Trotz der Krise wollen Nordbögger Wirte den Umweltschutz nicht außer Acht lassen

Gaststätte Dörnemann setzt auf plastikfreien Verkauf

Ute Nüsken hat sich intensiv mit Verpackungsmaterial beschäftigt. Jetzt hat sie das passende für ihre Gaststätte gefunden.
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Ute Nüsken hat sich intensiv mit Verpackungsmaterial beschäftigt. Jetzt hat sie das passende für ihre Gaststätte gefunden.

Bönen – Die Tische sind abgedeckt, das Licht in den Gasträumen bleibt aus. Mindestens vier Wochen sollen die Gaststätten jetzt geschlossen bleiben. Das Einzige, was viele Köche nun wieder tun können um sich zu beschäftigen und wenigstens ein paar Einnahmen in der Kasse zu haben, ist, einen Außerhausverkauf anzubieten. Der sorgt allerdings dafür, dass mehr Verpackungsmüll in den Abfalleimern – bestenfalls – oder – leider allzu oft – in der Landschaft landet. Dass es auch umweltfreundlicher geht, wollen Ute und Torsten Nüsken zeigen.

Gerade hat das Umweltbundesamt (UBA) erschreckende Zahlen veröffentlicht. Demnach stieg der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland im Jahr 2018 auf ein Rekordhoch von 18,9 Millionen Tonnen. Fast die Hälfte davon produzierten die privaten Verbraucher mit einem Anteil von 47 Prozent. Rein rechnerisch entfallen damit auf jeden Einwohner 227,5 Kilogramm Verpackungsabfall pro Jahr. Und wie sich die Corona-Pandemie auf diese Statistik auswirkt, ist noch nicht klar. Das UBA geht aber davon aus, dass durch die strengeren Hygieneregeln, die geschlossenen Geschäfte und Restaurants in diesem Jahr mehr Serviceverpackungen für Essen und Getränke verbraucht worden sind.

Diesen Trend wollten Ute und Torsten Nüsken, die sich auch privat für den Umwelt- und Naturschutz einsetzen, nicht unterstützen. Und so verzichteten die Gastronomen beim ersten Lockdown im Frühjahr darauf, die in der Gaststätte Dörnemann zubereiteten Speisen auf Plastiktellern, in Folien und Tüten verpackt aus der Tür zu reichen. „Bei uns schwingt immer der ökologische Aspekt mit“, sagt Ute Nüsken.

Pfandsystem funktioniert oft nicht

Eine gute Lösung für das Problem hatte sie zunächst nicht, denn was bei Fast Food mit Pappschalen funktioniert, ist nicht unbedingt für Rouladen, mit Rotkohl und Klößen geeignet. Aufgrund der Hygienevorschriften ist es aber nicht möglich, dass die Gäste ihre eigenen Behälter zum Befüllen abgeben können. Und mit einem Pfandsystem hat die Nordböggerin bislang keine guten Erfahrungen gemacht.

Nach dem ersten Schock über den erneuten Lockdown im Gastronomiegewerbe, wollte Ute Nüsken den Frust aber nicht überwiegen lassen, sondern trotz der schwierigen Situation lieber nach vorne schauen und etwas Neues planen. Also begann sie im Internet zu recherchieren.

Teller und Becher aus nachwachsenden Rohstoffen

Die stundenlange Suche am Bildschirm war schließlich erfolgreich: Inzwischen hat die Gastwirtin einen passenden Anbieter von Food-Service-Verpackungen gefunden. Die Firma Greenbox aus Bremen verspricht ein 100-prozentig klimaneutrales Sortiment. Die Becher, Teller, Schüsseln und Co. werden laut Unternehmen aus nachwachsenden Rohstoffe hergestellt und als endliche Ressourcen verbraucht. Nicht vermeidbare Emissionen, die die Verpackungen verursachen, gleicht der Anbieter demnach zum Beispiel durch Aufforstungen aus und unterstützt ein Klimaschutzprojekt in Indien.

