Bönener Leiter aus dem Inlogparc ist über 2000 Jahre alt

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Was auf den ersten Blick unspektakulär aussah, entpuppte sich bei näherer Untersuchung und Erforschung als eine echte Rarität: Die Ein-Holm-Leiter, die im vergangenen Jahr bei Grabungen im Inlogparc entdeckt wurde.

BÖNEN -  Die Archäologen haben nun offenbar Gewissheit und sprechen von einer kleinen Sensation: Eine der ältesten erhaltenen Leitern Europas kommt aus Bönen. Das verkündete der Landschaftverband Westfalen Lippe (LWL) am Montag im Rahmen einer Pressemitteilung.

Zugleich veröffentlichte er die ersten Fotos des mehr als 2000 Jahre alten Fundes, der im vergangenen Jahr auf dem Gelände des zukünftigen Stahlwerks Unna im Inlogparc gemacht wurde.

Derzeit restaurieren die LWL-Archäologen die Reste dieser so genannten Ein-Holm-Leiter aus der Eisenzeit. Anschließend soll sie im LWL-Museum für Archäologie in Herne ausgestellt werden.

Der hohe Grundwasserspiegel am Fundort – so die Mitteilung des Landschaftsverbandes – sorgte dafür, dass der unterste, rund 55 Zentimeter lange Rest der Ein-Holm-Leiter ungewöhnlich gut erhalten blieb. „Derartige Leitern werden auch heute noch benutzt: Die Trittstangen ragen seitlich aus dem einzigen vierkantigen Holm heraus, der mit dem angespitzten Ende Halt im Boden findet. Bei ihrer Benutzung treten typische Abnutzungsspuren an Sprosse und Holm auf, die an der Bönener Leiter identifiziert werden konnten“, erläutert LWL-Sprecher Frank Tafertshofer den „bedeutenden Fund“.

Erst unter den Werkzeugen der LWL-Restauratoren und aus wissenschaftlichen Vergleichen habe sich jetzt gezeigt, dass im Bönener Boden eine kleine archäologische Sensation schlummerte.

Das Bönener Exemplar der Ein-Holm-Leiter sei auch deshalb ein besonderes, weil es zu den wenigen gehöre, das in allen Bestandteilen in einer Siedlung von so hohem Alter entdeckt worden sei.

Die Leiter ist von Dr. Ursula Tegtmeier im Labor für Archäobotanik an der Universität in Köln genauer untersucht worden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Germanen den Holm aus leichterem Erlenholz gefertigt haben. Für die Sprossen haben sie dagegen das schwerere Eichenholz verwendet, das auch beim Bau eines Brunnenschachtes in der eisenzeitlichen Siedlung zum Einsatz kam. Die wissenschaftliche Publikation dieses bedeutenden Fundes wird durch den Grabungsleiter Dr. Hans-Peter Schletter erfolgen.

Dass sie etwas Besonderes vor Augen hatten, war Ausgrabungsleiter Dr. Hans-Peter Schletter von der Firma archaeologie.de und Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen allerdings schon klar, als sie das Holz der Leiter aus dem Boden ragen sahen. „Gut erhaltene hölzerne Funde sind in Siedlungsgrabungen nur sehr selten anzutreffen“, weiß Cichy aus Erfahrung. „Hier war also echtes Finderglück im Spiel“, erklärte die Forscherin. Sie hatte bei der VHS in Bönen bereits im November einen Vortrag über die Ausgrabungen im Inlogparc gehalten.

Die eisenzeitliche Siedlung, denen die Archäologen auf der Spur waren, hatte zuvor schon einige Befunde hinterlassen. Reste von Hofstellen, Brunnen und Gräbern konnten dokumentiert werden. Keramikscherben, Tierzähne und Knochenreste datierten die Experten in die späte Eisenzeit.

Ans Licht gekommen waren die Reste der Siedlung bei der routinemäßigen Baubegleitung der LWL-Außenstelle Olpe im Rahmen der Erschließung des Inlogparcs. Erste Hinweise auf eine ausgedehnte germanische Siedlung hatte es im Dezember 2011 gegeben.

Die Ausgrabungen beschleunigt hatte das Stahlwerk Unna. Um rechtzeitig mit dem Bau der neuen Betriebsstätte im Inlogparc beginnen zu können, hatte das Unternehmen kurzerhand die Fachfirma archaeologie.de mit den Ausgrabungen beauftragt und auch die Kosten von 100 000 Euro übernommen. - li

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