Förderprogramm „Be(e) friendly

Grün statt Steine: Bönener Familie verwandelt ihren Vorgarten in eine Oase für Bienen und Co

Vorgarten, Stauden Bönen  Manel Wladyka, RVR Projektleiter Tino Wenning, Sophie Wladyka und Katrin Hofma
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Wirklich gelungen finden Manel Wladyka (links), RVR-Projektleiter Tino Wenning, Sophie Wladyka und Katrin Hofma von der Gemeindeverwaltung die Verwandlung des Vorgartens von einer Steinwüste in ein insektenfreundliches Staudenbeet.

Beim Gang durch Bönen fallen immer häufiger Vorgärten mit Kies und Steinen auf. Besonders insektenfreundlich sind solche Brachflächen nicht. Das Förderprojekt „Be(e) friendly“ soll dafür sorgen, dass die Gemeinde grüner wird. Familie Wladyka hat das jetzt ausprobiert und an dem Förderprogramm teilgenommen.

Bönen – Bienenfreundlich, frei „bee friendly“ übersetzt, sollten möglichst viele Flächen in Bönen sein. Die Realität sieht leider ganz anders aus. Seit Jahren werden immer mehr Vorgärten mit Kies und Schotter zugeschüttet, Rasen durch Pflaster und Asphalt ersetzt. Das hat fatale Folgen für das Klima und die Artenvielfalt. Insekten sterben und die Temperaturen in den Siedlungen steigen. Es wird also höchste Zeit, etwas zu ändern – am besten vor der eigenen Haustür. Familie Wladyka hat das bereits umgesetzt, mithilfe des Förderprogramms „Be(e) friendly – dein Beitrag zu einem grünen Bönen“.

Als die Wladykas vor fünf Jahren in die Doppelhaushälfte an der Florianstraße einzogen, gab es jede Menge zu tun. Das in die Jahre gekommene Gebäude musste von Grund auf saniert werden. Und so steckten Manel und Slawomir Wladyka fast ihre gesamte Freizeit in das Projekt „eigenes Haus“. Das war die Pflicht, für die Kür, einen ansprechenden Vorgarten zu gestalten, blieb da wenig Zeit.

Vorgefunden hatte die Familie dort eine öde Brachfläche mit einzelnen Gräsern und jeder Menge Unkraut. „Da war der Wunsch, etwas Pflegeleichtes zu schaffen“, erzählt Manel Wladyka. Kurzerhand wurde der Boden mit Vlies abgedeckt – Kies, Schotter und Steine in einem symmetrischen Muster angeordnet. Ein Topf mit einer Grünpflanze war das einzig Lebendige im Vorgarten der Wladykas.

So kahl sah der Vorgarten der Familie Wladyka vorher aus.

Wirklich schön fanden die diesen Schottergarten aber nicht. „Ich mag Pflanzen sehr gerne, bin aber keine Botanikerin“, sagt Manel Wladyka. Welche Staude zu welchen Sträuchern passt, was wann und wie blüht – mit all diesen Dingen hat sie sich kaum beschäftigt. Das Thema Nachhaltigkeit ist ihr hingegen wichtig. „Wir versuchen, Plastikmüll zu vermeiden, nehmen statt des Autos häufig das Fahrrad“, erzählt sie. „Wir leben den Nachhaltigkeitsgedanken bereits in unserem Alltag.“

Im Vorgarten können sich jetzt Insekten und Vögel tummeln

Den Vorgarten so anzulegen, dass sich dort wieder Tiere wie Insekten und Vögel tummeln können und zugleich etwas gegen den Klimawandel zu tun, war ihr und ihrem Mann daher durchaus wichtig. Das Förderprogramm „Be(e) friendly“ kam für sie gerade recht. Nach ersten Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung holte sich das Paar Angebote von einem Landschaftsgärtner ein. „Es war natürlich toll, sich von einem professionellen Gärtner beraten zu lassen. Wir konnten unsere Vorstellungen angeben, und er hat die Vorschläge der Gemeinde bei der Pflanzenauswahl berücksichtigt“, berichtet Manel Wladyka.

Ein zweites Angebot bekam die die Familie von einem Dachdecker, denn nun sollte auch ihre Garage ein grünes Dach bekommen. Beide Angebote reichten die Wladykas im Juli bei der Verwaltung ein. Während sich die Umgestaltung des Vorgartens auf unter 2000 Euro belief, kostete die Dachbegrünung 6200 Euro. Beide Summen wurden komplett von der Gemeinde aus dem Fördertopf übernommen. Lediglich die grünen Sandsteine, mit denen die Familie ihren Vorgarten eingefasst hat, musste sie selber bezahlen.

