Fahrrad- und Autohändler im Lockdown

Die Werkstatt hält die Betriebe über Wasser

Zweiradhändler Bernhard Lülf mit neuer Ware vor seinem Laden
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Zweiradhändler Bernhard Lülf hat gerade neue Ware bekommen. Der Zweiradmarkt sei ziemlich leer gefegt, sagt er.

Bönen – Mobilität ist ein wichtiges Thema in der Pandemie. Wie komme ich von A nach B, wenn ich nicht öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte? Mit dem Pkw oder dem Fahrrad, das als Verkehrsmittel so beliebt ist wie nie. Viele setzen jetzt auf das Zweirad, um zum Job zu kommen, Einkäufe zu machen oder auch etwas Bewegung an der frischen Luft zu bekommen.

Das bestätigt auch der Bönener Zweiradhändler Bernhard Lülf, der an der Bahnhofstraße in Altenbögge sein Geschäft hat. Lülf war gleich doppelt gebeutelt im vergangenen Jahr. Im November 2019 erkrankte er schwer und konnte erst im August 2020 in sein Geschäft zurückkehren. Da hatte die Coronapandemie längst alles verändert und zusätzlich für schwierige Bedingungen gesorgt. „Mein Auszubildender und ein freier Mitarbeiter übernahmen von jetzt auf gleich und sorgten dafür, dass der Laden weiterlief“, erzählt er dankbar. „Das hat uns aufrecht gehalten.“

So konnte vor allem die Werkstatt weiterlaufen, die ja auch im Lockdown weiter geöffnet ist, und allen Kunden geholfen werden, die einen Platten hatten oder eine neue Bremse brauchten. Die Zahl der Reparaturen, die in seinen Betrieb gebracht wurden, sei überdurchschnittlich hoch. Wahrscheinlich haben viele Bönener wieder ihr altes Fahrrad entdeckt und wollten es wieder flott machen. Dennoch gingen die Umsätze insgesamt natürlich massiv in den Keller.

Markt leer gefegt

„Was allerdings jetzt schwierig ist“, sagt Lülf, „ich konnte in der Zeit keine Ware ordern. Normalerweise macht man bei den Herstellern eine Vororder für das kommende Jahr. Das war durch meine Erkrankung natürlich nicht möglich.“ Hinzu komme, dass der Markt aufgrund der Coronapandemie abgegrast sei. „Es ist schwierig, überhaupt noch Ware zu erhalten.“ Die Hersteller produzierten weniger, die Außendienstmitarbeiter dürften nicht reisen – all das machte es nicht einfacher.

Immerhin, gerade gestern wurden Berhard Lülf wieder sechs Fahrräder geliefert. Bei einem Vertreter sei er dann doch noch seine Bestellliste losgeworden. „Man nimmt, was man kriegen kann, denn die Nachfrage ist weiterhin hoch, gerade bei Pedelecs.“

Wie kommt der Kunde im Lockdown überhaupt an ein neues Fahrrad? Der Laden ist ja geschlossen. „Das geht per Telefon“, berichtet Lülf. Die Kunden rufen an und lassen sich beraten, welche Modelle lieferbar sind.“

Wichtig wäre ja auch, ein neues Rad vor dem Kauf einmal auszuprobieren und Probe zu fahren, damit alles passt. Das sei grundsätzlich machbar, sagt Bernhard Lülf. „Entweder stellen wir es nach Verabredung vor die Tür, und der Kunde kann dann eine Runde drehen. Oder wir liefern es zu ihm nach Hause an die Tür, und er kann dort eine Probefahrt machen.“

Lockerungen nur mit Vorsicht

Schwieriger sei es schon bei der Ersatzteilbeschaffung. „Wenn jemand anruft, an seinem Rad sei etwas an der Bremse kaputt, dann muss ich erst mal rausfinden, welches Teil von welchem Hersteller meint er. Manchmal hilft es, Bilder im Internet zu vergleichen. Das nächste Problem ist, das Ersatzteil zu erhalten, wenn es nicht vorrätig ist: „Der Markt ist zusammengebrochen, weil er im vergangenen Jahr leer gekauft wurde.“ Aber bisher hat er seinen Kunden fast immer helfen können.

Hofft er, dass sich nach dem digitalen Gipfeltreffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin für ihn etwas ändert und der Lockdown endet? „Ich appelliere an den Verstand der Menschen, sich an die Regeln zu halten. Die Mutationen sind wahnsinnig gefährlich, davor habe ich richtig Respekt. Ich würde mich über die Möglichkeit freuen, das Geschäft wieder öffnen zu dürfen – aber nur mit strengen Regeln, etwa Verkauf nur nach Anmeldung, immer nur ein Kunde im Geschäft.“ Er wäre nicht überrascht, wenn der Lockdown verlängert wird. „Natürlich ist das belastend, aber was sollen wir denn machen? Wenn alle Menschen sich an die Regeln halten würden, hätten wir kein Problem, dann dürfte auch der Einzelhandel wieder aufmachen.“

Massiver Umsatzeinbruch beim Verkauf

Auch die Autohändler sind vom Lockdown stark betroffen. Allerdings könne in Bönen aufgrund der geringen Kaufkraft ohnehin keiner allein vom Autoverkauf leben, sagt Heinrich Funke von Ford Funke in Nordbögge. Während die Autowerkstätten als systemrelevant für die Mobilität weiterhin geöffnet bleiben dürfen, müssen die Verkaufsräume der Händler geschlossen bleiben. „Wir sind von dieser Regelung aber nicht betroffen, da wir keinen Verkaufsraum haben, ebenso wie VW Garske in Bönen“, erläutert Heinrich Funke. „Unsere Werkstatt ist unser Hauptgeschäft, das läuft relativ normal weiter.“

Das Neuwagengeschäft des Fordhändlers sei aber gegenüber 2019 massiv um rund 70 Prozent eingebrochen. „In der Pandemie wissen viele Menschen nicht, wie es beruflich weitergehen wird – da hält man sein Geld zusammen und kauft kein neues Auto“, ist seine Erfahrung. „Wir können überleben, weil wir ein kleiner Betrieb mit wenig Kosten sind. Da sieht es bei großen Händlern, die hauptsächlich auf Neu- und Jahreswagenverkauf setzen, ganz anders aus. Da stehen tausende Fahrzeuge auf Halde und die Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit.“

Mangel an Neufahrzeugen herrscht also nicht am Markt. Funke kann bei Bedarf jedes Modell besorgen. Auch eine Probefahrt wäre bei Interesse zu arrangieren – das gilt natürlich auch für Gebrauchtwagen. Da seien vor allem Kleinwagen bis 5000 Euro gefragt. „Weil aber so wenig Neuwagen verkauft werden, nehmen wir auch entsprechend wenig Gebrauchtwagen in Zahlung.“

Von einer Lockerung des Lockdowns wäre Funkes Betrieb mangels Verkaufsraum wie bereits erwähnt gar nicht betroffen. Er rechnet nicht damit, dass der Autohandel in Kürze wieder öffnen darf. Vielleicht irgendwann mit Begrenzung der Personenzahl. „Ganz öffnen kann man nicht bei den Zahlen, ganz abschließen auch nicht.“

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