Termine bei Frisören schon stark nachgefragt

+
Die lange Wartezeit geht zu Ende: Am 4. Mai machen die Frisöre wieder auf. Beim Haarstudio Kuckhoff ist die Vorfreude groß.

Bönen – Haare wachsen auch während der Corona-Pandemie. Noch sind die Läden allerdings geschlossen und so leer und dunkel, wie sonst nur an Montagen. Viele Kunden sehnen den 4. Mai herbei, an dem die Frisörsalons in Nordrhein-Westfalen wieder öffnen dürfen. Bis dahin kümmern sich die Bönener Frisöre darum, wie sie die Schutzmaßnahmen umsetzen, die ihnen die Landesregierung vorgegeben hat, um eine Ausbreitung des Corona-Virus im laufenden Betrieb zu verhindern und versuchen die Terminanfragen zu koordinieren.

„Wir vermissen euch. Ab dem 04.05. sind wir wieder für euch da“, hängt im Fenster des Haarstudios Kuckhoff ein Plakat. Den Kunden wird es ähnlich gehen, nach über einem Monat ohne Frisur ist wohl jeder Schnitt raus und auf den Eigenversuch werden es die meisten nicht ankommen lassen – Youtube-Erklär-Video hin oder her. Auch Ute Sroka, Inhaberin von „Ute´s Frisörteam“ an der Bahnhofstraße, kann es kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Nach vier Wochen jucken sprichwörtlich die Finger, erzählt sie.

"Die erste Woche ist schon fast voll"

Schon seitdem der Wiedereröffnungstermin feststeht, gehen bei Sroka die Anrufe ein. „Die erste Woche ist schon fast voll“, sagt sie. Dabei macht sie am 4. Mai, einem Montag – entgegen der Gewohnheiten – ihren Laden auf. „Um das Ganze zu entzerren“, sagt sie: „Wir haben ja nur drei Plätze.“ Sonst sind es fünf Stühle, doch in Corona-Zeiten gelten wie überall Sonderregelungen (siehe Kasten).

Auch bei „Susanne’s und Mario’s Haarstudio“ an der Dürerstraße klingelt das Telefon häufig. „Die erste Woche ist schon gut gefüllt“, bestätigt Sandra Filler, die Frau von Mario. Ursprünglich hatte die Familie gehofft, dass schon nach den Osterferien wieder geöffnet werden könnte und für diese Zeit bereits Termine ausgemacht.

Lösungen für die Terminvergabe werden gesucht

Für „Salon Schulte Susanne & Team“ ist die Terminvergabe Neuland. Im Laden in der Fußgängerzone und den sieben weiteren Filialen im Hammer Stadtgebiet arbeiten „wir eigentlich grundsätzlich ohne Termin“, erzählt Geschäftsführerin Sandra Talar: „Das werden wir natürlich ändern, sonst kommen hinterher zehn Kunden auf einmal.“ Derzeit wird noch das Vorgehen besprochen, ab nächster Woche wollen die Filialen aber erreichbar sein. „Susanne & Team“ werden per Facebook, auf der Homepage und an den Ladenfenstern informieren, kündigt Talar an.

„Kleins Haarmoden“ hat im Geschäft an der Bahnhofstraße ein Plakat aufgehangen, auf dem steht, dass Donnerstag, 30. April, als Tag zur telefonischen Terminvereinbarung vorgesehen ist. Bis dahin soll ein Plan zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln erarbeitet sein, heißt es. Filler weist daraufhin, dass die Standards in der Branche in dieser Richtung ohnehin hoch seien. „Wir sind ein Hygiene-Beruf.“

Abstand und Einwegmaterialien

Dennoch steht an oberster Stelle die Sicherheit. Die empfohlenen 1,5 Meter Abstand können Frisöre zum Kunden nicht einhalten, wenn sie mit ihrer Schere hantieren. Deshalb ist ein Mundschutz für Beschäftigte wie auch für die Kunden Pflicht. Dazu sind Einwegumhänge und -handschuhe sowie Desinfektionsmittel vorgeschrieben. „Wir sind froh, dass es jetzt gesetzlich Pflicht ist“, sagt Sandra Filler. Auch ohne den Erlass der Landesregierung wäre nur mit Mundschutz geöffnet worden. OP-Masken sind bestellt.

Die Beschaffung der Sachen macht aber durchaus Probleme. Denn wie in anderen Bereichen gibt es durch eine erhöhte Nachfrage Lieferengpässe. „Schutzmasken sind bestellt, und wir haben auf jeden Fall auch welche aus Stoff“, sagte Ute Sroka. Bei den Umhängen, die im Geschäft bislang schon benutzt wurden, habe sie Nachschub geordert. Der Vertreter habe sie jedoch vorerst vertröstet. Rund drei Wochen reiche der Vorrat noch.

Auch Sandra Talar kümmert sich derzeit um den Schutz ihre Kunden und Mitarbeiterinnen. „Ein paar Sachen haben wir schon, auf andere warten wir noch.“ In den acht Filialen wird bei der Wiedereröffnung auf Einmalhandtücher zurückgegriffen. „Wir haben nicht in jedem Salon eine Waschmaschine, sondern eine zentrale Station“, erklärt sie. Die Menge, die da pro Tag zusammenkomme, sei nicht zu bewältigen. Zudem werden Flächen abgeklebt, damit die Kunden sich nicht zu nahe kommen. Zwischen den genutzten Frisörstühlen wird jeweils einer frei bleiben.

Obermeister Björn Barthold rechnet mit einen komplett veränderten Logistik bei den Frisören.

Logistik wie in der Industrie

„Das wird unsere tägliche Arbeit sehr verändern“, sagt Björn Barthold, Obermeister der Friseurinnung Unna, zu den Flächenbegrenzungen oder Vorschriften, dass zum Beispiel vor jedem Schnitt die Haare gewaschen werden müssen und Termine nur per Telefon vereinbart werden dürfen. „Uns erwartet eine komplett andere Logistik. Es wird wie in der Industrie, alles ‘Just in Time’.“ Warten soll beim Frisör niemand mehr. Selbst mit dem alltäglichen und beim Frisör so beliebten Smalltalk sollen sich die Beschäftigten zurückhalten. „Wir sind aufgefordert, so wenig wie möglich mit den Kunden zu kommunizieren“, erklärt er.

Fillers haben wegen der Maßnahmen ein wenig umgebaut, unter anderem nicht benötigte Stühle in die Garage gestellt, um mehr Platz zu schaffen. Bei Ute Sroka waren die Fenster mit Zeitung abgeklebt. „Wir haben gestrichen und einige Sachen renoviert. Man hat ja jetzt die Zeit“, sagt sie. Außerdem war sie gleich zur Eröffnung am Mittwochmorgen bei Ikea, um für ihren Laden einzukaufen. Die Zwangspause wurde also effektiv genutzt.

Frisörbesuch wird wohl teurer

„Ich glaube, dass wir gute Lösungen gefunden haben und hoffe, dass wir es hinkriegen, dass die Zahlen unten bleiben“, wäre für ihn eine Zurücknahme der Lockerungen für die Branche verheerend. Barthold wirbt um Verständnis, wenn die Läden ihre Preise anheben müssten. „Der Kunde sollte damit rechnen, dass die Dienstleistungen etwas mehr kosten werden.“ Grund sei zum einen der größere Aufwand, zum anderen werden Dinge wie die Farbe nach Gramm berechnet – und davon müsse jetzt mehr verwendet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare