Die gelb-schwarze Gefahr: Wespen-Attacke auf einem Spielplatz

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Ihre Nester sind voll. Wespen erreichen zurzeit den Höhepunkt ihrer Population. Vielleicht ist das auch ein Grund warum die gelb-schwarzen Tierchen etwas übellaunig und angriffslustig sind.

Das hätte böse ausgehen können: Ein Mitarbeiter des Gemeindebauhofs hatte am Freitag beim Grasschneiden auf dem Spielplatz  ein Wespennest getroffen und war von den Insekten plötzlich attackiert worden.

Bönen – Mit acht Stichen wurde er vorsorglich zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Bauhofleiter Dennis Borkowiak möchte sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ein spielendes Kind gestochen worden wäre. Der Spielplatz am Königsholz wurde sofort gesperrt. Fachleute haben inzwischen ein Mittel gegen die Wespen gespritzt. Am Dienstag soll der Platz wieder geöffnet werden.

Der Angriff der gelb-schwarzen Insekten kam ohne Vorwarnung. „Unser Mitarbeiter hatte keine Chance“, berichtet Borkowiak. „Er konnte das Nest nicht ausmachen, weil es es sich um Erdwespen handelte, die röhrenartige Gänge im Boden anlegen. Der Mann war dabei, das hohe Gras entlang der Hecke freizuschneiden. Unglücklicherweise habe er dabei mit dem Freischneider das Nest getroffen, berichtet Borkowiak. Die aufgescheuchten Wespen gingen blitzschnell zum Angriff über, um ihr Nest zu verteidigen.

Acht Stiche an Händen und Beinen

Der Mann ließ zwar alles fallen und flüchtete, aber so schnell könne niemand reagieren und sich in Sicherheit bringen, weiß Borkowiak. Die Begegnung mit den Erdwespen endete schmerzhaft für den Mitarbeiter „mit Stichen in die Hände und an den Beinen“, berichtet der Leiter des Bönener Bauhofs. „Da man nie weiß, wie stark allergisch jemand reagiert, wurde er in ein Krankenhaus gebracht und dort behandelt. Es geht ihm inzwischen aber wieder gut. Es war vor allem der Schock.“

Hätte ein Kind dort gespielt und sich dem Nest genähert, wer weiß, wie das ausgegangen wäre. „Deshalb war es in diesem Fall auch keine Frage, was zu tun ist“, betont Borkowiak. „Wir sind normalerweise daran interessiert, möglichst wenig Insektizide einzusetzen, wenn es zu vermeiden ist. Aber auf einem Spielplatz steht die Sicherheit der Kinder an erster Stelle.“

Im Gras an einer Hecke befand sich das Erdwespennest auf dem Spielplatz am Königsholz.

Deshalb wurde der Platz sofort von der Gemeinde geschlossen und ein Unternehmen aus Kamen gerufen. Die Experten kamen am Montag und sprühten ein Mittel gegen die Wespen in die Gänge, denn das unterirdische weitläufige Nest kann nicht entfernt werden. Bis Dienstag musste die Gemeinde mit der Öffnung des Platzes warten. „Viele Wespen sind tagsüber unterwegs und kehren erst abends zu ihrem Bau zurück und kommen dann mit dem Gift in den Röhren in Berührung“, erläutert Dennis Borkowiak. Erst, wenn alle Insekten tot seien, könne Entwarnung gegeben werden, und Eltern ihre Kinder dort wieder ohne Angst spielen lassen.

Imker bestätigt: Wespen zurzeit aggressiver als sonst

Martin Greitzke, Vorsitzender des Bönener Imkervereins, bestätigt, dass sein Verein derzeit zahlreiche Anfragen zum Thema Wespen bekommt. Er empfindet die Wespen in diesem Jahr als besonders aggressiv. Das zeigt auch der Angriff von Wespen an einer Gesamtschule in  Lüdenscheid: 16 Schüler wurden plötzlich attackiert und vor allem in Hals, Nacken und Gesicht gestochen worden, und mussten anschließend in Krankenhäusern behandelt werden.

„Möglicherweise finden die Wespen wegen der Trockenheit zu wenig Nahrung“, ist eine Überlegung, die der Imker anstellt. Das Wetter könne auch Einfluss auf die Tiere haben, die reagieren ähnlich wie Menschen auch gereizt bei besonders drückendem Wetter. „Im Gegensatz zu Bienen und Hornissen sind Wespen Räuber, die zum Beispiel Aas in der Natur wegräumen“, erläutert Greitzke, dass die wenig beliebten Plagegeister auch eine wichtige Aufgabe in der Natur haben.

Kampf ums Marmeladenbrot: Wespen können sehr hartnäckig sein, wenn sie eine Leckerei entdeckt haben.

