Bürgermeister plädiert für Vergrößerung des Containers

Über 100 Kinder ohne Betreuungsplatz - Erweiterung der Übergangskita am Postplatz

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Auf dem Grundstück neben dem Rathaus-Container könnte auch eine größere Übergangskita entstehen.

Bönen – Das Jahr 2020 hat für viele Bönener Eltern nicht gut angefangen, denn ihre Kinder erhalten vorerst keine Zusage für einen Betreuungsplatz. Jetzt hat sich der Bönener Bürgermeister Stephan Rotering mit einem Vorschlag an den Kreis Unna gewandt.

Anfang Januar flatterte bei 102 Familien, die sich um einen Kita-Betreuungsplatz für ihr Kind beworben hatten, ein Informationsschreiben ins Haus, das ihnen mitteilte, dass ihr Kind vorerst keine Zusage für einen Betreuungsplatz erhält, denn die Arbeiten an der geplanten Kita im Borgholz und am Container am Postplatzhaben noch gar nicht angefangen.

 

Viele Eltern sind verzweifelt. Sie müssen nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten gehen und wissen nicht, wo sie ihr Kind unterbringen sollen, und können auch ihrem Arbeitgeber keine verlässliche Auskunft geben. So geht es auch Laura Hellmann, die für Tochter Leni auf einen Betreuungsplatz gehofft hatte. „Beim Kreis hat man uns geraten, uns arbeitslos zu melden und Hartz IV zu beantragen, dann hätten wir bessere Chancen“, berichtet sie. „Wir könnten den Kreis Unna auch verklagen, hat man uns dort gesagt, aber man könne uns dennoch keinen Platz geben.“ Die junge Mutter fragt sich, nach welchen Kriterien die Plätze vergeben werdenund was man tun muss, um sein Kind in einer Kita unterzubringen.

Bei drei Kitas in Bönen hatte sich die Familie beworben, überall hörte sie: „Machen Sie sich keine große Hoffnung.“ Dabei wäre die Familie sogar bereit, notfalls ihre Tochter jeden Tag in eine Kita in einer Nachbarkommune zu fahren. Aber dort sieht es auch nicht besser aus.

 

Bönener Eltern fühlen sich allein gelassen

Viele Bönener Eltern fühlen sich in dieser Situation allein gelassen und haben sich an den Bönener Bürgermeister gewandt, obwohl Ansprechpartner bei den Kitaplanungen der Kreis Unna ist. Stephan Rotering macht dem Kreis jetzt den Vorschlag, die Übergangslösung am Postplatz aufzustocken, damit absehbar alle Kinder untergebracht werden können.

„In der Informationsveranstaltung für betroffene Eltern im Oktober war noch die Rede von etwa 65 Kindern, die unversorgt sind. Bei diesen Zahlen wurde die geplante Übergangseinrichtung am Postplatz mit voraussichtlich 65 Plätzen bereits vorab in Abzug gebracht, sodass sich vorläufig ein tatsächlicher Bedarf von insgesamt 130 Plätzen ergibt“, rechnet Rotering. Zwischenzeitlich wurde in der Kita Schatzkästchen eine Notgruppe mit 20 zusätzlichen Plätzen eingerichtet. Demnach seien noch rechnerisch 110 Kinder in Bönen unversorgt.

Da grundsätzlich schon jetzt ein Bedarf für 130 Kinder bestehe, würden dauerhaft mindestens zwei viergruppige Kitas benötigt. Zur Deckung dieses Bedarfes wurde die Notgruppe mit 20 Plätzen eingerichtet, zudem seien 65 Plätze in der Übergangseinrichtung am Postplatz vorgesehen. Nach Abzug verblieben immer noch 45 unversorgte Kinder.

 

"Dringend erforderlich, Größe der Übergangseinrichtung auszuweiten"

„Ich halte es für dringend erforderlich, die Größe der Übergangseinrichtung auszuweiten und weitere Übergangsgruppen einzurichten. Für diese Erweiterung ist ausreichend Platz auf dem Gemeindegrundstück, um am 1. August allen Eltern einen Betreuungsplatz anbieten zu können.“ Rotering bittet deshalb darum, dass in der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 4. März darüber beraten wird und die erforderlichen zusätzlichen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden.

Da schon jetzt absehbar sei, dass in Bönen dauerhaft mindestens zwei viergruppige Betreuungseinrichtungen benötigt werden, bietet Rotering an, neben dem bereits zur Verfügung gestellten Grundstück im Baugebiet Borgholz II ein weiteres geeignetes Grundstück, ebenfalls auf dem Postplatz, zur Verfügung zu stellen. „Für diese Kita müssten bereits jetzt die Planungen aufgenommen werden, damit sie 2022 fertiggestellt werden kann“, so Rotering. „Wir werden als Gemeinde den Kreis mit allem unterstützen, was wir tun können.“

Zudem liegt der Verwaltung eine Anfrage von drei Frauen vor, die die Voraussetzungen für eine Großtagespflege zur Betreuung von bis zu neun Kindern erfüllen, die bisher keine passenden Räume in der Gemeinde finden konnten. Rotering will nun prüfen lassen, ob zur kurzfristigen und vorübergehenden Versorgung der ehemalige Rathauscontainer oder das Bahnhofsgebäude genutzt werden kann.

 

„Eltern haben noch eine Chance im Nachrückverfahren“

WA-Redakteurin Kira Presch sprach mit der zuständigen Leiterin des Bereichs Familie und Jugend beim Kreis Unna, Katja Schuon, darüber, welche Chancen Eltern haben, noch einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs zu bekommen.

 

Haben Eltern, die jetzt abgelehnt wurden, noch eine Chance im Nachrückverfahren?

Ja, sie haben noch eine Chance. Es ist möglich, dass zugesagte Plätze durch Umzüge aus dem Gemeindegebiet, Verschiebung des Bedarfes auf das nächste Kindergartenjahr oder andere Gründe bis zum 1. März durch die Kitas als „unbelegt“ gemeldet werden, oder sich Eltern auch gar nicht auf die Zusage melden. In diesen Fällen würden die entsprechend frei werdenden Plätze bis zum 1. März an die Eltern auf der Warteliste vergeben.

 

Mitarbeiter des Jugendamtes „raten“ Eltern, Klage einzureichen, machen ihnen dennoch wenig Hoffnung, auf einen Platz. Sie raten, eine Tagesmutter zu engagieren. Die sind aber ebenfalls ausgebucht. Sie geben Müttern den Tipp, zu Hause zu bleiben und Hartz IV zu beantragen, dann hätten sie bessere Chancen auf einen Platz. Was können Eltern tatsächlich tun, die wieder arbeiten müssen?

Wir weisen die Eltern auf Alternativen (Tagespflegepersonen) und auf entsprechende Nachfrage auch auf die rechtlichen Möglichkeiten hin. Wir raten Eltern jedoch nicht, zu Hause zu bleiben und SGB II zu beantragen. Dies erhöht die Chancen auf einen Platz nicht.

 

Bei wie vielen Kitas sollten Eltern sich bewerben?

Bei maximal drei Kitas sollten sich Eltern bewerben. Im Nachrückverfahren ist dies aber nicht mehr notwendig, weil die Eltern dann automatisch für alle Kitas in Bönen berücksichtigt werden.

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