Gemeinde startet Aktion mit GWA

Biotonne statt Kompost: Befreiung vom Gefäß nur mit Beratung

Andreas Hellmich und Maximilian Drexler (von links) präsentieren Infomaterial
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Andreas Hellmich und Maximilian Drexler (von links) präsentieren Infomaterial zu der gemeinsamen Aktion rund um die Biotonne.

Diskutiert wird schon länger über die Probleme mit der Biotonne, jetzt sollen Taten folgen. Immer häufiger landen Störstoffe in der grünen Tonne oder Biomüll im Restmüll. Das ist schlecht für die Umwelt und am Ende teuer für den Bürger. Viele Bönener haben bis heute keine Biotonne mit dem Hinweis, dass sie selbst kompostieren.

Bönen – Deshalb werden ab dem heutigen Mittwoch alle Bönener Immobilienbesitzer angeschrieben, die noch keine Biotonne haben. Die Regel ist der Anschluss und die Nutzung einer Biotonne. Wer sich davon befreien lassen möchte, der muss nachweisen, dass er tatsächlich eine komplette Eigenkompostierung auf seinem Grundstück durchführen kann. Und das ist nicht so einfach wie es klingt.

Bundesweit landen durchschnittlich rund 40 Prozent der nativ-organischen Stoffe im Restmüll, hat das Bundesumweltamt errechnet – schlecht für den Klimaschutz, schlecht für die Gebührenrechnung, die die Gemeinschaft am Ende zahlt. „In Bönen“, so schätzt Maximilian Drexler von der Gemeindeverwaltung, „sind es nach Stichproben etwa 25 bis 30 Prozent. Fast tausend Tonnen pro Jahr allein aus Bönen landen statt in der grünen Tonne in der Müllverbrennungsanlage.“ Also noch viel Luft nach oben für Optimierungen.

GWA-Beraterin Stefanie Lieg zeigt, wie Küchenabfälle richtig in der Biotonne entsorgt werden.

Ein wichtiger Schritt ist deshalb jetzt die Aktion, die Gemeindeverwaltung und die Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) Kreis Unna gemeinsam unternehmen, um die Bioabfallverwertung im Kreis zu optimieren. Ziel ist es, mehr Bönener an die grüne Tonne zu bekommen. Deshalb hat die Verwaltung jetzt genauer hingeschaut, wie viele Haushalte zwar den Restmüll angemeldet haben, aber immer noch ohne Biotonne auskommen. „Das sind rund 48 Prozent oder 2500 Haushalte, die in der Gemeinde als Alternative zur Biotonne die Eigenkompostierung angeben“, so Drexler. Die Eigentümer erhalten alphabetisch nach Straßennamen an drei Terminen am 20., 26. und 29. Mai Post von der Gemeinde

Rund um die Biotonne

Die Biotonne wird in der Gemeinde Bönen in zwei Größen angeboten: 60 und 120 Liter.

Gebühren: Die kleine Tonne kostet 44,88 Euro im Jahr – das entspricht 3,74 Euro im Monat. Die 120-Liter-Biotonne kostet 89,76 Euro im Jahr oder 7,48 Euro pro Monat.

Informationen rund um das Thema gibt es bei der GWA-Servicenummer 0800 400 1400 oder im Internet unter www.gwa-online.de.

„In der Praxis kompostiert der Großteil der Haushalte allerdings nur einen Teil seiner kompostierfähigen Abfälle“, ergänzt Andreas Hellmich, Sprecher der GWA. „Der Rest wandert in den Restmüll.“ Er spricht deshalb von Alibikompostierung. Letztlich eine Verschwendung von Ressourcen. „Einen Kompostkasten in den Garten stellen, die Küchenabfälle reinwerfen und fertig ist der Kompost – so einfach ist es eben leider nicht“, betont Andreas Hellmich.

Er schätzt, dass gerade mal ein Prozent der Bönener Haushalte seinen Bioabfall korrekt kompostiert. Alle anderen entsorgen einen Großteil in den Restmüll. Um das zu vermeiden, gebe es zwei Wege: Die Anschaffung einer kleinen Biotonne, sodass weiterhin ein Teil des Bioabfalls auf dem Kompost landet und ein Teil ordnungsgemäß in der Biotonne entsorgt wird – oder die korrekte Kompostierung, die allerdings sehr aufwändig sei, sagt Hellmich.

Dem Schreiben der Gemeinde liegt direkt ein Antrag auf Erteilung einer Biotonne bei, erläutert Drexler. „Sobald der eingeht, wird die Biotonne aufgestellt – spätestens im März 2022, auf Wunsch auch früher.“ Wer eine Ausnahmeregelung von dem Anschluss- und Benutzungszwang in Anspruch nehmen möchte, muss sich von den Fachleuten der GWA beraten lassen. Die Beratungsphase dauert zunächst bis zum 11. Juni.

Da erfahren Kompostierwillige, was tatsächlich dazu gehört, einen Kompost ordentlich anzulegen. „Wichtig ist, was man einkauft, und dass man nicht zu viele Lebensmittel wegschmeißt“, klärt Andreas Hellmich auf. „Mit einem Kasten allein ist es nicht getan, da muss immer wieder umgeschichtet werden. Gerade Orangenschalen oder Kartoffelschalen brauchen sehr lange. Ein Problem ist oft, dass Tiere angelockt werden und unangenehme Gerüche entstehen. Zudem muss der erzeugte Humus anschließend im eigenen Garten ausgebracht werden. Bei den mittlerweile sehr kleinen Grundstücken ist kaum noch Platz für Beete. Da ist eine Biotonne für viele doch die bessere Alternative“, wirbt Hellmich für die grüne Tonne.

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