Uwe Flunkert von der Bönener Verwaltung blickt zurück

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Das ehemalige Zechengelände wurde umfassend saniert.

Bönen - Die Kohle hat die Gemeinde groß gemacht. Der Bergbau hat Bönen allerdings auch ein schweres Erbe hinterlassen. Schadstoffe und Schwermetalle belasten heute noch Boden und Grundwasser im Bereich der ehemaligen Zeche. Und so gab es viel zu tun, als Uwe Flunkert am 1. Januar 1992 – also mehr als zehn Jahre nach der Zechenschließung – seinen Dienst bei der Gemeindeverwaltung antrat. Am Dienstag saß der Diplom-Geograf nun zum letzten Mal an seinem Schreibtisch im Bönener Rathaus. Am 1. August geht er in den Vorruhestand.

Schon während seines Studiums hat Uwe Flunkert sich mit den Folgen des Bergbaus beschäftigt. Sein Wissen war der Bönener Verwaltung sehr willkommen. Sie stand nämlich vor einer schwierigen Aufgabe: Der Gemeinderat hatte Anfang der 1990er Jahre beschlossen, das Zechengelände für den Wohnungsbau zu nutzen. Dazu musste das Gelände jedoch zunächst gründlich saniert werden. Im Erdreich schlummerten die Altlasten des Steinkohleabbaus. 

Die Ruhrkohle-AG (RAG) hatte dazu einen eigenen Plan „Sie wollte den Drehrohrofen zur Sanierung einsetzen“, erinnert sich Uwe Flunkert. „Der Boden sollte durchgedreht und erhitzt werden, um ihn von Schadstoffen zu befreien. Das hätte aber nur die PAKs (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, Anmerkung der Redaktion) und Naphthalin herausgeholt, die Schwermetalle wären im Boden geblieben.“ Danach hätte die RAG die Angelegenheit abgehakt. 

Das hätte bedeutet, dass das Areal abgesperrt worden wäre. „Ein eingezäuntes Gelände mit einem Betreten-verboten-Schild am Zaun in der Gemeindemitte war nicht das, was wir wollten“, so der Sachbearbeiter. Die Gemeinde akzeptierte die Pläne der RAG nicht. Sie forderte eine wesentlich umfassendere Sanierung der Fläche. Uwe Flunkert fuhr selbst mit dem damaligen Gemeindedirektor Udo Huesmann nach Düsseldorf, um das Anliegen im zuständigen Ministerium vorzutragen. 

RAG muss umfassend sanieren

In einem städtebaulichen Seminar stellten anschließend fünf Ingenieurbüros ihre Ideen für eine Aufarbeitung des Geländes vor. „Wir haben uns alle drei Monate getroffen“, erzählt der Experte von der Gemeindeverwaltung. Mit am Tisch saßen die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), die bereits einen Kaufvertrag für das Grundstück mit der Gemeinde abgeschlossen hatte, Vertreter der RAG und Anwohner. „Die waren besonders bestimmt“, berichtet der Geograf von durchaus verhärteten Fronten. Am Ende setzte sich die Gemeinde durch. Die RAG musste das einstige Betriebsgelände umfassend sanieren. 

„Ich denke, das ist uns gut gelungen“, blickt Flunkert heute zufrieden auf den langjährigen „Kampf“ zurück. „Das war wirklich eine spannende Zeit.“ Das Gebiet sei jetzt hoch qualifiziert abgesichert. „Der südliche Bereich war ohnehin nicht so stark belastet, dort sind heute Grünflächen. Und auch die Deponie fällt nicht mehr so stark auf“, weist er auf das Landschaftsbauwerk, den „Hügel“, rechts des Förderturmes hin. Er beherbergt das kontaminierte Erdreich unter dicken Folien und Sicherheitsschichten. 

Uwe Flunkert

Zu tief graben sollte aber niemand in diesem Bereich. „Wenn man nicht rangeht, dann dürfte aber nichts passieren“, ist sich Flunkert sicher. Nach mehr als 15 Jahren konnten er und seine Kollegen das „Projekt“ Geländesanierung aus ihrem Fachbereich an die Planer der Gemeinde übergeben. 

Aus der Wohnbebauung des Zechengeländes wurde übrigens trotzdem nichts. Die Goetheschule benötigte einen neuen Standort – das hatte für die Gemeinde Vorrang. „So hat man die Schule vom Ortsrand weiter in die Mitte geholt“, sagt Flunkert. Das Grundwasser in dem Bereich ist nach wie vor belastet. Es wird weiterhin von der Bergaufsichtsbehörde kontrolliert und muss stetig gereinigt werden. 

Eine ganz andere Qualität hat da das Wasser der Seseke, und das liegt nicht zuletzt an dem großen Gewässerentwicklungskonzept, welches Uwe Flunkert in den vergangenen rund zwei Jahrzehnten mit begleitet hat. Er nennt die Maßnahme eine ökologische Verbesserung. „Eine Renaturierung wäre noch umfassender, aber dafür haben wir hier an der Seseke nicht genug Platz“, erklärt er. Der kleine Fluss diente jahrzehntelang als Schmutzwasserlauf, der das Abwasser der Region abführte. Jetzt fließt er, vom Schmutz befreit, wieder offen durch natürliches Gelände und bietet an seinem Ufer Lebensraum für unzählige Tiere und Pflanzen. Sogar Fische schwimmen wieder darin.

Müllabfuhr in kommunalen Händen

„Ich denke, das haben wir gut hinbekommen“, sagt der Holzwickeder. Das Gewässerentwicklungskonzept war ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit. Zuständig war Uwe Flunkert bislang für den Umwelt- und Gewässerschutz bei der Verwaltung sowie seit einigen Jahren auch für die Abfallwirtschaft. „Da hat sich einiges getan“, weist er auf die Gründung der „GWA Kommunal Anstalt öffentlichen Rechts“ hin, mit der Bönen gemeinsam mit Holzwickede und inzwischen der Stadt Kamen in Kooperation mit dem Kreis Unna die Müllabfuhr in den beteiligten Kommunen durchführt.

 Das Thema Müll hat den Verwaltungsmitarbeiter darüberhinaus intensiv beschäftigt. „Generell nimmt die Vermüllung überall zu“, stellt er fest. Neulich wurde Uwe Flunkert erst auf einen extrem ekeligen Fund in Bönen aufmerksam gemacht: Ein Spaziergänger hatte einen Sack voller Tier-Innerein im Gebüsch entdeckt. Neben den wilden Müllkippen ärgert er sich zudem über den Unrat, der überall an den Straßenrändern liegt. „Besonders schlimm ist es an der Autobahnabfahrt“, weiß der 63-Jährige. Dort heißt es offensichtlich allzu häufig: Fenster runter, Müll raus. „Ich begreife einfach nicht, was in den Köpfen vieler Auto- und Lkw-Fahrer vorgeht“, wundert Flunkert sich. 

Umwelt- und Naturschutz liegen ihm dabei nicht nur beruflich am Herzen. „Wenn man sich mit Umweltschutz befasst, dann überschneidet sich das. Ich gehe immer mit offenen Augen durch den Landschaft.“ Dazu hat er nun auf jeden Fall etwas mehr Zeit. Bis Ende Juli hat Uwe Flunkert Urlaub, am 1. August beginnt sein Vorruhestand.

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