GDL-Streik wirkt sich im Logistikzentrum Ruhr-Ost in Bönen aus

50 Lkw pendeln zwischen Bönen und Berlin - statt zweier Züge

Containerterminal im Logistikzentrum Ruher-Ost in Bönen
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Containerweise werden die Güter im Logistikzentrum Ruhr-Ost von der Schiene auf die Straße gesetzt und umgekehrt. Augrund des Streiks fährt die Deutsche Bahn den Bönener Terminal derzeit nicht an.

Keine Kompromisse! Nach dieser Devise zieht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) derzeit ihren Arbeitskampf für mehr Geld, eine Corona-Prämie und eine kürzer Tarifvertragslaufzeit durch. Der Streik im Bahnverkehr macht sich auch im Logistikzentrum Ruhr-Ost (LZR) im Bönener Industriegebiet bemerkbar. Die Konsequenzen reichen sogar weit über die Gemeindegrenzen hinaus.

Zum Glück sei der hiesige Terminal nicht ganz so stark betroffen, berichtet Frank Fickermann, Geschäftsführer der Spedition Denninghaus, die Mehrheitseigener der Betreibergesellschaft des LZR. Die anderen Anteile halten die Gemeinde Bönen und der Kreis Unna je zur Hälfte. „Pro Tag kommt nur ein Zug mit der Deutschen Bahn. Der ist jetzt ausgesetzt“, erklärt der Spediteur die Auswirkungen des GDL-Streikes. Sein Unternehmen setzt an der Edisonstraße die Güter von der Straße auf die Schiene und umgekehrt. Dass statt der üblichen vier bis fünf Züge nun seit Tagen nur drei bis vier die Gemeinde erreichen, wäre dennoch eine Katastrophe – vor allem für die Umwelt.

44 Wechselbrücken, also Bahnwaggons, befördere der DB-Zug nämlich von Bönen nach Berlin – sieben Tage pro Woche. Gleichzeitig mache sich ein Zug von der Bundeshauptstadt mit identischem Frachtvolumen auf in die Gemeinde. „Das sind pro Zug etwa 22 bis 25 Lkw-Ladungen“, sagt Fickermann. Seitdem die GDL den Güterverkehr bestreikt, übernehmen statt der klimafreundlichen Lokomotive rund 50 Lkw die Fracht und pendeln zwischen Bönen und Berlin. Das führt natürlich zu einer immens schlechteren Klimabilanz mit hohem C02-Ausstoss.

Waren kommen verspätet an

Zudem bräuchten die Güter länger, um von A nach B zu kommen. „Der Zug fährt mit 140 Kilometern pro Stunde nach Berlin“, macht Frank Fickermann deutlich. Die Lastkraftwagen müssen sich hingegen an die Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde auf der Autobahn halten – wenn sie nicht gerade in Verkehrsbehinderungen oder Staus stecken. Und durch den Bahnstreik sind die Straßen voller als sonst.

Unter der Verspätung leiden die Empfänger. „Viele Betriebe haben ja ohnehin schon arge Probleme mit den Containern, weil die Schiffe nicht oder verspätet ankommen“, kennt der Geschäftsführer die angespannte Liefersituation in vielen Branchen. Aufgrund der Corona-Pandemie, die immer wieder zu Produktionsausfällen und Sperrungen von Container-Häfen führt, von Unwetterkatastrophen und im Frühjahr der Havarie des Frachters „Ever Given“ fehlen derzeit überall Rohstoffe und Ersatzteile.

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