Durchforstung

Förster: 70 Prozent aller Bäume im Mergelbergwald sind krank

Mergelbergwald Bönen
+
Die kahlen Kronen zeigen, dass die Bäume den Kampf gegen den Klimawandel schon verloren haben.

Im Mergelbergwald in Bönen gehen die bereits im vergangenen Jahr begonnen Arbeiten weiter. Die Expertenmeinung ist klar: Der Wald ist krank.

Bönen – Dem Mergelbergwald geht es nicht gut. Im vergangenen Dezember mussten reihenweise Pappeln gefällt werden, die schwer erkrankt waren und damit zur Gefahr für Fußgänger wurden. Der Abtransport hatte sich dann aber verzögert, nachdem Unbekannte den Bagger beschädigt hatten.

„Abtransport und Reparatur haben lange gedauert und waren sehr teuer“, ärgert sich Revierleiter Oliver Stenzel-Franken vom Regionalverband Ruhr (RVR) noch heute. Die dann folgende anhaltende Nässe und zuletzt die Brut- und Setzzeit der Wildtiere hätten den Abschluss der Arbeiten weiter verzögert.

Tote Bäume sind wichtiger Lebensraum für Insekten

Die Entwicklung des Waldes seitdem hat Stenzel-Franken aber im Auge behalten. Einige weitere Bäume sähen sehr schlecht aus und stünden auch noch an Wegen, sodass sie schnell gefällt werden müssten.

Bei denen, die freistehen, besteht diese Notwendigkeit nicht. Sie dürfen dort bleiben und auch verrotten. Das sei vor allem bei Buchen kein Problem, weil diese Bäume in sich zusammenfallen und lange wertvolle Nahrung für Insekten und Pilze bieten, so der Förster. Außerdem böten sie wichtige Nistplätze.

Revierförster Oliver Stenzel-Franken vom RVR hat sich jetzt zusammen mit Hund Fiete ein Bild von der Situation im Mergelbergwald gemacht.

Nur bei manchen, auch für Menschen gefährlichen Erkrankungen – wie der Rußrindenkrankheit – wird das Holz aus dem Wald entfernt und als Sondermüll entsorgt. In Bönen bestehe das Risiko aber derzeit nicht. Trotzdem haben die letzten drei Sommer auch dem hiesigen Wald massiv geschadet. Der Revierleiter schätzt, dass 70 Prozent aller Bäume erkrankt sind, darunter vor allem Buchen und Eichen. Auch der Ahorn bereitet ihm Sorgen. „Es ist schon dramatisch.“

Auswirkungen auf Holzpreise

Nach dem Abtransport der Holzstämme in dieser Woche gibt es im Mergelbergwald keine Pappeln mehr. Das allein sei aber kein Problem, so der Förster. Die Bäume hatten etwa ein Alter von 60 Jahren und sind gezielt zur Holzgewinnung angepflanzt worden. Dass sie allesamt krank waren, kann auch daran liegen, dass der Standort nicht geeignet ist. Während im Winter die freigewordenen Flächen noch kahl aussahen, wachsen jetzt dort neue Bäume. Vor allem junge Eichen sind darunter, die die Lücken schließen, wenn alles gut geht. Nur wenn es dort Probleme gibt, will der Förster eingreifen und gezielt Bäume pflanzen.

Dass sich heimische Baumarten an die sich verändernden klimatischen Bedingungen anpassen, hält der Förster nur in Grenzen für möglich, denn dafür brauchen Bäume rund 1000 Jahre. Baumarten, die höhere Temperaturen und wenig Niederschlag dauerhaft aushalten, stammen aus anderen Klimazonen und damit auch aus einem anderen Ökosystem.

Das Sterben der Bäume hat daher weitreichende Folgen, die sich jetzt schon bei den stark steigenden Holzpreisen zeigen. Langfristig ziehen damit auch die Preise für alles an, was aus Holz hergestellt wird. Ob es angesichts dieser Entwicklung unbedingt sein muss, viel Papier zu verbrauchen oder neue Möbel zu kaufen, hält Stenzel-Franken für sehr fraglich und appelliert zu verantwortungsbewusstem Konsum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare