Zum Corona-Schutz

Bart ab für FFP2-Maske: „Bart wächst nach, die Lunge nicht“: Mann aus Bönen macht radikalen Schnitt

Wer FFP2-Masken trägt, der sollte auf seinen Bart verzichten. Deswegen hat Dirk Presch aus Bönen den Rasierer angesetzt - zum Schutz vor Corona.

Bönen - Der Bart ist ab. Bönens wahrscheinlich prominentester Gesichtspelzträger Dirk Presch verabschiedete sich zu Wochenbeginn von seinem Bart. Das hat einen ernsten Hintergrund. (News zum Coroonavirus im Kreis Unna)

GemeindeBönen
LandkreisUnna
Fläche38,02 km²
Einwohner18.171 (31. Dez. 2019)

Bart ab wegen FFP2-Maske: Mann aus Bönen mit Rasur zum Corona-Schutz - Positive Reaktionen auf Facebook

Zumindest vom Vollbart hat sich Dirk Presch getrennt. „Einen Pornobalken, also Schnäuzer, habe ich stehen lassen“. Eine entsprechende vollverspiegelte Brille aus den 70er-Jahren besäße er auch noch, scherzt der Vorsitzende des Gemeindesportverbandes. Aber der Hintergrund der Aktion sei ein durchaus ernster: Vollbart und Corona-Maske tragen als Virenschutz gehen nicht zusammen.

Durchweg positiv seien die 60 Kommentare auf Facebook gewesen, wo er ein Vorher-Nachher-Bild postete. „Einer meinte, dass jemand Fremdes meinen Account nutze“, erzählt der Mann aus Bönen. Als die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Bayern bekannt wurde, habe er sich spontan entschlossen, den Bart abzunehmen. „Ich bin ja selber vorsichtig, habe zum Beispiel auch Eltern, die 90 und 85 Jahre alt sind“, erklärt Presch. Die Maskenpflicht, die in Bayern bereits gilt, soll nach den Beschlüssen des Bund-Länder-Treffens mit Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der verschiedenen Bundesländer, bald auch bundesweit umgesetzt werden - somit auch in NRW.

Unter diesem Gesichtspunkt, sich und andere zu schützen, sei es ihm leicht gefallen, zum Bart-Trimmer zu greifen. „Der war lange nicht in Gebrauch, ich hab den Bart die letzten Jahre immer vier Wochen wachsen lassen, war dann beim Barbier“, erklärt Presch. Der Griff zum elektrischen Schergerät brachte zwei Handvoll Haare innerhalb von knapp zwei Minuten, die Bestätigung, 15 Jahre jünger auszusehen und eine ganze Reihe Erinnerungen an die Geschichte des Bartes.

Dirk Presch vor der Rasur.

„Meine Kinder Sarah (35) und Frederik (31) kennen mich nicht ohne“, sagt Presch. Die Anfänge des verstärkten Haarwuchses verortet der 61-Jährige in seine Pubertät. „Mit 16 Jahren habe ich ihn wachsen lassen, bei der Bundeswehr mit 18 nicht abgenommen – während die anderen sich rasiert haben, konnte ich so 20 Minuten länger schlafen.“ Immer habe er keinen Vollbart getragen. „Auch mal Schnäuzer zwischendurch, aber zu 80 Prozent war’s schon ein Vollbart.“

Bart ab wegen FFP2-Maske: Auch bei der Feuerwehr nur ohne Vollbart

Keine Probleme mit dem Tragen der Corona-Maske dürften jetzt viele Feuerwehrleute in Bönen haben. Denn unter der schweren Atemschutzausrüstung der Feuerwehr ist das Tragen eines Vollbarts ohnehin verboten. „Das hat zwei Gründe“, erklärt Thomas Koerdt. Der stellvertretende Löschzugführer ist bei der Bönener Feuerwehr verantwortlich für den Einsatz mit diesem Gerät.

Auch bei der Arbeit der Feuerwehr mit Atemschutzgeräten sind Vollbärte ein No-Go.

„Zum einen sind die Masken, oder offiziell gesagt: die Atemanschlüsse, unter Überdruck im mbar-Bereich gesetzt. Da wird sie undicht, wenn Narben und Bart im Dichtungsbereich liegen.“ Zum anderen könnten Barthaare Ventile daran hindern, komplett zu schließen. Wer bei der Feuerwehr die Befähigung zum Atemschutzgeräteträger erreichen möchte, muss also erst einmal zum Rasierer greifen. Ein Vollbart muss ab. „Da gibt es keine Kompromisse“, sagt Koerdt. Ein Oberlippenbart würde geduldet, wenn dieser sich nicht im Dichtungsbereich der Gesichtsmaske befinde.

Bart ab, Maske auf: Dirk Presch ist eigentlich bekennender Vollbartträger. Selbst seine Kinder kannten ihn bisher nicht ohne Bart. Für das Tragen einer FFP2-Maske war der Bart aber hinderlich.

Theoretisch könnte Dirk Presch nun also auch bei der Feuerwehr anfangen. 160 Likes bekam der Bönener auf Facebook. Und wie gesagt: nur positive Kommentare. „Bart wächst nach, die Lunge nicht“, lobte Christian Kamp, Leiter des Suchdienstes des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe. „Ich werde ihn auch wieder wachsen lassen, wahrscheinlich aber kürzer“, schließt Presch. Und die Stoppeln würde er nicht nass wegrasieren, die Corona-Maske sei auch mit Stoppeln dicht.

Dirk Presch nach der Rasur

Wer auf FFP2-Masken setzt, sollte keinen Bart tragen - so viel steht fest. Doch es sind auch OP-Masken im Gespräch, die nach den Beschlüssen beim Corona-Gipfel bereits ausreichen könnte. Zwischen FFP2-Maske und OP-Maske gibt es zentrale Unterschiede - auch in ihrer Wirksamkeit. Doch eines scheint sie zu einen: Sie bieten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen beide einen besseren Schutz als herkömmliche Alltagsmasken aus Stoff.

Rubriklistenbild: © Presch

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