Geborgenheit im Vogelnest: Kindertagespflege in neuen Räumen in Bönen

Kindertagespflege Silke Meyer Heike Reinhart Bönen
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Acht Kinder werden in der Tagespflege von Silke Meyer (rechts) und Heike Reinhart betreut.

Zum Vogelnest – kein schlechter Name für eine Großtagespflege für Kinder. Schließlich steht ein Nest für Geborgenheit und Wärme. Den Namen wählte Silke Meyer, als sie vor sechs Jahren ihre „normale“ Tagespflege an der Siemensstraße, Ecke Weetfelderstraße eröffnete. Den Namen nahm die Bönenerin in diesem Jahr mit an den Kettinghauser Weg 17.

Bönen - Zusammen mit Kollegin Heike Reinhart betreut sie dort seit August acht Kleinkinder im Alter von einem bis drei Jahren. Im Februar wird ein neuntes Kind eingewöhnt. „Wir haben jetzt vier Jahre geprobt, ob es passt“, sagt Meyer. So lange machten die beiden Frauen viel zusammen. „Wir haben uns mit unseren Kindern auf dem Spielplatz getroffen. Haben gemeinsam mit den Kitas kooperiert“, blickt sie auf die Geschichte der Zusammenarbeit zurück.

Erst nutzten die Frauen den Turnraum in der Immanuel-Kindertagesstätte in Nordbögge, zuletzt den in der Puzzlekiste an der Woortstraße. Zum einen, weil die Bewegung für die Heranwachsenden auch bei schlechtem Wetter wichtig ist, zum anderen helfen die Besuche bei der Eingewöhnung vor dem regelmäßigen Gang der Kinder in die Kita. „Der Übergang fällt ihnen dann leichter“, sagt Reinhart.

Strenge Auflagen für Umbau

„Wie gesagt, wir haben festgestellt, dass es passt mit uns und unseren Ideen“, so Meyer. Um die beiden Gruppen zusammenzulegen, bedurfte es allerdings eines passenden Raumes. Die Auflagen für eine Großtagespflege sind anders als in privaten Kleingruppen. „Alles muss kindgerecht sein, Notausgang, Feuerlöscher. Dann muss der Garten sicher sein, ohne Teich und giftige Pflanzen“, erklärt die 52-Jährige. Der vom Land NRW geförderte Umbau dauerte und dauert in Kleinigkeiten noch an – auch weil Handwerker in Coronazeiten noch schwieriger zu bekommen sind als in normalen.

Eine Baustelle ist „Zum Vogelnest“ aber nicht. Die Kinder fühlen sich offensichtlich wohl. Es dauert ein wenig, bis die Jüngsten die Scheu wegen des neuen Gesichts an diesem Morgen verloren haben. Phillis will sofort auf den Arm von Heike Reinhart, Mats hingegen präsentiert gleich stolz einen Playmobil-Bauarbeiter, den er gerade in der Spielecke entdeckt hat.

„Hier am Kettinghauser Weg ist alles auf die Kinder ausgerichtet“, sagt Silke Meyer. Ein weiterer Vorteil sei, dass die beiden Tagesmütter sich unterstützen können. Wenn eine der beiden Essen vorbereitet, übernimmt die andere die Aufsicht.

Aus dem Büro in die Kinderbetreuung

Heike Reinhart ist seit zehn Jahren Tagesmutter. Die 43-jährige Büroangestellte hatte ihre Tochter im Alter von einem Jahr in die Tagespflege gegeben und war begeistert von dem Angebot. Sie schulte um. Am Schreibtisch saß Silke Meyer (52) vorher ebenfalls.

Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern kannte die Tagespflege nicht aus persönlicher Erfahrung, sondern aus Erzählungen einer Tagesmutter, die sie kennengelernt hatte. Meyer bemühte sich ebenfalls um die obligatorische Zertifizierung, besuchte wie Heike Reinhart diverse Fortbildungen. „Ich hätte so etwas auch gerne gehabt“, meint Meyer rückblickend. „Aber das gab es ja damals noch nicht.“

Genug Platz zum Toben haben die Kinder in den Räumen am Kettinghauser Weg.

„Wir haben ja einiges an Erfahrung vorzuweisen, sind bekannt in Bönen“, erklärt Reinhart, wie das Vogelnest voll wird. Die Eingewöhnungszeit der „Neuen“ betrage bis zu 14 Tage, abhängig vom Charakter des Kindes. Eine große Gruppe sei eine Bereicherung für die Kinder, finden beide. „Der Übergang zur Situation in den Kitas fällt so leichter, trotzdem ist unsere Gruppe immer noch kleiner, familiärer.“

Konflikte lösen die Kinder meist alleine. „Wir halten uns zurück, wenn es Streit ums Spielzeug gibt. Die Auseinandersetzung müssen die Kinder ja auch lernen.“ Wenn es heftig wird, greifen die beiden Tagesmütter selbstverständlich ein.

Spaziergänge in der Natur

„Die Eltern versuchen, unsere Tagesstruktur mit ins Wochenende zu nehmen“, sagt Reinhart. Um 11.30 Uhr gibt es Mittagessen, um 12.15 Uhr gehen alle schlafen. „Dann können wir auch mal ein wenig verschnaufen“, sagt Meyer. Immerhin sind die Kinder von 7 bis 17 Uhr im Vogelnest. Zwei Schlafsäle stehen zur Verfügung. „Einige wollen beim Einschlafen ein Lied hören, anderen erzählen wir eine Geschichte.“

Mats zeigt dem Gast derweil seinen Platz am Frühstückstisch. „Ja. Wir frühstücken auch gemeinsam an diesem Tisch“, bestätigt Meyer den Zweijährigen. Ein Morgenkreis gehört ebenfalls zum Ritual in der Großtagespflege. „Die Kinder lernen so auch die Namen der anderen Kinder.“

Zum Tagesprogramm gehört zudem ein Spaziergang. Der Fuhrpark der Großtagespflege umfasst einen Sechs- und einen Viersitzerkrippenwagen und normale Kinderwagen. „Einige laufen ja selber. Die müssen sich auch auspowern.“ Der Standort, quasi mitten in der Natur, in den Feldern, sei optimal. „Hier ist ja kein Verkehr. Die Kinder können mit dem Bobbycar auf die Straße.“ Mit den Nachbarn verstehen sich Kinder und Tagesmütter gut. „Die vermissen die Kreidebilder unserer Kinder“, erfuhr Reinhart.

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