Engpässe beim Standesamt

Geburtsurkunde dringend benötigt: Familie aus Bönen in finanziellen Nöten

Eltern mit Kinderwagen
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Weil noch keine Geburtsurkunde vorliegt, kann eine Familie aus Bönen kein Elterngeld beantragen. 

Eine Familie aus Bönen macht sich große Sorgen. Für das neue Töchterchen hat das Standesamt Unna auch mehrere Tage nach der Geburt noch keine Geburtsurkunde ausgestellt. Die ist aber nötig, um Kinder- und Elterngeld zu beantragen und darauf ist die Familie dringend angewiesen.

Bönen – Ein ganz besonderes Geschenk zum Hochzeitstag bereitete die kleine Carlotta Sieland ihren Großeltern: Sie wurde nämlich an deren Ehrentag, am 7. August, geboren. Auf die offizielle Bestätigung, auf die Gebursturkunde, wartet ihre Mutter Nadja Sieland nun aber bereits seit Tagen. Das Standesamt in Unna begründet die Verzögerung mit personellen Engpässen.

Diese Engpässe haben gravierende Folgen für die Bönener Familie. Ohne die Urkunde können Nadja Sieland und ihr Ehemann nämlich weder das Kinder- noch das Eltern-geld beziehungsweise die Erziehungszeit beantragen. Ein anderes Einkommen hat das Paar aber nicht, da sich beide vorerst für die Elternzeit entschieden haben, abgesehen von dem Kindergeld für ihren zweijährigen Sohn Maximilian. Zudem wurde der befristete Arbeitsvertrag von Nadja Sieland nicht verlängert, als sie schwanger war.

Familie aus Bönen in Nöten: Kontakt zum Standesamt nur eingeschränkt möglich

„Wir müssen unsere Miete bezahlen, haben andere Kosten“, sagt die 35-Jährige Mutter verzweifelt. „Außerdem müssen wir Fristen einhalten. Das Elterngeld muss innerhalb von fünf Wochen beantragt werden. Bis es genehmigt wird, vergeht ja dann aber auch noch mal Zeit.“ Und zwar Zeit, in der das Geld bei den Sielands extrem knapp wird.

Nadja Sieland ist glücklich über die Geburt der kleinen Carlotta. Die finanzielle Situation ihrer Familie macht ihr aber große Sorgen.

Normalerweise wird die Urkunde sofort ausgehändigt, wenn die Eltern die Geburt ihres Kindes beim Standesamt anzeigen. Oft ist das sogar in einer „Außenstelle“ in der Geburtsklinik möglich. Doch durch die Corona-Pandemie ist ein persönlicher Kontakt zu den Mitarbeitern des Standesamtes Unna derzeit nur eingeschränkt möglich. Den Sielands wurde daher empfohlen, die Urkunde schriftlich zu beantragen. Die Mitarbeiter des Katharinen-Hospitals in Unna halfen der jungen Mutter direkt nach der Geburt dabei und stellten die erforderlichen Unterlagen zur Verfügung. Die kamen gemeinsam mit der Bearbeitungsgebühr in einen Umschlag und in den Briefkasten – und seitdem wartet Nadja Sieland auf das wichtige Dokument.

Familie aus Bönen in Nöten: „Situation untragbar“

Von einer Mitarbeiterin erfuhr sie am Telefon von der personellen Not im Standesamt und dass dadurch die Bearbeitung deutlich länger dauert als üblich. „Sie hat mir erzählt, dass wegen der Kommunalwahl dort Mitarbeiter abgezogen wurden.“

Stadtsprecher Christoph Ueberfeld bestätigt das. „Es gibt personelle Engpässe, nicht nur wegen der Wahl, sondern auch wegen krankheitsbedingter Ausfälle.“ Seit Herbst sei die Behörde fast dauerhaft unterbesetzt. Zwar sei inzwischen sogar ein Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt und ein weiterer eingestellt worden, doch das könne noch nicht alles auffangen. Die Kollegen arbeiteten an ihrer Belastungsgrenze.

„Für die Vorbereitung der Kommunalwahl mussten wir nun auch noch Personal abziehen – auch aus anderen Abteilungen“, berichtet der Stadtsprecher. „So leid es mir für die Familie tut, sie wird sich gedulden müssen“, bedauert Ueberfeld. Eine dreiwöchige Wartezeit sei dabei nicht unüblich. Er rät den Sielands, prüfen zu lassen, ob das Sozialamt nicht übergangsweise mit einer finanziellen Überbrückung aushelfen könne, bis das Erziehungsgeld fließt.

„Für mich ist die Situation untragbar“, sagt Nadja Sieland. Sie ist sich sicher, dass ihr Fall nicht der einzige ist, der in Unna aufgelaufen ist. „Was sollen denn erst alleinerziehende Mütter machen?“, fragt die 35-Jährige.

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