Urteil nach heftigem Vorfall in Zug nach Hamm

Gewalt bei Ticketkontrolle in Zug: Schaffner gehen auf 14-Jährigen los

Fahrkartenkontrolle
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Bei einer Fahrkartenkontrolle haben zwei Schaffner gegenüber einem 14-Jährigen Gewalt ausgeübt.

Schaffner sind bei der Fahrkartenkontrolle oft Gewalt ausgesetzt. In einem Zug in Richtung Hamm wurden nun aber zwei Fahrkartenkontrolleure gewalttätig.

Bönen/Hamm - Eine eskalierte Ticketkontrolle in einem Zug Richtung Hamm beschäftigte jetzt den Strafrichter im Amtsgericht Unna. Der Tag endete mit 1350 und 2025 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung seitens zweier Schaffner.

Am 5. März benutzte ein damals 14-Jähriger den Zug nach Hamm. Im Gemeindegebiet Bönen verlangte ein Kontrolleur seinen Fahrschein. Der Teenager hatte lediglich ein Ticket, das bis Unna gültig war. Also schrieb der Schaffner eine Strafe auf.

Was nun geschah, hätten die Bilder einer Überwachungskamera zeigen können. Doch das Material konnte dem Gericht aus, wie es hieß, „betriebstechnischen Gründen“, nicht zur Verfügung gestellt werden. Und so musste sich der Richter aus den Angaben der Beteiligten ein Bild vom Geschehen machen.

Fahrkartenkontrolle artet aus: Unterschiedliche Versionen des Ablaufs

Der Teenager gab an, von einem der beiden Angeklagten erst in den Sitz gedrückt, dann gegen die Wand gepresst und anschließend in die Bauchgegend geschlagen worden zu sein. „Ich war laut, ich war sauer“, gab der Geschädigte zu. Das aber nicht wegen der Kontrolle an sich, sondern, weil der Angeklagte ihn nicht in Bönen habe aussteigen lassen. Dass sein Ticket lediglich bis Unna gültig war, habe er gewusst. Der Mitangeklagte sei dazugekommen und habe ihn in Hamm aus dem Zug geworfen.

Beide Angeklagten stritten die Vorwürfe ab. Der Jugendliche sei aufgestanden und mehrfach auf den Angeklagten (53) zugegangen: „Wir standen Nase an Nase.“ Dann habe der Teenager mit Migrationshintergrund ihm zugerufen: „Du deutscher Bastard hast mir gar nichts zu sagen.“ „Ich möchte abends auch noch nach Hause kommen“, versuchte der Schaffner sein darauf folgendes Verhalten zu rechtfertigen.

Fahrkartenkontrolle artet aus: Zeugen belasten Kontrolleure

Nach der Drohung habe er den 14-jährigen im Hals- und Nackenbereich gepackt und ihn in Richtung Tür geschoben. „Ich habe ihm lediglich an der Tür die Arme nach hinten gedreht. Das Wegschieben diente dem Eigenschutz“, so der Angeklagte. Er habe den Jungen aber weder getreten noch geschlagen. Das bestätigte der zweite Angeklagte.

Zwei Fahrgäste aus Bönen sagten aus, einer der Angeklagten hätte den Teenager gegen eine Haltestange geschubst und ihn gegen die Wand gedrückt. „Ich habe die Situation erst nicht wahrgenommen, dann kam es mir allerdings ziemlich heftig vor“, erklärte ein 31-Jähriger. Als der Zug in Hamm angekommen sei, habe der Junge plötzlich auf dem Bahnsteig gelegen: „Er war am Zittern.“ Über das Verhalten der Schaffner sei er schockiert gewesen. Der zweite Zeuge (27) bezeichnete das Vorgehen der Kontrolleure als krass.

Vorstrafen brachten die beiden Schaffner nicht mit. „Das war einfach eine unangemessene Behandlung“, fasste der Richter am Schluss zusammen.

In Arnsberg ist vor Kurzem ebenfalls eine Fahrkartenkontrolle aus dem Ruder gelaufen*. In diesem Fall war es der Fahrgast, der sich aggressiv verhalten hatte. Die Situation endete damit, dass der Mann seine Fahrkarte herunterschluckte. - *sauerlandkurier.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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