Führerscheinverlust wegen vermeintlicher Fahrerflucht

Bönenerin braucht Führerschein für ihren Sohn: Seniorin bestreitet Fahrerflucht und sucht Zeugen

Auf diesen Aldi-Parkplatz sollen sich Unfall und Unfallflucht ereignet haben. Die 84-Jährige und ihre Anwältin bezweifeln, dass sich das Geschehen so abgespielt hat, wie vom vermeintlich Geschädigten angegeben.
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Auf diesen Aldi-Parkplatz sollen sich Unfall und Unfallflucht ereignet haben. Die 84-Jährige und ihre Anwältin bezweifeln, dass sich das Geschehen so abgespielt hat, wie vom vermeintlich Geschädigten angegeben.

Ruth Henschemeier ist verzweifelt. Der Bönenerin droht der Verlust des Führerscheins, weil sie eine Fahrerflucht begangen haben soll. Doch die Fahrerlaubnis den braucht die 84-Jährige dringend, um ihren auf Rollator und Rollstuhl angewiesenen Sohn zu fahren. „Für mich ist das sehr wichtig“, sagt sie. Deshalb sucht sie jetzt eine Zeugin, die ihre Version der Geschichte vor Gericht bestätigt.

Am 8. September hatte die Rentnerin ihren Golf Sportsvan in der Mittagszeit auf dem Behindertenparkplatz des Aldi-Marktes am Marmelinghöfeler Weg abgestellt, um einzukaufen. Als sie aus der Parkbucht zurücksetzte, piepste ihr Abstandsmesser: Sie bremste sofort, der Rollator polterte im Heck. Obwohl sie keinen Kontakt wahrgenommen hatte, stieg Henschemeier aus, um nachzuschauen.

„Eine nette Frau, die da stand, die hat mir gesagt: Sie haben nichts berührt, sie können sofort wieder weiterfahren.“ Diese Worte hat die Bönenerin noch genau im Kopf. Da ihr Sohn am nächsten Tag Geburtstag hatte und noch einen Kuchen gebacken bekommen sollte, vertraute sie der Dame, stieg ein und fuhr ohne weiter nachzuschauen nach Hause.

Die Polizei kommt nur kurze Zeit nach dem vermeintlichen Vorfall

Die Sache schien damit erledigt. Am trauten Heim angekommen, guckte sie sich ihr Auto noch einmal, sah aber nichts. Doch nur kurze Zeit später klingelte die Polizei bei ihr. Die Beamten sprachen vom Verdacht des unerlaubten Entfernens von einem Unfallort, fragten sie, wo sie mittags war, entdeckten wohl kleine Macken, machten Fotos vom Auto und maßen hinten rechts nach. Im Verlauf der nächsten Woche erhielt die Bönenerin einen Brief von der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf lautet Fahrerflucht, verhandelt wird am 28. Januar vor dem Amtsgericht Unna. Henschemeier war am Boden zerstört.

Die Staatsanwaltschaft erstattet in solchen Fälle Anzeige, wenn der Sachschäden eine gewisse Höhe überschritten ist, die Grenze liegt bei 600 Euro. Der Schaden, den der Unfallgegner geltend macht, liegt bedeutend höher. Über 3000 Euro hat die Reparatur gekostet, sagt Henschemeier. Versicherungstechnisch ist bereits alles geregelt.

60 Jahre unfallfrei, doch jetzt droht der Führerscheinverlust

Ärgerlich für die Bönenerin zwar, aber ihr geht es um ihren Führerschein. Den könnte sie für ein Jahr verlieren, sagt ihre Anwältin Angelika Flechsig angesichts der großen Summe, für die Henschemeier übrigens keine Erklärung hat. Angesichts ihres Alters droht ihr sogar der Komplettverlust der Fahrerlaubnis. Für die 84-Jährige ein Desaster: „Für meinen behinderten Sohn brauche ich doch den Führerschein.“

Über 60 Jahre hat sie ihren Führerschein nun schon, unfallfrei, wie sie erzählt, obwohl sie ständig mit dem Auto unterwegs ist. „Ich bin sogar schon durch Paris gefahren. Ich denke, dass ich Auto fahren kann“, sagt sie. Und wenn sie tatsächlich mitbekommen hätte, den anderen Wagen berührt zu haben, hätte sie das auch zugegeben und am Aldi-Markt gewartet.

Bei dem Mann, dem das mutmaßlich beschädigte Auto gehörte, hat sie sich auch entschuldigt. Gesehen hat sie den Wagen nicht. Als sie zu ihm fuhr, war das Gefährt unterwegs gewesen, als er bei ihr war, kam er mit einem anderen Fahrzeug.

Zeugen gesucht

Nun hofft Henschemeier, dass sich noch ein Zeuge findet, der gesehen hat, wie ihr Auto geparkt war, oder die Dame, die den Vorfall am 8. September beobachtet hat, sich bei ihr (Telefon 7124) oder bei der Polizei meldet.

„Bitte, bitte melden Sie sich. Es wäre so wichtig“, bittet die Bönenerin, die zudem wie ihre Anwältin Zweifel äußert, dass sich der mögliche Unfall so wie beschrieben auch ereignet hat. Auch der Schaden ist für Henschemeier zu groß, „um ihn nicht bemerkt zu haben“.

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