Evangelisches Familienzentrum in Bönen bietet Babysignal-Kurse an

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Stefanie Bollermann (Vierte von rechts) stellte den Erzieherinnen der beiden Kitas Katharina Luther und Martin Niemöller sowie interessierten Eltern das Konzept „Babysignal“ vor.

Bönen – Bis kleine Kinder sich mit Worten verständlich machen können, vergeht viel Zeit. Solange rätseln junge Eltern, was der Nachwuchs möchte, wenn die Kleinen mit den Armen rudern, sich verweigern oder erkennbar unglücklich sind. Das Konzept „Babysignal“ soll das ändern. Entwickelt hat die Form der Verständigung mittels Gebärdensprache die Hamburger Pädagogin Wiebke Gericke.

Am Dienstagabend stellte Kursleiterin Stefanie Bollermann das Programm interessierten Eltern und Erzieherinnen in der Kita Katharina Luther vor. Besonders geeignet ist „das Sprechen mit den Händen“ für Familien mit Kindern zwischen sechs und neun Monaten. Die Zeichen, die tatsächlich aus der Gebärdensprache übernommen sind, sind leicht verständlich und werden bei der Anwendung immer mit dem entsprechenden Wort kombiniert. 

Vieles wenden Eltern und auch Kinder an, ohne es erlernt zu haben. „Es ist ihnen oft gar nicht bewusst“, erklärt Stefanie Bollermann. Beispiele sind das Heranwinken mit beiden Händen für „komm“, das Winken für „Tschüss“ oder die zu einem Dach geformten Hände für „Haus“. Mit dem Streichen vom Mundwinkel Richtung Wange können schon kleine Kinder erzählen, dass sie eine Katze gesehen haben, erzählt die Fachfrau anhand von konkreten Beispielen aus ihrer Praxis. 

Sie macht außerdem deutlich, dass die Gebärdensprache ein großer Vorteil in den Kitas ist, wenn auch schon ältere Kinder die deutsche Sprache nicht verstehen. Auch auf Distanzen lässt sich mit Gebärdensprache großartig kommunizieren. „Dann müssen Sie nicht über den Spielplatz brüllen.“ Dabei betont sie, wie wichtig es ist, dass Kinder kommunizieren können. „Sie fühlen sich verstanden und wertgeschätzt.“ 

Gebärdensprache in den Alltag einbinden

Aber auch für Eltern ist die Gebärdensprache hilfreich. „Bei der Gebärdensprache müssen Eltern ihr Kind ansehen“, mahnt sie an, den Blick vom Handy zu nehmen, sobald eine Unterhaltung beginnt. Sie wünscht sich außerdem, dass Eltern ihre kleinen Kinder weniger überrumpeln. Mit dem Zeichen für Windel, dem Klopfen auf den eigenen Unterbauch, erfährt das Kleinkind, dass es ans Windelwechseln geht, lange bevor es das Wort versteht. „Das ist besser für das Kind, das sonst nicht versteht, warum es aus seinem Spiel gerissen wird.“ 

Das Erlernen der Gebärdensprache soll auch niemanden abschrecken. Für die Kommunikation mit Babys genügen schon etwa zehn Zeichen, die aber auf das Lebensumfeld abgestimmt werden. Sind zum Beispiel Tiere im Haushalt, sollte das Kind die entsprechenden Zeichen kennen. Vom Üben der Zeichen mit den Kindern rät sie aber ab. Das Erlernen wird ganz einfach in den Alltag eingebunden, und zwar mit zwei Zeichen pro Woche.

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