Neuer Bio-Economy-Campus:

Investitionen von bis zu 55 Millionen Euro in Bönen 

Das Kompetenzzentrum Bio-Security an der Siemenstraße im Bönener Inlogparc.
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Das Kompetenzzentrum Bio-Security in Bönen soll einen „Nachbarn“ bekommen, den Economy-Campus Unna/Hamm.

Bönen – Der Kohleausstieg hat nicht nur die großen Reviere in Duisburg, Gelsenkirchen und Herne getroffen. Auch der Kreis Unna und die Stadt Hamm haben die Folgen des Strukturwandels mitzutragen. Das Fünf-Standorte-Programm Kohleregionen soll bei der Bewältigung helfen. Von den rund 662 Millionen Euro, die der Bund dafür zur Verfügung stellt, könnte ein großer Teil nach Bönen fließen. Dort soll nämlich der Bio-Economy-Campus Unna/Hamm entstehen. Die Mitglieder des Kreistages haben jetzt zugestimmt, dass Landrat Mario Löhr das Projekt dem Strukturstärkungsrat zur Förderung vorschlagen soll.

Gebaut werden soll der Campus in der direkten Verlängerung des Kompetenzzentrums Bio-Security an der Siemenstraße, auf der Freifläche links neben dem bestehenden Komplex. Geplant sind zwei Gebäude, die vor allem Labore beherbergen. Herzstück soll das Technikum sein, das die wissenschaftliche Arbeit mit den wirtschaftlichen Aspekten verbindet.

Diesen Plan hatten Geschäftsführer Dr. Christian Rose und Prokurist Dr. Oliver Bonkamp von Bio-Security schon lange. Um ihn tatsächlich umzusetzen, fehlten ihnen aber bislang die nötigen Mittel. Geld ist übrigens auch der Grund, der sie zu ihrer Überlegung geführt hat. „Es gibt viele gute Ideen und Projekte in der Wissenschaft, die oft aber nur in Reagenzglasgröße entwickelt werden.

Will ein Forscher damit weitermachen, weil er sieht, wie wichtig seine Arbeit ist, braucht er viel Geld, um damit weiterzumachen“, sagt Oliver Bonkamp. Um nämlich festzustellen, ob eine Entwicklung außerhalb des Probierröhrchens in größeren Dimensionen funktioniert und brauchbar ist, benötigt es unter anderem Mitarbeiter, Labore und Ausrüstung, wie zum Beispiel Fermentierer. Solche Geräte sind immens teuer, für ein Standardmodell rechnet Bonkamp mit rund 300 000 Euro.

Erst forschen, dann gründen

„Wenn ein Forscher aus der Hochschule sich nicht sicher ist, ob sein Projekt funktioniert, scheut er dieses finanzielle Risiko natürlich.“ Mit dem Bio-Economy-Campus könnte dieses Risiko für den Wissenschaftler vermindert werden. Er hätte dort die Möglichkeit, seine Arbeit unter guten technischen Voraussetzungen und mit entsprechender Ausstattung voranzutreiben, ohne dafür Wagnisse eingehen zu müssen.

Investoren aus der Wirtschaft fällt es hingegen leichter, mit ins Projekt einzusteigen, wenn es bereits in einem größeren Umfang untersucht ist. „Die Forscher sollen sich bei uns gründen und dann im Technologiezentrum niederlassen“, wünscht sich der Bio-Security-Prokurist. Dort hat er bereits einige innovative Entwicklungen der Mieter beobachtet und begleitet, gesehen, wie daraus ein wirtschaftlicher Erfolg wurde.

In dem neuen Technikum im Bio-Economy-Campus könnten etwa die teuren Fermentierer den Entwicklern zur Verfügung stehen. Geführt werden sollte dieses von Wissenschaftlern der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL). Die Hochschule sucht gleichfalls schon länger nach einer Möglichkeit, wissenschaftliches Arbeiten in einem entsprechenden Rahmen anbieten zu können.

