Förderturm für zuhause: Das Wahrzeichen ist jetzt virtuell erlebbar

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Peter Pothmann erkundet den Zechenturm derzeit mit einer 360-Grad-Kamera. Er will, dass der Turm in Zukunft auch von Zuhause aus erfahrbar wird.

Bönen – Veranstaltungen sind abgesagt, Turmführungen durch Mitglieder des Fördervereins gibt es momentan ebenso wenig. Der Förderturm Königsborn III/IV steht einsam in der Gegend, ist weithin zu sehen, aber nicht zu besichtigen. Jetzt ist das Wahrzeichen virtuell erfahrbar.

Wie kann man die Neugier der Vorbeifahrer befriedigen, fragte sich Peter Pothmann, der in der Bürgerstiftung aktiv ist. Und als Mediengestalter weiß er auch, wie man richtig wirbt. Die Idee: Das Bönener Wahrzeichen virtuell erfahrbar machen. 

Zunächst über 360 Grad Panoramabilder und später einmal per Film. „Das ist aber gar nicht so einfach“, erklärt Pothmann. Der Film „Ein Kumpeltag mit Andy“ inspirierte den Bönener. „Das war ja die Welt Untertage, ich setze das jetzt Übertage fort.“ 

Die Bürgerstiftung zeigte den WDR-Film im vergangenen Jahr zum Tag des Denkmals über die neu angeschafften Virtual Reality (VR)-Brillen. Der beeindruckende, räumliche Einblick in die Welt unter Tage faszinierte viele Besucher.

 „Wie die Brillen konnten wir mit dem Heimatscheck des Ministeriums von Ina Scharrenbach auch eine GoPro Fusion anschaffen“, kommt Pothmann auf die Umsetzung seiner Idee zu sprechen. Die kleine Kamera besteht eigentlich aus zweien mit zwei Speicherkarten. Jede „Kamera“ nimmt zeitgleich entgegengesetzte 180 Grad Perspektiven auf. 

Die kleine Kamera wurde mit Fördergeldern des Heimatministeriums angeschafft.

„Die beiden Halbbilder werden zusammengerechnet, gerendert, und ergeben dann eine Rundumsicht.“ Simpel scheint das, ist es aber nur in der Theorie. Auf freier Fläche des Alfred-Fischer-Platzes gelingt die Umsetzung problemlos. Es sind auch keine Hindernisse im Weg. Die Schachthalle ist auch schon abgebildet. „Da war es dann schon schwieriger, aber wegen des spärlichen Lichts“, sagt Pothmann. 

Sein Versuch, den Nachtmodus der Kamera zu nutzen, brachte nicht den gewünschten Erfolg. „Viel einstellen kann man an der Kamera ohnehin nicht“, bemerkt Pothmann. Einen Monitor, der die Ergebnisse der Aufnahmen sofort vor Augen führt, besitzt die Kamera ebenfalls nicht. „Das ist dann der Überraschungseffekt. Man weiß nie, was drauf ist“, sagt der Bönener. 

Hindernisse im Turm überwinden

Er weigert sich, einen Laptop mit in den Turm zu nehmen. Er fotografiert ausschließlich mit Hilfe seiner Vorstellungskraft, sieht dann erst zuhause, ob es passt. Und Pothmann experimentiert gerne. Das ist im Inneren des Turms auch zwingend. Je weiter man nach oben kommt, desto mehr ist nämlich im Weg. Auf der Zwölf-Meter-Ebene zum Beispiel die Generatoren. „Aber ich habe mir überlegt, ich befestige die Kamera an diesem Kranhaken“, hat der Fotograf eine Lösung parat. Dann haben die Linsen freies Schussfeld. 

Auf die Leiter steigen, funktioniert nicht. Dann ist der Fotograf selbst in Teilen auf dem Bild. Ausgelöst wird sowieso per Fernbedienung. „Bei homogenen Hintergründen kann ich retuschieren“, erklärt der Werbefachmann. Besser sei aber, Hindernisse sind erst gar nicht im Bild.

Schwieriger wird es dann im Schachtgerüst nebenan. Die Stahlträger erheben sich majestätisch bis in 45 Meter Höhe. Beeindruckend. Dumm nur, dass der Käfig für das Förderseil mitten im Raum steht. „Man steht immer irgendwo dazwischen. Man müsste die Kamera in der Mitte von oben herablassen, am besten an unsichtbaren Nylonfäden und sie drehen“, überlegt Pothmann laut. 

Hinter den Aufnahmen steckt viel technische Arbeit. Am Rechner werden die Aufnahmen bearbeitet und für die Ansicht im Internet aufbereitet.

Die Aktion will er aber gemeinsam mit seinem Sohn Felix Steigmeier in Angriff nehmen. Der habe überhaupt kein Problem mit Höhe. Leider sei er als Heimarbeiter in Zeiten von Corona gerade bei der Freundin in Leipzig. Die Zeiten werden sich ändern, und Zeit braucht das Projekt der filmischen Erfassung des Förderturms sowieso. „Ich überlege, den Gang über die Stahltreppe zu filmen“, denkt Pothmann über die Zeit nach den Panoramabildern nach. Das wäre wegen des offenen Raums spektakulär. 

„3D-Aufnahmen sind alles andere als banal“, sagt er. „Ein Kumpeltag mit Andy, den wir hier im Turm gezeigt haben, war nämlich die abgespeckte Version.“ Der WDR hätte auch eine wesentlich aufwendigere. Die Zuschauer saßen damals am Tag des Denkmals mit den VR-Brillen auf dem Kopf. Das Bild zeigte dann die Szene in Blickrichtung, der Film fuhr eine Strecke ab. 

3D-Welten haben viel mit Rechenleistung zu tun

Wolle man sich richtig durch den Turm bewegen, bräuchte es Sensoren und viel, viel Rechenleistung. „3D-Welten haben viel mit EDV und Rechenleistung zu tun“, erklärt Pothmann. Fünf Ansichten hat er inzwischen auf die Homepage der Stiftung gestellt. Und inzwischen ist er auch das imposante Treppenhaus mit der Kamera abgegangen. 

„Es ist spannend, das in Virtual Reality als Film zu sehen“, meint er zum spontanen Versuch. Und Pothmann stellt klar, dass die 3D-Bilder und Filme nicht die klassischen Führungen ersetzen sollen. 

Internet Die bisherigen 360-Grad-Bilder sind unter www.foerderturm-boenen.de/360-grad/ zu finden.

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