Erster Lipödem-Stammtisch in Bönen trifft auf großes Interesse

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Sabina Donkiewicz (links) hatte die Orthopädie-Spezialisten Alexander Busch und Tanja Köpp (rechts) zum ersten Treffen eingeladen.

Bönen – Die Blicke sind immer noch hämisch, die Betroffenen werden gerne und oft in die Schublade „Dick“ gesteckt. Selbst Medizinern fällt die Diagnose Lipödem bis heute häufig schwer. Sabina Donkiewicz will das ändern und kämpft für mehr Akzeptanz der chronischen Krankheit. Und weil sich zusammen mehr erreichen lässt und ein Austausch in der Regel hilfreich ist, hat sie jetzt einen Stammtisch für Betroffene ins Leben gerufen.

14 Frauen verschiedenen Alters waren so am Donnerstagabend ihrer Einladung in die Gaststätte Denninghaus gefolgt, die meisten davon leben in Bönen und Hamm. „Dass soviele zum ersten Treffen gekommen sind, zeigt doch, wie viele Betroffene es allein hier vor Ort gibt“, stellte Sabina Donkiewicz fest. Sie leidet selbst unter der chronischen Fettverteilungsstörung, eine erste Operation hat sie vor Kurzem hinter sich gebracht.

Die steht vielen der Teilnehmerinnen noch bevor. Und so drehte sich das Gespräch unter anderem um Fachärzte und Kliniken, die den Eingriff vornehmen. Überhaupt scheint es nicht einfach zu sein, den richtigen Mediziner zu finden, manche Ärzte empfehlen den Patientinnen schlicht eine Diät, wie einige Frauen berichteten.

„Eigentlich müssten alle Gynäkologen entsprechend geschult werden. Sie sehen die Frauen ja schließlich alle – als Teenager, als Schwangere und in den Wechseljahren“, so Sabina Donkiewicz. Unter dem Lipödem litten nun mal fast ausschließlich Frauen, hormonelle Veränderungen würden dabei die Krankheitsschübe auslösen.

Kostenübernahme ist ein wichtiges Thema für die Betroffenen

Ein anderer Punkt, der vielen Betroffenen offensichtlich auf den Nägeln brennt, ist die Kostenübernahme für die Liposuktion, die operative Entfernung der krankhaften Fettablagerungen, durch die Krankenkasse. Auch dabei berichteten die Betroffenen von unterschiedlichen Erfahrungen. Stand derzeit ist, dass bei schweren Fällen – ab Grad 3 – die Krankenkassen die Kosten für den Eingriff übernehmen, in manchen Fällen zahlen sie freiwillig sogar ab Grad 2.

Bevor jedoch das Skalpell zum Einsatz kommt, gibt es noch eine Reihe von anderen Therapien, über die Teilnehmerinnen sich ebenfalls austauschten. Die Organisatorin hatte dazu Fachleute eingeladen: Alexander Busch und Tanja Köpp von Orthopädie Busch aus Hamm informierten über Kompressionsstrümpfe und -Strumpfhosen, ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Fettverteilungsstörung.

Zwar können Sport und Bewegung das Lipödem nicht aufhalten, wohl aber die Behandlung unterstützen. Sabina Donkiewicz regte deshalb an, sich zum gemeinsamen Training zu verabreden. Sie möchte in Kooperation mit den Lauffreunden Bönen eine Lauf- beziehungsweise Walking-Gruppe für Lipödem-Betroffene ins Leben rufen. Des Weiteren steht sie mit den Gemeinschaftsstadtwerken (GSW) Kamen-Bönen-Bergkamen in Kontakt, um im Bönener Hallenbad eine spezielle Aqua-Cycling-Gruppe zu installieren.

Facebook- und Whatsapp-Gruppen gründen

Bei ihren Zuhörerinnen kamen beide Vorschläge schon mal gut an, viele meldeten sofort Interesse an. Auch möchten sich die Frauen künftig einmal monatlich treffen. Der nächste Stammtisch wurde deshalb bereits verabredet. Termin ist Donnerstag, 7. Oktober, um 18.30 Uhr in der Gaststätte Denninghaus. Wer sich angesprochen fühlt, ist dazu willkommen. Bis dahin wollen die Betroffenen über eine eigene Facebook- und Whatsapp-Gruppe in Kontakt bleiben.

Wer mehr zum Stammtisch wissen möchte, kann sich an unter der Rufnummer 01 75/4 83 55 30 an Sabina Donkiewicz wenden oder sie über ihre Facebook-Seite kontaktieren.

Lesen Sie dazu auch: Zwei Bönener Frauen kämpfen gegen Lipödeme

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