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Funktional und ästhetisch: René Struttmann entwirft und baut Möbelstücke

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Von: Markus Liesegang

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Kein großes Herumbasteln: Für Tischlermeister und Objektdesigner René Struttmann ist ein einfaches klares Design wichtig. Die Montage soll selbsterklärend sein.
Kein großes Herumbasteln: Für Tischlermeister und Objektdesigner René Struttmann ist ein einfaches klares Design wichtig. Die Montage soll selbsterklärend sein. © Markus Liesegang

Ob der Wandhaken Hendrik, der Fahrradhalter Bommel oder der Couchtisch „Work (n) Travel“: Die Dinge von Stückwerk-Design in Bönen-Lenningsen sind klar, schlicht und elegant.

Bönen – Bei all seinen Ideen setzt René Struttmann auf den tragenden Werkstoff Holz. Und der Objekt- und Raumdesigner nutzt eine einfache Konstruktion, um die Einzelteile zu vereinen. Bis er seine eigenen Produkte auf den Markt bringen konnte, war es ein weiter Weg.

Struttmann vermarktet sein „Katalogprogramm“ online über den eigenen Shop und über die Handelsplattform Etsy. Die Verpackungsgröße will er klein halten. Einfach designed, einfach aufgebaut: Die Montage ist praktisch selbsterklärend. „Ich denke immer über die Produktion nach, auch wenn die im Studium hinter das Design, die Form gestellt wird“, sagt er. Struttmann kommt eben aus der Praxis. Das zahlt sich aus.

Struttmanns Designsprache ist klar und schlicht, wie bei diesen Halterungen.
Struttmanns Designsprache ist klar und schlicht, wie bei diesen Halterungen. © Markus Liesegang

Struttmann machte den Realschulabschluss auf der Hauptschule im Heimatort Geseke. „Dann hatte ich keinen Bock mehr auf Schule.“ Er fing seine Tischlerlehre beim Fertighausbauer Peitz an. Vor Ort. Den Werkstoff Holz lernte der Junge ganz klassisch über Laubsägearbeiten kennen und lieben.

Fenstereinbau, Holzbalkendecken und Raumteiler waren seine Aufgabengebiete in der Ausbildung und kurzen Gesellenzeit. Im Wehrdienst machte er den Ausbilderschein, den kleinsten Teil einer Meisterausbildung. Die hatte der gebürtige Salzkottener nämlich ins Auge gefasst.

„Wild aufs Zeichnen am Rechner“

„Ich wohnte damals noch zu Hause und dachte, mit dem Meisterschein in der Tasche kannst du ausziehen.“ Den Abschluss machte er fix, nach einem dreiviertel Jahr Vollzeit an der Meisterschule in Paderborn. „Da war ich so 22, 23 und bin dann ein bisschen rumgetingelt.“

Zunächst heuerte Struttmann im jungen Team einer neuen Zimmerei, ebenfalls aus dem Fertighaussegment, an, wechselte, nachdem diese in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, zu einem Mitbewerber. Dessen Chef versprach ihm die Arbeitsvorbereitung. „Und ich war wild aufs Zeichnen am Rechner“, erzählt er. Die Pläne setzte das Unternehmen letztlich nicht um, Struttmann ging.

Am Computer zeichnet, designt und plant der Tischlermeister seine Stücke.
Am Computer zeichnet, designt und plant der Tischlermeister seine Stücke. © Markus Liesegang

Und wechselte kurz vom Holz zum Blech. Persönliche Beziehungen brachten ihn beinahe aus der Spur. „Ich hab schon überlegt, sollst du das wirklich machen“, gibt er zu. Die Neugier auf die dortige Lasertechnik siegte. Die Kenntnisse in der Blechverarbeitung nutze er immer noch. „Die Tischbeine hier lasse ich bei MK Lasertec fertigen“, sagt er und zeigt auf seinen Arbeitstisch.

„Es waren eigentlich immer zwei Jahre bei einer Firma“, blickt Struttmann etwas erstaunt auf seinen Lebenslauf in der Industrie. Seine Frau Kathrin gab schließlich den Anstoß zum Design-Studium. „Dran gedacht hatte ich schon, seit ein Kursleiter an der Meisterschule vom Studiengang in Dortmund erzählt hatte. Ich wollte eigentlich immer Möbel bauen“, sagt der Tischlermeister.

Auto und Wohnung verkauft

Seine Frau, Medizinerin, stand nach ihrem Studium in Innsbruck vor ihrem praktischen Jahr. Die beiden entschieden schließlich, gemeinsam in die westfälische Metropole zu gehen. „Ich hab mein Auto und meine Eigentumswohnung verkauft, um das Studium zu finanzieren.“

Seine Professorin Nora Fuchs gab ihm einen wichtigen Tipp. „Sie fand meine Arbeiten solide, aber nicht kreativ genug“, erzählt er. „Sie schlug vor, dass ich mir einen Raum vorstelle, der in der Literatur beschrieben wird und den aufs Blatt bringe. Ich hab einen sehr detailliert beschriebenen in einem Star-Wars-Buch gefunden.“

Auf Kundenwunsch

Fuchs war es schließlich auch, die Struttmann und seinen Kommilitonen Johannes Laue zur Selbstständigkeit ermutigte. „Wir haben damals einen Multiplex-Tisch entworfen, der mit Seilen gespannt wurde.“ Diesen stellten sie bei der Internationalen Möbelmesse in Köln aus. Über das Designmöbel-Onlineportal Monoqi verkauften sie an die 60 der Tische.

Die beiden Stückwerk-Macher trennten sich schließlich. „Ich wollte kürzertreten wegen der Familie und habe Johannes die Firma angeboten. Er hat eine Festanstellung vorgezogen“, erklärt der zweifache Vater, der 2016 ins Fachwerkhaus an der Lenningser Straße eingezogen ist. „Hier hinten war auch früher eine Tischlerei“, sagt er und zeigt seine Werkstatt, in der er mit zwei Teilzeitmitarbeitern sägt und fräst. Und zwar nicht nur seine Design-Holzmöbel, sondern auch komplette Zimmer oder Ladeneinrichtungen auf Kundenwunsch. Aktuell baut er ein komplettes Kinderzimmer für die Lenningser Nachbarschaft. Kunden bekommen einen realitätsnahen visuellen Eindruck der Planung per 3D-Brille.

Lieblingsholz Esche

Daneben entwirft er momentan einen neuen Couchtisch für seinen Katalog. Das Stecksystem der Beine musste er gerade ein wenig korrigieren. „Das wurde uns schon im Studium gesagt, dass es immer besser ist, sich nicht ausschließlich auf die Zeichnung im Computer zu verlassen, sondern wegen der Proportionen ein Modell zu bauen“, hakt er den Fauxpas als Erfahrung mit dem Prototyp ab. Er deutet auf die asymmetrische Tischplatte aus Esche, seinem Lieblingsholz.

Ganz neu: eine Wandhalterung für das induktive Ladegerät einer Apple-Smartwatch. Holz-Quader, Fräsung und Schlitz als Kabelführung, unsichtbar mittels Stockschraube und Eindrehmutter an die Wand gebracht – klar, und schlicht, Holzkunst von Stückwerk-Design aus Lenningsen eben.

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