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Erste Bilanz für den „Super-Blitzer“: 1992 Temposünder in fünf Wochen

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Von: Bernd Kröger

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Blitzer Enforcement Trailer am Straßenrand
Der „Enforcement Trailer“, den sich der Kreis zu Jahresbeginn angeschafft hat, läuft bis zu fünf Tage autonom und ist gegen Vandalismus gesichert. © Anita Lehrke – Kreis Unna

Der neue „Enforcement Trailer“, wie der mobile Blitzer offiziell heißt, den der Kreis Unna für ein Jahr gemietet hat, ist sein Geld wert: Bereits in der ersten Woche hat der unscheinbare Anhänger am Straßenrand 35 645 Euro an Bußgeld-Einnahmen in die Kreis-Kasse gespült und nach fünf Wochen 1992 Temposünder erwischt.

Kreis Unna – „Wer nicht hören will, muss fühlen“, hieß es bis vor nicht all zu langer Zeit noch über den Umgang mit den Unartigen. Nun hat sich zum Glück der Geist gewandelt, in dem die Gesellschaft auf die Kindererziehung schaut. Aber auf der Straße gibt es – sinnbildlich – nach wie vor eins auf die Finger, wenn man sich nicht an die Regeln hält – und dabei am Steuer eines Fahrzeugs zu schnell unterwegs ist. Für diese Art der Verkehrserziehung ist die Kreis-Verkehrsbehörde Unna seit Kurzem „pädagogisch“ auf dem neuesten Stand ausgerüstet.

Ein „Vollstrecker auf dem Anhänger“

Auf den sperrigen Namen „Enforcement Trailer“ ist der mobile Blitzer getauft, der unbemannt mehr leisten kann als der berüchtigte Radarwagen mit Fahrer und Bediener. Ein „Vollstrecker auf dem Anhänger“ also, was übersetzt nicht besser klingt als der Anglizismus für das Gerät. Das erinnert in seinem kantigen, hermetisch geschlossenen Gehäuse an die Stealth-Technik von Tarnkappenschiffen der Marine und sorgt verlässlich für Schlagzeilen, sobald eine Kommune den Super-Blitzer irgendwo an die Straße stellt.

„Das haben wir genau so erwartet“, berichtete Christian Bornemann dem Kreis-Ausschuss für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die öffentlichen Diskussionen, ob der unscheinbare Anhänger nicht selbst eine Unfallgefahr darstelle, führten aber in die Irre. „Alle sehen die Gefahr vor der eigenen Haustür“, schilderte der Leiter der Bußgeldstelle seine Erfahrungen, scherten sich aber selbst woanders nicht darum.

Nur an definierten Gefahrenstellen eingesetzt

Deshalb setzte der Kreis den Trailer – wie auch die übrigen Radargeräte – nur an definierten Gefahrenstellen ein. Anders als die Polizei, darf die Kommune gar nicht „mal eben irgendwo“ den Blitzer platzieren. „Auch geschieht das nicht aus monetären Gründen, sondern im Interesse der Verkehrssicherheit“, beteuerte Bornemann vor den Politikern.

Nur ausnahmsweise habe er für diese erste Bilanz nach der Investition auch addiert, wie viel Bußgeld der Superblitzer in den ersten Wochen eingebracht hat. Die insgesamt 540 Messstellen im Kreisgebiet würden ansonsten nur nach Anzahl und Schwere der Tempo-Verstöße bewertet und genutzt – nicht nach Einnahmemöglichkeit.

Miete von 98 000 Euro dürfte sich schnell amortisieren

Zeigt eine elektronische Verkehrszählung an Unfallschwerpunkten oder neuralgischen Stellen wie Schulen, Kitas, Altenheimen, dass mehr als 15 Prozent der Fahrzeuge schneller unterwegs sind als erlaubt, ist das der erste Schritt zur erforderlichen Begründung einer Messstelle. Ein Jahr lang will der Kreis erproben, ob der Einsatz des Super-Blitzers für mehr Sicherheit sorgen kann. Für 98 000 Euro ist er gemietet. Bornemann hegt keinen Zweifel, dass sich diese Ausgabe mehr als nur amortisieren wird. In den ersten fünf Wochen hat das autonom arbeitende Gerät 1992 Verstöße dokumentiert. Schon nach der ersten Woche war von 35645 Euro an Bußgeld-Einnahmen die Rede.

Was sich mit der Technik nicht ändert, ist die Reaktion der ertappten Fahrer. „Da werden Daten angezweifelt, die Messungen infrage gestellt und was nicht alles“, sagte Bornemann mit hörbarem Unverständnis. „Dabei gibt es einen einfachen Weg, all dem zu entgehen: einfach an die Regeln halten.“

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