Unterschiedliche Meinungen

Fahrschule und Corona: Klappt der digitale Theorieunterricht?

Fahrschule Ulrich Nagel Azra Demir
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Bevor es ans Lenkrad geht, müssen die Hände desinfiziert werden: Fahrlehrer Ulrich Nagel und Schülerin Azra Demir.

Anders als im ersten Lockdown müssen Fahrschulen diesmal nicht ihren Betrieb einstellen. So können Fahrschüler weiter in Theorie und Praxis geschult werden. Doch eine besondere Situation fordert auch besondere Maßnahmen – oder doch nicht?

Bönen/Kreis Unna – Ulrich Nagel, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule findet nicht, dass besondere Maßnahmen wie digitales Lernen für den Theorieunterricht eine dauerhafte Alternative bieten. „Wir bieten kein digitales Angebot an. Das haben wir auch im ersten Lockdown nicht getan“, sagt Nagel.

Wenn Schüler digital weiter unterrichtet werden und ihre Theorieprüfung absolvieren, gleichzeitig aber keine Fahrstunden stattfinden können, entstehe eine lange Warteliste bezüglich der Fahrstunden. Um dies zu vermeiden, setzt Nagel weiterhin auf den persönlichen und direkten Theorieunterricht. Um persönliche Kontakte zu beschränken, bietet die Fahrschule Nagel nun nur noch eine anstatt zwei Theoriestunden pro Woche für die rund 80 Fahrschüler an.

Fahrschulen und Corona: 100 Laptops für den digitalen Unterricht der Fahrschüler

In der Fahrschule Kepp mit Standorten in Kamen, Bergkamen und Werne hat die digitale Variante hingegen überzeugt. Inhaber Michael Kepp hat sogar extra für den digitalen Unterricht 100 Laptops angeschafft, damit Fahrschüler von Zuhause aus am Unterricht teilnehmen können. Im Theorieunterricht seien laut Kepp Reaktionen unter den Masken der Schüler kaum wahrnehmbar – das sei digital einfacher, da keine Masken getragen werden. Deshalb habe sich der digitale Theorieunterricht zum zweiten Mal durchgesetzt. Was im ersten Lockdown nur eine Übergangslösung sein sollte, wurde ab Oktober wieder eingeführt. Die steigenden Fallzahlen sorgen für Verunsicherung. „Damit wir die Infektionsgefahr eindämmen können, bieten wir E-Learning an und verzichten so auf persönliche Kontakte“, sagt Kepp. Im ersten Lockdown habe sich das digitale Prinzip mit den rund 500 Fahrschülern bewährt.

Im März und April verzeichnete die Fahrschule Kepp deutliche Verluste, der praktische Bereich fiel komplett weg. Von Mai bis Juli lief es dann wieder besser, da viele Schüler ihre Theoriestunden bereits im Lockdown digital absolvieren konnten und so direkt zum Praxisteil übergehen konnten. „Das ist eigentlich das Beste, was wir in dieser Zeit machen konnten“, ist sich Inhaber Kepp sicher. Die Welt habe sich verändert und das digitale Zeitalter werde durch Corona beschleunigt.

Fahrschulen und Corona: Personalmangel weitere Herausforderung

Corona ist aber nicht die einzige Herausforderung für Ulrich Nagel. Mit einer Teilzeitkraft muss er die Fahrstunden alleine anbieten: „Gute Fahrlehrer sind einfach rar.“ Dabei sind die Anforderungen für einen potenziellen Fahrlehrer gar nicht so hoch: Ein Führerschein, eine Fahrlehrerausbildung, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein abgeschlossenes Studium und mindestens ein Hauptschulabschluss sollten gegeben sein. „Viele stellen sich unter dem Beruf etwas anderes vor. Doch wir haben nicht die besten Arbeitszeiten“, sagt Nagel. Wer diesen Beruf nur als Beruf ansehe, der sei dort fehl am Platz. „Man muss mit Herz dabei sein, sonst funktioniert das nicht.“

Der Personalmangel ist gerade jetzt ein Problem, denn die Schüler, die sich im Zeitraum des zweimonatigen Lockdown angemeldet hatten, wollen nun weiter kommen. Nagel: „Wir haben deshalb unheimlich viel zu tun.“

In allen Fahrschulräumen herrscht Dokumentationspflicht für alle Teilnehmenden, zudem herrscht Maskenpflicht. Im Fahrschulwagen gilt für alle Fahrschüler und ihre Lehrer Maskenpflicht. „Was nervt, sind eigentlich nur die 15 Minuten zum Lüften nach jeder Fahrstunde“, sagt Nagel. Zudem werden die Kontaktflächen nach jeder Fahrt desinfiziert. Die Fahrstunde beginnt und endet jedes Mal vor der jeweiligen Fahrschule.

Die Fahrschüler machen sich laut Nagel wenig Sorgen über eine mögliche Ansteckung. Und so lange die Schutzmaßnahmen eingehalten werden, mache sich auch Fahrschullehrer Nagel keine.

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