Zuflucht.Bönen beklagt verdreckte Küchen

Wohnheim am Nordkamp: Akuter Missstand beseitigt, aber Grundkonflikt  ungelöst

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Immer noch nicht schön, aber schon besser: Die Herde in der Gemeinschaftsküche waren am Donnerstagmorgen von den Bewohnern soweit gereinigt, dass sie wieder nutzbar waren.

Die unappetitlichen Bilder aus der Küche der Notunterkunft am Nordkamp haben ihre Wirkung nicht  verfehlt: Der Unrat ist abgeräumt, die Diskussion über bessere Strukturen in Fahrt. 

Bönen - Die Bönener Gemeindeverwaltung hat am Donnerstagmorgen unmittelbar auf die Missstände in der Flüchtlingsunterkunft am Nordkamp reagiert, die wa.de zu diesem Tag mit Fotos der Initiative Zuflucht.Bönen öffentlich gemacht hat. Die Bilder von verdreckten Herden und Spülen mit Essensresten seien „eine Momentaufnahme“ und zeigten keinen Dauerzustand, hieß es. Urheber sei ein einzelner Bewohner, mit dem es immer wieder Konflikte gebe.

Ordnungsamt: Schwieriger Charakter Urheber

„Unsere Hausmeister sind in das Haus gegangen und haben die Bewohner angehalten, die Küche selbst zu reinigen“, berichtete Ordnungsamtsleiter Jörg-Andreas Otte. Er lege Wert auf die Feststellung, dass hier „nicht für die Flüchtlinge aufgeräumt wird, sondern durch die Flüchtlinge selbst.“ Dabei bestritt Otte nicht, dass sich diese Momente in dem Quartier immer wieder zeigten. „Wir wissen auch, wer dafür verantwortlich ist“, so der Amtsleiter. Am Nordkamp gebe es laufend Probleme mit einem einzelnen Bewohner, der sich um keinerlei Regeln schere, Besuch empfange und mit diesem die Gemeinschaftsküche so hinterlasse, wie es gerade Schlagzeilen macht. „Der Mann ist deswegen schon aus einer anderen Unterkunft hierher verlegt worden. Aber wir haben auch keine andere Handhabe, wir müssen den Mann nun mal unterbringen“, so Otte. Der Betreffende sei in dem Pavillon mit zehn Plätzen zwischen den beiden Mehrparteienhäusern am Nordkamp untergebracht.

Unterkunft für 45 Erwachsene - keine Kinder

45 Menschen leben insgesamt dort, Alleinstehende und Paare, aber keine Familien oder Mütter mit Kindern, wie es in unserem ersten Bericht aufgrund anderer Angaben irrtümlich hieß. 14 Bewohner haben eine Aufenthaltserlaubnis, könnten theoretisch in eine Mietwohnung umziehen, die aber wohl schwer zu bekommen ist, wie es heißt. 20 Menschen leben dort mit einer Aufenthaltsgestattung, elf mit einer Duldung. Bei ihnen wird also zunächst von einer Ausweisung abgesehen. Die Quartiere Billy-Montigny-Platz und Nordbögger Straße hinzugerechnet, leben 106 Geflüchtete in Wohnheimen. 24 Asylbewerber haben in eine von der Gemeinde gemietete Wohnung umziehen können.

Gemeinde muss noch 70 Menschen aufnehmen

Dass die Flüchtlinge nicht mit mehr Platz einquartiert werden, begründet Otte mit dem absehbaren Bedarf an Unterkünften für anstehende Zuweisungen. Nach den aktuellen Berechnungen der Bezirksregierung hat Bönen bis zum Jahresende noch 73 Personen aufzunehmen. Drei mit laufendem Asylverfahren und 70 anerkannte Flüchtlinge mit Bleiberecht und Wohnsitzauflage. Das entspräche in etwa den noch verfügbaren Plätzen.

Zuflucht.Bönen fordert personelle Verstärkung

Das Schlaglicht auf den Konflikt am Nordkamp bescherte der Gemeinde und dem Verein Zuflucht.Bönen TV-Präsenz. Ein Team des WDR nahm sich der Sache für die Tagesreportage in der „Lokalzeit aus Dortmund“ an. Deniz Werth sprach für den Verein, Jörg-Andreas Otte vertrat die Position der Gemeinde vor der Kamera. Für Werth, künftiges Ratsmitglied der SPD, belegt der Fall, dass ihre Partei zurecht die Forderung erhebt, einen Sozialarbeiter für eine intensivere Betreuung der von harten Schicksalen gezeichneten Flüchtlinge einzustellen. „Hier zeigt sich, dass man sozialarbeiterisch tätig werden muss“, so Werth. Der Integrationsbeauftragte der Gemeinde leiste gute Arbeit, „aber er kann das alles gar nicht schaffen.“ Dass nun ein nigerianischer Flüchtling alsBufdi zur Unterstützung eingesetzt werde, „erleichtert gewiss den Zugang, ersetzt aber den Sozialarbeiter nicht.“ 

Amtsleiter: Talent wichtiger als Profession

Da habe er als Amtsleiter in Schwerte andere Erfahrungen gemacht, erwidert Otte in diesem Punkt. „Wichtig ist die Interaktion mit den Bewohnern und das gilt unabhängig von der Vorbildung.“ Schwerte habe daher zehn Betreuer mit beruflichen Wurzeln vom Handwerk über die Bundeswehr bis zur Arztpraxis eingestellt, die vor allem eines gemeinsam hätten: Ein Händchen für den Umgang mit Menschen. „Solche Kräfte sind im Alltagsgeschehen genauso wertvoll wie ein Sozialarbeiter.“ Auch vor dem Hintergrund, dass die auf dem Markt gar nicht in ausreichender Zahl verfügbar seien. Das hat Bönen mit seiner erfolglosen Stellenausschreibung ja schon feststellen müssen.

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