzgerechten Lüften in den Schulen“ in Aussicht gestellt hat.

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