Gegen den Leerstand: Bönen hat jetzt einen Citymanager

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Jens Büchtig kümmert sich seit 1. Februar um Leerstände in der Gemeindemitte und die Belange der Gewerbebetriebe vor Ort.

Bönen – Wie viele Städte und Gemeinden leidet auch Bönen darunter, dass die Fußgängerzone mehr und mehr verwaist. Geschäfte stehen leer, Besucher bleiben aus. Der wachsende Onlinehandel ist dabei nur einer von vielen Gründen dafür, warum es die Menschen nicht mehr in die Ortszentren zieht.

Um der Gemeindemitte wieder mehr Leben einzuhauchen, forderten die Bönener Grünen, die CDU sowie der fraktionslose Ratsherr Klaus Herbst im vergangenen Jahr, in der Gemeinde eine Citymanagement- und Bestandsimmobilienbetreuungsstelle einzurichten. Nach dem Ratsbeschluss ist das inzwischen geschehen: Jens Büchting von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna hat diese Aufgabe zum 1. Februar übernommen. Er sprach mit WA-Redakteurin Sabine Pinger über seine Arbeit. 

Was macht ein Citymanager? 

Konkret soll ich mich um die Leerstände kümmern. Mein Wirkungsbereich umfasst dabei die Fußgängerzone und von dort aus die Bahnhofstraße bis etwa zum Notariat Flechsig. Ich bin aber außerdem für die Wirtschaftsförderung vor Ort zuständig. Das heißt, Betreuung, Unterstützung und Entwicklung des Industriegebietes – aber auch des kleineren und mittleren Gewerbe- und Handwerksbetriebsbestandes im Ort. 

Sie sind nach wie vor bei der Wirtschaftsförderung (WFG) des Kreises angestellt. Wie teilen sich Ihre Aufgaben nun auf? 

Ich habe eine halbe Stelle bei der WFG und kümmere mich um die Immobilien- und Gewerbeflächenentwicklung im gesamten Kreis Unna. Die andere Hälfte bin ich in Bönen als Citymanager und Wirtschaftsförder. Beide Bereiche teilen sich hälftig auf. Nachmittags bin ich im Bönener Rathaus ansprechbar. 

Sie sind dann aber auch viel in der Gemeinde unterwegs? 

Ja, ich werde sicher in den Gewerbegebieten viel zu tun haben, um neue Kontakte zu knüpfen und die vorhandenen zu pflegen. Was bieten Sie den Unternehmen an? Ich unterstütze bei Innovationsstrategien, bei der Gründung, Weiterbildung, bei Finanzierungen oder auch bei der familienbewussten Personalpolitik und einigem mehr. Und was ist mit der Gemeindemitte? Zunächst werde ich das Gespräch mit den Vermietern dort suchen. Wie lange sind sie noch vor Ort? Steht ein Generationswechsel an? Wie geht es mit dem Geschäft weiter? Und was können wir tun? Wie können wir helfen, um zum Beispiel einen Nachfolger zu finden? Wenn kein Nachfolger parat steht, droht ja leider oft ein Leerstand. 

Gibt es in Bönen viele Leerstände? 

Wenn man das auf den Einzelhandel bezieht, gibt es ein paar. Aber die Geschäfte in der Fußgängerzone werden ja zum Teil anders genutzt, als Parteibüro etwa. Meine Aufgabe ist es, zu analysieren, warum Läden leer stehen. Hat es schon Vermarktungsversuche gegeben? Wenn die Vermarktung nicht geklappt hat, woran hat es gelegen? Vielleicht lässt sich auf den Versuch aufbauen, vielleicht muss aber auch an der Gebäudestruktur etwas verändert werden. Und wenn es mit der gewerblichen Nutzung nichts wird, vielleicht eignet sich die Immobilie dann zum Wohnen. Wo kann man da Fördermittel bekommen?

Was haben Sie bisher schon unternommen?

Ich habe erste Gespräche geführt. Man muss sich ja erst mal kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Das dauert eine Zeit. Erste Ideen habe ich natürlich schon entwickelt. Und welche sind das genau? Ich habe viele Ideen. Die Frage ist, ob das von den Nutzern gewünscht ist und ob die Miete getragen werden kann, die dann gefordert wird. Konkrete Ideen möchte ich aber noch nicht nennen, dafür ist es zu früh. 

Wo sehen Sie die Schwierigkeiten bei der Vermarktung oder Vermietung von Ladengeschäften in der Bönener Mitte?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Ohne viele Objekte zu kennen, wird es bei einigen an gewissen Anforderungen an der Struktur hängen. Wir haben viele kleine Flächen, die nur bedingt marktfähig sind. Es kann an den Mietkonditionen liegen, die nicht marktfähig sind oder sogar an Treppenstufen, die ins Geschäft führen. Es kann alles sein, muss es aber nicht. 

Und was ist mit dem Standort Bönen? Ist der auch ein Problem?

Schwierigkeiten gibt es überall. Externe Einflüsse gelten hier genauso, wie anderswo. Hat die Gemeinde auch Vorteile gegenüber anderen Kommunen? Was ich wirklich positiv finde, ist die Kombination aus Park um den Teich herum und Fußgängerzone. Beides geht direkt ineinander über. Das kenne ich von anderen Orten nicht. 

Und was fehlt? 

Sicherlich Gastronomie. Das wäre ein Baustein, der die Fußgängerzone attraktiver machen könnte. Aber im Moment ist alles belegt, was dafür in Frage kommen würde. 

Vor ein paar Jahren gab es die Ideenwerkstatt Fußgängerzone, in der Anregungen und Konzepte gesucht wurden, um die Mitte zu beleben. Angedacht waren dabei verschiedene Veranstaltungen. Werden Sie davon etwas aufgreifen?

 Meine Aufgabe ist es ausschließlich, mich um die Leerstände zu kümmern und sie zu beseitigen. Bestimmt würden solche „Soft Facts“ dazu beitragen, aber darauf liegt nicht mein Fokus.

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