Frauen der Pfarrei Sankt Barbara zeigen ihre Solidarität beim Streik Maria 2.0

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21 Frauen aus Bönen und Heeren fuhren am Freitag gemeinsam nach Münster.

Bönen – „Wir wollen unseren Platz in der Kirche, und wir wollen wahrgenommen werden“, sagt Gemeindereferentin Martina Dinslage, die am Freitag zum Abschluss der Aktion Maria 2.0 mit 21 Frauen aus der katholischen Pfarrei Sankt Barbara Bönen und Heeren in Münster an der abschließenden Demonstration vor der Heilig-Kreuz-Kirche teilnahm. Dort forderten rund 120 Frauen eine Erneuerung der katholischen Kirche und den Zugang für Frauen zu allen allen kirchlichen Ämtern.

Die Frauen aus Bönen und Heeren wollten Solidarität beweisen mit den Zielen der Initiatorinnen der Bewegung Maria 2.0 und fuhren am Freitag von Heeren nach Münster. Es waren mehr Frauen als ursprünglich geplant. „Leider waren wenig jüngere Frauen dabei, weil die noch arbeiten mussten am Freitagnachmittag“, bedauert Martina Dinslage. Dabei gehe es ja vor allem um die jüngeren Frauen und deren Platz künftig in der katholischen Kirche. 

„Wir werden durchaus gehört; da hat sich schon viel geändert in der Diözese Paderborn“, räumt Martina Dinslage ein. Aber es sei eben auch noch viel Luft nach oben, wenn es darum geht, Frauen den Männern gleichzustellen, und ihnen den Weg frei zu machen für Diakonat und Priesteramt. „Die Diskussion wird oft auf das Thema Missbrauch in der Kirche reduziert. Das war sicher der Auslöser für die Aktion Maria 2.0. Aber auch die Traurigkeit darüber, dass Frauen einfach von Leitungsfunktionen ausgeschlossen werden und oft nicht mitreden dürfen.“

Diakonat bislang für Frauen verschlossen

Die Basis sei da schon weiter. „Mich sprechen immer wieder Leute an: ,Das Sakrament der Taufe und das Ehesakrament kannst du doch auch spenden’“. Aber das ist Diakonen vorbehalten – bisher ein reines Männeramt in der Kirche. „Es wäre ein Zeichen dafür, dass sich in unserer Kirche etwas bewegt, wenn das Diakonat für Frauen geöffnet würde.“ 

Aber davon scheint der Vatikan noch weit entfernt zu sein. Zwei Jahre habe man in Rom darüber diskutiert, berichtet Dinslage, aber das Diakonat der Frau stehe schon wieder in Frage, denn Papst Franziskus ließ verlauten, dass er noch nicht sehe, dass das auf den Weg kommt. „So eine Entscheidung gilt dann gleich weltweit, also auch für andere Kontinente, die sich damit vielleicht noch schwer tun“, sagt die Gemeindereferentin. „Die katholische Kirche ist eben eine riesige weltweite Organisation, das macht es so schwer. 

Dennoch: Eine Öffnung für Frauen wäre mein Wunschtraum.“ An der Basis würden die Frauen und ihre Arbeit geschätzt, berichtet sie von ihren Erfahrungen vor Ort. „Auch Pfarrer Benno Heimbrodt unterstützt die Sache der Frauen innerhalb der Kirche und hat uns ermutigt nach Münster zu fahren.“ 

Problem ist der allgemeine Glaubensschwund

Könnte der Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern den Priestermangel ausgleichen? „Ich weiß es nicht“, gibt Martina Dinslage zu. „Der Priestermangel hat, glaube ich, nicht in erster Linie mit dem Zölibat zu tun. Wir finden ja auch keine Gemeindereferenten. Und in der evangelischen Kirche gibt es auch Probleme, Pastöre zu finden, obwohl die heiraten dürfen.“ Das Problem liege eher im allgemeinen Glaubensschwund – deshalb sei eine Öffnung der Kirche umso wichtiger, findet Martina Dinslage. „In Münster hing ein Plakat vor der Heilig-Kreuz-Kirche, das unsere Situation perfekt wider gibt: Eine Frau trägt die Kirche auf Händen und küsst sie wach.“ 

Ein Bild, das für die Bewegung Maria 2.0 steht, ist die Ikone der Maria mit dem Pflaster auf dem Mund, das in Münster überall präsent war. „Ich finde, das macht es deutlich“, sagt Martina Dinslage: „Wir sind in der Kirche, wir arbeiten gerne mit, aber wir müssen schweigen – das ist doch nicht richtig. Wir wollen in der Kirche bleiben und wir wollen unseren Platz. Wir sind viele Frauen, die die Kirche an der Basis tragen.“

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