Gleichstellungsplan vorgestellt

Politik sieht noch Gesprächsbedarf, damit mehr Frauen in Führungspositionen kommen

Birgit Stephan vor Hellwegschule
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Bis 2020 war Birgit Stephan in einer Männerdomäne tätig bei der Gemeinde als Hausmeisterin der Hellwegschule.

Bönen – Frauen sind auch in der Bönener Verwaltung immer noch nicht ihren männlichen Kollegen gleichgestellt – das gilt insbesondere für die höheren Einkommensgruppen und technische sowie handwerkliche Bereiche. Das soll sich künftig ändern mithilfe des Gleichstellungsplans, den die Gemeinde für die Jahre 2020 bis 2024 im Rat vorgelegt hat. Der lehnte den Plan mit einem Patt von jeweils zwölf Pro- und Contrastimmen sowie sechs Enthaltungen jedoch vorerst ab.

Die Gleichstellungsstrategie der Verwaltung sei nicht erkennbar, kritisierte die SPD-Fraktion, die mit elf Stimmen und einer Enthaltung gegen den Entwurf stimmte. Die Linke stimmte ebenfalls gegen den Plan und sorgte für ein Patt und die Ablehnung der Vorlage. Die Grünen und ein SPD-Ratsmitglied enthielten sich der Stimme. Nun soll nachgebessert werden. Bürgermeister Stephan Rotering wird die Fraktionen zeitnah zu einer Videokonferenz einladen, in der Kritikpunkte noch einmal diskutiert werden sollen.

Der Öffentliche Dienst ist in besonderem Maß aufgerufen, für gleiche berufliche Chancen von Frauen und Männern zu sorgen. Grundlage in NRW ist das Landesgleichstellungsgesetz (LGG), das 2016 in Kraft trat und Frauenförderung sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer zum Ziel hat. Es gilt für den gesamten Öffentlichen Dienst, also auch für die Kommunalverwaltungen. Diese sind verpflichtet, nach den gesetzlichen Vorgaben einen Gleichstellungsplan aufzustellen als ein wesentliches Steuerungsinstrument der Personalplanung.

Frauenanteil von 47 Prozent

Die Mehrzahl der Mitarbeiter in der Bönener Gemeindeverwaltung ist männlich, auch die Fachbereichsleitungen sind ausschließlich von Männern besetzt, wie ein Blick in die Auflistung aller Beschäftigten am Stichtag 1. Januar 2020 zeigt: Von 108 Beschäftigten sind 52 Frauen – deren Anteil beträgt also 48 Prozent. Hinzu kommen sechs Auszubildende, ein Drittel weiblich. Insgesamt ergibt sich damit ein Frauenanteil von 47 Prozent. Aufschluss über die Beschäftigtenstruktur gibt die Unterscheidung zwischen nichttechnischer Verwaltung, technischer Verwaltung (Frauenanteil 27 Prozent) und Handwerk (Frauenanteil 18 Prozent). Hier zeigen die aktuellen Zahlen, dass Frauen in den klassischen „Männerdomänen“, aber auch in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert sind.

Kaum Frauen im Handwerk

Der Gleichstellungsplan kommt zu dem Schluss, dass eine realistische Prognose über die künftige Personalentwicklung bei Wiederbesetzung frei werdender Stellen oder Höhergruppierungen nicht möglich sei. Das LGG schreibt vor, hier konkrete Zielvorgaben festzulegen. Die derzeitige Frauenquote, bezogen auf frei werdende Stellen durch das Erreichen der Regelaltersgrenze (nur im mittleren und höheren Dienst) liegt im allgemeinen Dienst bereits über dem Soll bei 61 beziehungsweise bei 82 Prozent.

Beschäftigte bei der Gemeinde Bönen

Am Stichtag 1. Januar 2020 beträgt der Frauenanteil der Beschäftigten im Bönener Rathaus 48 Prozent. Von 108 Beschäftigten sind 52 Frauen. Hinzu kommen sechs Auszubildende, ein Drittel weiblich. Insgesamt ergibt das einen Frauenanteil von 47 Prozent. Bei den Vollzeitstellen sind von 71 Mitarbeitern nur 18 weiblich – das entspricht einem Viertel der Mitarbeiter im Rathaus. Umgekehrt ist nach wie vor der Anteil der Frauen, die in Teilzeit arbeiten, traditionell hoch mit einem Anteil von 92 Prozent. Hier arbeiten 34 Frauen und nur drei Männer auf reduzierter Stundenbasis.

Eine klare Geschlechterverteilung ergibt sich beim Blick auf die Vergütungsgruppen. In der unteren Laufbahngruppe 1.1 (A1 bis A3) ist der Frauenanteil mit 60 Prozent am höchsten. In den Laufbahngruppen 1.2 bis 2.1 (A6 bis A13) ist der Frauenanteil insgesamt bei 48 beziehungsweise 49 Prozent, nimmt allerdings in den höheren Einkommensgruppen kontinuierlich ab. Beim Blick in die „obere Etage“ (Laufbahn 2.2 – A13 bis A15) ist der Frauenanteil dann gleich null.

Den Hauptanteil der insgesamt 114 Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Bönen stellen 99 tariflich Beschäftigte. Hier liegt der Frauenanteil bei 47 Prozent. 34 der 54 Frauen arbeiten in Teilzeit. Im Beamtenbereich liegt der Anteil der Frauen bei 44 Prozent. Von den vier Beamtinnen ist eine in Teilzeit beschäftigt. Im Vergleich zu 2016 ist der Anteil der weiblichen Belegschaft von 48 auf 47 Prozent gefallen. Bei den 27 Neueinstellungen in der Zeit von 2016 bis 2020 beträgt der Frauenanteil 52 Prozent (14 Frauen).

Bei der aktuell erfolgten Wiederbesetzung der Hausmeisterstellen konnte aufgrund der Bewerberstruktur der Frauenanteil nicht erhöht beziehungsweise gehalten werden. Bis 2020 war Birgit Stephan 32 Jahre lang als einzige Hausmeisterin in Bönen an der Hellweggrundschule tätig. Das ist allerdings auch weiterhin die Ausnahme. Künftig sollten bei Wiederbesetzung der Stellen bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung diese bevorzugt mit Frauen besetzt werden. Im Handwerkerbereich sei das besonders wünschenswert, so formuliert es der Gleichstellungsplan, da Frauen in Handwerksberufen generell unterrepräsentiert seien.

Diskussionsbedarf bei Gleichstellungsplan

In der letzten Ratssitzung war der Gleichstellungsplan der Gemeinde gescheitert. Insbesondere die Sozialdemokraten stimmten gegen den Entwurf, „da wir wesentliche Aspekte in dem vorgelegten Plan vermissen“, heißt es in einer Stellungnahme der Bönener SPD. „Dieser wiederholt lediglich Passagen des Landesgleichstellungsgesetzes. Wir sehen da noch Luft nach oben, damit die Gemeindeverwaltung als attraktiver Arbeitgeber und Ausbildungsstätte wahrgenommen wird.“

Auch das Thema Jobsharing (zwei Teilzeitkräfte in Führungspositionen) oder Möglichkeiten für Quereinsteiger, Chancen für Menschen mit Migrationshintergrund seien bisher nicht berücksichtigt. So seien Bewerbungsverfahren beispielsweise so zu gestalten, dass mehr Frauen die Chance ergreifen, Karriere zu machen, wünscht sich die SPD.

Da sei noch Gesprächsbedarf, befand Bürgermeister Rotering. In Kürze wird er alle Fraktionen zu einem Gespräch über den Gleichstellungsplan einladen. Denn: Beschlossen werden muss einer.

Davor stehen aber noch intensive Diskussionen, um einen Konsens zu finden, wohin die Reise gehen soll, was gewünscht und machbar ist, bevor der Gleichstellungsplan erneut die Gremien passiert und im Rat zur Abstimmung steht. „Das alles muss aber praktikabel sein“, so Rotering.

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