Das Konzept gefällt Ute Nüsken. Sie bestellte direkt ein paar Proben, um sich davon zu überzeugen, ob die Materialien für ihren Betrieb geeignet sind. „Das meiste ist aus Pappe, einiges aus Maisstärke. Das sieht zwar wie Plastik aus, ist aber komplett biologisch abbaubar“, erzählt sie.

Praxistest in der Restaurantküche

Gemeinsam mit ihren Mann startete die Gastwirtin den Praxistest. So blieb die heiße Suppe erst mal eine Stunde lang in einem der gelieferten Behälter stehen. Damit wollten sie prüfen, ob die Flüssigkeit nicht doch nach und nach die Pappe durchdringt. „Die Suppe ist heiß geblieben, und es ist auch nichts ausgelaufen“, berichtet Ute Nüsken zufrieden. Einige Boxen ließen sich sogar bei 200 Grad in den Ofen schieben. Für die Nüskens ist die Sache auf jeden Fall einen Versuch wert – wenn sie auch bei den angebotenen Produkten aus Palmblättern skeptisch bleiben und aus ökologischen Gründen lieber darauf verzichten. „Wir werden sicher nicht alles zu 100 Prozent damit abdecken können und einiges weiterhin im Großmarkt beziehen. Schließlich müssen wir ja in unserer Preisliga bleiben. Aber da, wo es geht, werden wir es nutzen.“

Beweisen müssen sich die neuen Verpackungen ab 11. November. An dem Mittwoch werden in der Gaststätte Dörnemann Reibekuchen zum Außerhausverkauf von 17.30 bis 18.30 Uhr gebraten. Die Kartoffelspezialität soll es ab dann vorerst im November jeden Mittwoch zum Abholen nach Bestellung geben. „Gans to go“ mit Beilagen wird am Sonntagmittag, 15. November, ebenfalls nach Vorbestellung gereicht sowie die folgenden Sonntage jeweils zwei verschiedene Mittagsgerichte. Für die klimaneutrale Verpackung zahlen die Kunden nur eine geringe Pauschale – 50 Cent pro Portion.

Was jeweils auf dem Speiseplan im Bönener Ortsteil steht, sehen die Kunden auf der Internetseite www.gaststaette-doernemann.de oder in dem Newsletter, den Ute Nüsken an alle verschickt, die sich dafür angemeldet haben.

Wer nicht auf das Internet zurückgreifen kann, erfährt es per Telefon unter der Rufnummer 82 76 im Restaurant. Unter dieser Nummer werden ebenso die Bestellungen entgegengenommen wie per Whatsapp unter 01 60/ 94 46 79 27 oder per E-Mail an kontakt@gaststaette-doernemann.de. Ob die Traditionsgaststätte im Dezember und insbesondere in der Weihnachtszeit diesen Service weiterhin anbietet, hängt von der Entwicklung ab. „Wir denken darüber nach“, verspricht Ute Nüsken.

Bönener Gastronomen bieten Speisen zum Abholen an

Nicht nur die Gaststätte Dörnemann in Nordbögge bietet ab sofort einen Außerhausverkauf an. Auch die anderen Gastronomen in Bönen versuchen auf diesen Weg, ihre Gäste weiter zu versorgen. Nach Vorbestellung können die Speisen und Getränke dort zu festen Zeiten abgeholt werden, einige der Anbieter liefern sogar aus: . Darwins Restaurant am Eichenwald (Tennisheim) . Gaststätte Denninghaus . Das Fischlokal (Kruse) am Backfischmobil . Gaststätte Haus Böinghoff . Restaurant Rhodos . Ristorante Pizzeria Due-Elle. Pizzeria D’Amico . Pizzeria Pippo sowie die Pizzerien, Grillstuben, Imbisse und Kebab-Häuser in der Gemeinde, die ohnehin einen Außerhausverkauf beziehungsweise Lieferservice anbieten. Das Essen vor Ort ist nach der aktuellen Corona-Schutzverordnung nicht gestattet. Ein Abstand von 50 Metern zur Gastronomie muss dabei eingehalten werden.

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