Stauden und Kräuter fürs Garagendach

Zuerst begutachtete ein Statiker das 30 Quadratmeter große Garagendach an der Florianstraße. Tatsächlich musste der Dachrand erhöht und als Attika ausgebildet werden, damit es sich für eine Bepflanzung eignet. Außerdem wurde ein Ablauf verlegt. Als „Begrünungspaket“ wählte der Experte eine „Leicht“-Variante, sodass das Gewicht lediglich 70 Kilogramm pro Quadratmeter beträgt. Der Dachaufbau ist nun etwa zwölf bis 14 Zentimeter hoch und besteht aus einer wurzelfesten Abdichtung, einer Wasserspeicherplatte, einem Vlies, einem Substratgemisch aus Lava, Blähschiefer, Bims und organischen Substanzen.

Einige Tage später lieferte ein Fachbetrieb 440 Flachballenstauden und Dünger an, die auf das Garagendach aufgebracht wurden. Die kleinen Sedumpflänzchen setzte Slawomir Wladyka selbst in das Substrat.

Anschließend rückten die Gärtner an, um Kies und Schotter vor dem Haus zu beseitigen und dort auf etwa 25 Quadratmetern verschiedene Stauden wie Glockenblume, Sonnenhut, Taglilien und Phlox zu setzen, außerdem Kräuter wie Salbei, Lavendel und Thymian sowie Sommerflieder und Schneeball als Sträucher. Damit sollte künftig für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge ein ordentliches Futterangebot vorhanden sein.

Sophie und Manel Wladyka sind gespannt darauf, wie sich das Garagendach entwickelt. Durch die Bepflanzung wurden 30 zusätzliche Quadratmeter Grünfläche geschaffen

„Für mich war das ein toller Vorher-Nachher-Effekt“, erzählt Manel Wladyka. Morgens, als die Bönenerin ihr Haus verließ, um zur Arbeit zu fahren, war noch alles grau, bei ihrer Rückkehr am Nachmittag grün. Und auch Tochter Sophie freut sich über die Veränderung. Sie will im kommenden Jahr vor allem die fliegenden und summenden Besucher beobachten. „Das ist eine absolute Win-win-Situation“, stellt Manel Wladyka fest. Die Maßnahme steigert nicht nur den Wert des Hauses und ihre eigene Lebensqualität, sondern leistet auch einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz.

Zufrieden mit der Umsetzung eines der ersten Projekte im Rahmen des Förderprogramms sind zudem Katrin Hofma und Maximilian Drexler von der Gemeindeverwaltung sowie Projektleiter Tino Wenning vom Regionalverband Ruhr (RVR). Der Verband ist federführend für die Offensive Grüne Infrastruktur 2030 zuständig. 27 verschiedene Maßnahmen, die vom Land gefördert werden, sind in deren Rahmen inzwischen angelaufen, das Bönener Programm ist eine davon.

„Wir erhoffen uns einen Nachahmungseffekt“

„Das Thema Schottergärten begleitet Bönen ja schon länger“, erklärt Katrin Hofma vom Fachteam Planen und Bauen bei der Gemeinde. Sie selbst hat dazu schon einige Satzungen und Vorgaben bearbeitet. „Wir haben uns überlegt, was man wirksam umsetzen kann und sind dann mehr zur Förderung übergegangen“, erzählt die Stadt- und Regionalplanerin. Sie und ihre Kollegen hoffen, dass sich dadurch mehr Menschen angesprochen fühlen, ihre Vorgärten, Dächer und Fassaden zu begrünen. Das gute Beispiel der Wladykas kann dazu beitragen. „Wir erhoffen uns einen Nachahmeffekt“, sagt die studierte Wirtschaftsgeografin.

Zurzeit liegen 33 Förderanträge in ihrem Büro im Bönener Rathaus, 27 Dächer und zwei Fassaden sollen begrünt, vier Vorgärten umgestaltet werden. 13 Vorhaben sind dabei bereits umgesetzt – einschließlich der Umgestaltung bei Familie Wladyka. „Damit begrünen wir 1267 Quadratmeter, und das ist doch schon mal ein Fortschritt“, so Katrin Hofma.

77 077,54 Euro Fördermittel hat die Gemeinde mittlerweile zugesagt, mehr als die Hälfte des Geldes, das das Land für die Maßnahmen in Bönen in diesem Jahr zur Verfügung stellt.

Hier kann der Antrag gestellt werden

Interessierte Bönener können noch bis zum 28. Februar 2021 Anträge zum Förderprogramm „Be(e) friendly“ stellen. Informationen dazu und den Antrag selbst finden sie auf der Internetseite www.boenen.de.

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