Katalog für verbindliche Standards in Bönen vorgelegt

SPD: Bönens Flüchtlingsheime besser ausstatten, mehr Betreuung für die Bewohner

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Einer von drei Standorten, an denen die Gemeinde Flüchtlinge in größerer Zahl unterbringt, sind diese Häuser am Nordkamp. 

Bönen  - Die Zustände in Bönens Flüchtlingsquartieren sind der SPD weiter ein Dorn im Auge. Die Fraktion fordert klare Standards: 

Mit einer konkreten Ausstattungsliste als Ratsantrag will die SPD-Fraktion die zu Jahresbeginn erst emotional gestartete, dann aber unter dem Corona-Einfluss mehr oder weniger im Sande verlaufene Diskussion um verbindliche Standards in den Flüchtlingsquartieren der Gemeinde zu einem Ergebnis führen. Der Ausschuss für Familie, Sport und Kultur des noch amtierenden Rates soll sich nach der Kommunalwahl, am Donnerstag, 24. September, erstmals damit befassen, wie die Verwaltung mitteilt. Eine weitere Erörterung wäre dann Aufgabe des neuen Rates nach der Konstituierung im Oktober.

Konsequenz der Besichtigung mit dem Rat

Der Antrag sei in Konsequenz der Besichtigung der Unterkunft am Billy-Montigny-Platz im Februar von einem fraktionellen Arbeitskreis erstellt worden, erläuterte der Fraktionsvorsitzende Dirk Lampersbach auf Anfrage. Beschwerden über unzumutbare Zustände hatten die Fraktionen und die Verwaltung in das Quartier geführt. Ernste Mängel offenbarten sich bei dieser Gelegenheit aber nicht. Im Nachgang sollte sich der Fachausschuss im März mit der Frage beschäftigen, welche Ausstattung der Quartiere im Mindesten den Bedürfnissen der Bewohner wie auch den Ansätzen gelingender Integration genügt. Faktisch blieb es dabei, dass die Verwaltung darlegte, was sie als Grundausstattung ansieht und wie die allgemeine Verfahrensweise bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen aussieht.

"Grundlage für die Diskussion schaffen"

Der SPD genügt die gängige Praxis nicht. „Wir wollen mit dem Antrag in die Diskussion einsteigen und eine Grundlage schaffen“, so der Fraktionschef. Die Verständigung über die sachliche Ausstattung vom Stuhl, über den Kühlschrank bis zum Geschirrtuch – nichts, was man nicht als selbstverständlich erachten würde – sei ein erster Schritt. Des Weiteren sei ein umfassenderes Konzept über Leitlinien des Umgangs und der Integration vorstellbar, wie es Initiativen vormachen, bei denen sich die Genossen informiert haben. Beispielsweise die Bundesinitiative „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ und die „Frauenhauskoordinierung“; letztere auch in Bezug auf den Schutz Schwächerer vor Gewalt in den Heimen. 

Helfer und Gäste beklagen schlechte Zustände

Helfer der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit und Besucher der Wohnheime berichten, dass sich die praktischen Lebensverhältnisse der Bewohner teils deutlich von den theoretischen Beschreibungen der Verwaltung unterschieden. Mal fehle Haushaltsausstattung, Möbel seien defekt oder unbrauchbar, Küchengeräte verdreckt. An Privatssphäre sei in den Sammelunterkünften kaum zu denken. Wer beispielsweise für Kurse oder seine Ausbildung lernen wolle, finde oft nicht die nötige Ruhe. Zudem fehle der Mittler, um solche Probleme mit den Bewohnern auch eigenverantwortlich anzugehen. Mit Repression allein, etwa die Schließung verdreckter WCs, sei keine Verbesserung möglich.

Erneuter Ruf nach einem Sozialarbeiter

„Wir wollen die Heime nicht nur verwalten, sondern die Menschen begleiten. Das erfordert die Betreuung durch einen Sozialarbeiter“, bekräftigte Lampersbach eine alte Forderung der SPD. Die Bemühungen, eine Fachkraft mit dieser Qualifikation zu gewinnen, sind bekanntlich gescheitert. Als Mann der Praxis mit eigener Migrationsgeschichte kümmert sich Khaled Abdulaal als Integrationsbeauftragter um einen Teil dieser Aufgaben. „Wir sehen hier weiteren Handlungsbedarf“, so Lampersbach. „Es geht hier um mehr, als wir letztendlich bekommen haben.“

Lampersbach: Voraussetzung der Integration

Anders als der Begriff Notunterkunft vermuten lässt, lebten Flüchtlinge teils über Jahre darin. Damit sie nach dem Überlebenskampf daheim und auf der Flucht mit der neuen Kultur und dem Leben hier zügig vertraut werden, müsse frühzeitig mehr geschehen, als sie notdürftig unterzubringen. Lampersbach: „Wir müssen sie begleiten und informieren, nur so können die Menschen sich in Bönen integrieren.“

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