Wer Probleme mit einem Wespennest am Haus oder im Garten hat, kann Kontakt mit dem Imkerverein aufnehmen. „Auf keinen Fall sollte man selbst versuchen, ein Nest zu entfernen“, warnt Greitzke ausdrücklich. „Nur Experten können ein Nest umsetzen – wenn es noch nicht zu groß ist. 

Aber zurzeit erreichen die Tiere ihre größte Volkstärke.“ Eine Entfernung des Nestes sei ohnehin nur mit Genehmigung der Unteren Landschaftsbehörde erlaubt – und zwar nur in Fällen, in denen eine besondere Gefahr festgestellt wird. Denn die Tiere stehen unter Schutz. 

„Ansonsten muss man mit den Tieren leben.“ Wichtig sei, nicht panisch um sich zu schlagen und die Tiere noch mehr zu reizen, rät der Fachmann, der auch einen Trost hat. Im Herbst sterben die Wespen und die Nester sind verlassen. „Dann ist der Spuk vorbei.“

Was tun, wenn man ein Wespennest im Garten entdeckt?

Wenn es plötzlich am Boden summt und emsiger Flugverkehr herrscht, kann das ein Alarmzeichen sein. Möglicherweise haben Erdwespen an der Stelle ihr Zuhause eingerichtet.

So erkennt man Erdwespen: Als Erdwespen werden Wespenarten zusammengefasst, die ihre Nester unter der Erde bauen – hier sind das vor allem die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Mit ihrem typisch gelb-schwarzen Erscheinungsbild und dem markanten Körperbau sind sie leicht zu erkennen. Besonders gern halten sich Erdwespen in der Nähe von Menschen auf, da sie sich auch von Fleisch, Speisen und deren Abfälle ernähren.

Daran erkennt man Erdwespen im Garten: Bereits im Frühjahr sind Erdwespen auf der Suche nach einem geeigneten Nest im Garten auf Erkundungsflügen zu beobachten. Im Juni ist der Bau des Nestes abgeschlossen. Kleine Löcher im Boden weisen auf ein Wespennest hin. Da ein Erdwespennest tagsüber bis zum Herbst ständig angeflogen wird, kann man regen Flugbetrieb beobachten.

Eine Erdwespe mit Baumaterial am Eingang zum Röhrengang ihres Erdnestes.

Potenzielle Orte für Erdwespennester: Die Tiere suchen sich bevorzugt schattige, geschützte Orte im Garten in der Nähe von Essensplätzen (Terrasse, Balkon, Grillplatz), Gartenhäuser, Mülltonnen, wenig genutzte Bereiche im Garten.

Wie gefährlich sind Erdwespen? Im Vergleich zu anderen Wespenarten gelten Erdwespen als deutlich weniger aggressiv, da sie nicht von sich aus angreifen. Werden sie gestört oder ihr Nest angegriffen, etwa weil man versehentlich auf ein Erdloch tritt, dann greifen sie an. Ein Nest umfasst 5000 bis 10 000 Tiere. Fühlen sich die Tiere gestört, kommunizieren sie mittels abgesonderter Duftnoten und können so Verstärkung holen. Da sie beim Stechen ihren Stachel nicht verlieren, sind Erdwespen für Kinder und Haustiere besonders gefährlich.

Vorbeugen: Damit sich die Plagegeister nicht unbemerkt einnisten, sollten brachliegende, offene Gartenstücke regelmäßig umgegraben werden. Knoblauch, Basilikum, Tomate und Lavendel pflanzen, der Geruch hält die Wespen fern. Verlassene Erdwespennester sollten im Herbst mit Erde zugeschüttet und die Erde gut verdichtet werden, damit sie im kommenden Jahr nicht erneut bezogen werden können.

Wie man Erdwespen loswerden kann: Das Beseitigen von Wespen generell, aber auch von Hornissen, und ihren Nestern ist verboten. Die Insekten stehen unter Naturschutz. Niemals sollte man selbst versuchen, die Nester zu entfernen! Wenn ein Nest massive Probleme verursacht, empfiehlt es sich, zum Beispiel den Bönener Imkerverein zu kontaktieren oder einen Schädlingsbekämpfer. Die Feuerwehr ist in der Regel nicht zuständig. Experten können bei Bedarf Nester entfernen oder umsiedeln. Auch wenn Erdwespen geschützt sind, gilt es abzuwägen, ob eine Gefahr von ihnen ausgeht.

Erdwespen leben nur den Sommer über in dem eroberten Bereich. Im Herbst sterben die Wespen ab. Das Nest ist unbewohnt. Oft hilft eine Absperrung, um nicht versehentlich die Tiere zu stören. Mit Zuckerwasser oder vergorenem Obst lassen sich die Insekten weglocken.

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