Neue Arbeitsplätze schaffen

Angedacht ist ein Start in dem „An-Institut“, also in dem dann der Hochschule angliederten Teil, mit zehn Mitarbeitern. Später soll das Team möglichst bis auf 100 Fachkräfte anwachsen. Sie sollen sich um Forschung und Entwicklung vor Ort kümmern und Gründer begleiten, „um Prozesse vom Kleinen ins Große zu bringen“, wie Oliver Bonkamp sagt. Und die sollen dann natürlich in die Unternehmen gebracht werden. Schließlich geht es in dem Förderprogramm darum, den Strukturwandel abzufedern, innovative Wirtschaft zu stärken, ökologische Prozesse im Sinne des Klimaschutzes anzustoßen und letztendlich Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Kreis Unna hat im Herbst 2019 über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) dazu aufgerufen, entsprechende Ideen für das Fünf-Standorte-Programm einzureichen. Bönens Bürgermeister Stephan Rotering machte Rose und Bonkamp darauf aufmerksam, und die fühlten sich sofort angesprochen. „Wir gehen schließlich seit Jahren mit dieser Idee schwanger“, berichtet Oliver Bonkamp. Aber aus eigenen Mitteln ließe sich solch ein Projekt eben nicht stemmen.

Bonkamp geht immerhin von einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 50 bis 55 Millionen Euro aus, und das seien keineswegs nur die reinen Baukosten. „Wissenschaft kostet immer Geld“, bemerkt der Initiator. Er ist sich aber sicher, dass es für eine solche Einrichtung massiven Bedarf gibt, und dass die Arbeit im Campus einen enormen Wert für die ökologisch-wirtschaftliche Entwicklung der Region und darüber hinaus haben wird.

Davon überzeugte er und seine Mitstreiter unter anderem von der Fachhochschule bereits den Rat der Gemeinde und nun die Mitglieder des Kreistages. Lässt sich der Strukturstärkungsrat, der über die Verteilung der Fördersumme entscheidet, überzeugen, könnte bereits im kommenden Herbst der Zuwendungsbescheid eintreffen, hofft Bonkamp. „Die maximale Förderquote liegt bei 90 Prozent. Wenn wir bei etwa 80 Prozent landen, wäre das allerdings schon nicht schlecht.“ Den Rest müsste die Gemeinde Bönen stemmen. Sobald die Finanzierung gesichert ist, soll mit dem Ausschreibungsverfahren begonnen werden. Und das könnte laut Bonkamp bereits Anfang 2022 so weit sein.

Gemeinde wartet auf Projektantrag

Um den finanziellen Anteil der Gemeinde kalkulieren zu können, benötigt Kämmerer Dirk Carbow von der Bönener Verwaltung indes noch genauere Informationen, wie er sagt. „Über die mögliche Realisierung des Projektes befinden sich die Gesellschaft und die Verwaltung im Gespräch. Konkrete Finanzierungsfragen – hinsichtlich Volumen und Verteilung – können erst nach Kenntnis der kompletten Rahmen- und Förderbedingungen besprochen werden.“

Er gibt aber an, dass sich die geschätzten Kosten von 50 bis 55 Millionen Euro auf das Gesamtprojekt beziehen – auf das Technikum und das An-Institut. Letzteres liege jedoch in der Verantwortung der Hochschule Hamm-Lippstadt – auch finanziell. „Das überschlägig kalkulierte Investitionsvolumen für das Technologiezentrum beträgt nach Auskunft der Geschäftsführung der Bio-Security circa 35 bis 40 Millionen Euro“, betont der Gemeindekämmerer. Noch gebe es dafür keinen konkreten Projektantrag, sondern „nur eine formlose Projektskizze“.

Erst wenn die Entscheidung des Strukturstärkungsrates zugunsten des Bio-Economy-Campuses am Standort Bönen ausfällt und alle Bedingungen an die Förderung bekannt sind, müssten vor Ort Beschlüsse bezüglich der Finanzierung gefasst werden – vorausgesetzt, das Projekt soll dann auch umgesetzt werden, so Carbow.

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